Die Religion Erédias
Zwar gibt es ein seit der Zeit des Drakkmannenreiches überliefertes Pantheon von Göttern, doch stellt dies keine zwingende Festlegung dar, zumal es sowieso niemanden gibt, der eine solche Festlegung bestimmen könnte. Vielmehr existiert in der Mythologie eine Vielzahl unterschiedlicher Götter, Halbgötter und anderer übermenschlicher Gestalten. Manche haben nur regionale Bedeutung, wie die Stammesgötter einiger Travenstämme.
Andererseits sind manche der "großen" Götter in einigen Gegenden
überhaupt nicht bekannt oder haben andere Namen oder andere
Funktionen. So ist es auch kein Wunder, dass man anderen Göttern
und Kulten durchaus aufgeschlossen ist und diese sich schnell mit
den alten Bräuchen vermischen. Nur diejenigen, die die anderen
Götter leugnen, schlecht machen oder unter ihre Götter stellen,
werden als Götterlästerer verfolgt.
Viele der Götter, an die die Erédier und Lawegonier glauben, sind mit denen der Traven identisch. Doch es gibt auch Unterschiede, denn im Gegensatz zu den Traven bauen jene Tempel. Es handelt sich oft um Gemeinschaftstempel, die mehreren Göttern geweiht sind. Diese sind meist allen Menschen zugänglich. Es gibt aber auch viele Tempel, die nur einer bestimmten Gottheit vorbehalten sind. In die meisten darf man nur als Priester hinein, da sie oft nur aus einem Raum bestehen, in dem sich das Allerheiligste befindet. Das kann eine Statue der Gottheit sein oder eine Art Reliquie, ein Gegenstand, von dem man annimmt, er habe einer Gottheit gehört oder sei von ihr gemacht worden etc. Nur an bestimmten Festtagen werden die Türen geöffnet, damit das ganze Volk das Abbild oder den Kultgegenstand sehen kann. Oft werden dabei Prozessionen und Opferrituale durchgeführt. Geopfert werden Feldfrüchte, Speisen, Geräte, Hausrat, Waffen, aber manchmal auch Tiere, meistens ist es erlegtes Wild, besonders Soniana wird oft nach einer Jagd ein Teil der Jagdbeute geopfert. Bei bestimmten Festtagen ist es aber auch üblich, lebende Tiere in einer speziellen Zeremonie zu opfern. Bei fast allen Travenstämmen werden sogar auch noch Menschen geopfert, oft sind es Freiwillige, manchmal aber auch Kriegsgefangene, Schwerverbrecher oder Götterlästerer. Im Süden wurde dieser Brauch schon seit langem abgeschafft, dafür haben aber die Henker jetzt mehr zu tun.
Die gebräuchlichsten Opfergaben sind Münzen, Obst, Schmuck, Geschirr, bei Festen vergießt man einen Becher Wein für die Götter und vom Essen verbrennt man eine Schüssel voll auf dem Hausherd.
Innerhalb der Priesterschaft gibt es keine besonders ausgeprägte Hierarchie, alle Priester eines Tempels wählen unter sich einen Obersten Priester oder Tempelvorsteher, in manchen Städten, in denen die Zahl der Tempel relativ groß ist, wählen diese dann wiederum einen Hohepriester (in Frideslar Pontifex Maximus genannt). Allerdings hat keiner von ihnen irgendeine Art von weltlicher Macht, ihre Aufgabe besteht einzig in der Ausübung der Kulthandlungen und Rituale. Vereinzelt sind zwar auch schon Priester zum Berater eines Königs aufgestiegen, doch bevorzugen die meisten Herrscher Magier als Ratgeber. Weltlicher Besitz ist den Priestern nicht gestattet, ausgenommen eine gewisse Menge Geld und einige persönliche Gegenstände, alles andere müssen sie an die Armen verteilen. Genausowenig dürfen sie heiraten und eine Familie gründen. Jedoch müssen sie deshalb nicht in völliger Enthaltung leben, sie dürfen sich durchaus vergnügen, wie es normale Bürger auch dürfen. Ihre Aufgaben bestehen darin, den Göttern zu dienen, sich also um die Zeremonien zu kümmern, die Opfergaben entgegennehmen, von denen ihnen ein gewisser Teil zur Versorgung zusteht, sowie Zeichen und Omen zu deuten.
Inzwischen gibt es allerdings auch im Süden Erédias Priester, die sich ganz vom weltlichen Leben zurückziehen wollen. Sie leben in kleinen Gemeinschaften in sogenannten Klöstern, deren Vorbild bei den Alisiern zu suchen ist. Oft wurden alte alisiche Klosteranlagen, wie sie im Süden allerorten zu finden sind, von diesen Gruppen übernommen. Ihre Mitglieder nennen sich Mönche und leben nach ihren eigenen, strengen Regeln. Sie versorgen sich weniger mit Opfergaben als vielmehr mit den Dingen, die sie in ihren Klostergärten angepflanzt haben. Der größte Unterschied besteht allerdings darin, daß sie vornehmlich nur eine spezielle Gottheit verehren, im Gegensatz zu den normalen Priestern, die zwar meist nur einem der Götter geweiht sind, den anderen aber ebenso dienen. Zwar glauben auch die Mönche normalerweise an die anderen Götter, doch konzentrieren sich ihre Zeremonien meist nur auf einen bestimmten Gott. Deswegen werden sie von der übrigen Priesterschaft recht argwöhnisch betrachtet und viele sind der Ansicht,
dass die Mönche in Wirklichkeit den alisischen Aldonglauben übernommen haben und die Verehrung der alten Götter nur vorgetäuscht ist.
Der Drakkmannische Pantheon:
Der Klerus in Erédia:
|