Das Mittelalter
Spiele im Mittelalter
Viele Spiele die wir heute, in der so genannten
"Freizeitgesellschaft", kennen,
haben ihre Ursprünge in der Antike, so wie das "Mühle-Spiel", oder im
Mittelalter. Ausgrabungen in der Nähe von Konstanz oder Freiburg haben ergeben,
dass Spielzeuge nicht nur in der Schicht der Adligen oder Bürger zu finden
waren, sondern auch bei der Bauernschicht, die ja einen Großteil der Bevölkerung
ausmachten. Jedoch bleibt die Frage offen, ob die Spielgeräte von Kindern oder
aber von Älteren benutzt wurden. Auf vielen Gemälden, wie einer von Pieter Brueghel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, sind die Spielenden oft als
kindlich wirkende Erwachsene oder aber als Kinder mit erwachsenen Gesichtszügen
dargestellt. Das Alter der dargestellten Personen ist also kaum zu bestimmen.
Man muss sich aber auch vor Augen halten, dass die durchschnittliche
Lebenserwartung eines Bauern bei gerade mal 30 Jahren lag, bei den reicheren
Schichten betrug sie zwar ein wenig aber dennoch kaum mehr.
Dass das Spielen nicht von allen Klassen für gut befunden wurde, zeigen
aufgezeichnete Verbrennungen von Spielen, so wie es beispielsweise nach einer
Predigt von Capistranus 1454 in Ulm geschehen ist. Aber es gab unter anderem
auch den Dominikanermönch Ingold, der Spiele als Heilmittel gegen die Todsünden
empfahl.
Im Folgenden werden einige Arten von Spielen genauer erklärt:
Kinderspiele
Kinderspiele sind vor allem Nachahmungsspiele, die das Leben von Erwachsenen
durch Steckenpferd, Puppen und kleineren Haushaltgegenständen
(Puppen-Haus-Geschirr etc.) nachgestellt wird. Allein bei den Puppen gibt es
mehrere Arten: Docken - Puppen aus Holz - die von Dockenmachern gefertigt
wurden, Ton-Puppen, die von so genannten Bilderbäckern hergestellt wurden und Kruselerpuppen, die mit ihrem aufwändigen Kopfschmuck die Mode der Adeligenkaste
des 14. und 15. Jahrhundert nachahmten.
Weiter gab es natürlich auch Figürchen aller Art und Murmeln aus Holz oder Ton
und ebenso schon Bleisoldaten, die eine mögliche Variante des späteren Lebens
für die Kinder darstellten. Knarren und Rasseln waren früher ebenso ein Spaß,
wie er es für Kinder und manch Erwachsenen noch heute sind.
Natürlich gab es auch klassische Such- und Fangspiele wie der "Wolf und
Schaf-Spiel", das heute noch unter "Der Plumpssack geht um" bekannt ist. Dabei
wird ein Spieler - der Wolf - ausgewählt, der den Plumpsack bekommt. Dieser geht
nun um die im Kreis zur Mitte hin gewandten Mitspieler - die Schafe - herum und
lässt irgendwann den Plumpssack fallen. Der Spieler, hinter dem der Sack auf den
Boden fällt, muss hinter dem Wolf im Kreis herlaufen und ihn abschlagen, damit
er selbst nicht zum Wolf wird. Schafft er dies nicht bis der Wolf am Platz des
Schafes ist, so hat die Spielrunde einen neuen Wolf, der mit dem Plumpssack
umgeht.
Das in der Grundschule bekannte und beliebte Hüpfspiel "Himmel und Hölle" bzw. "Hüpfekästchen"
spielte man ebenfalls schon im Mittelalter.
Denkspiele
Das wohl bekannteste und Spiel aus dem
Mittelalter ist das taktische Schachspiel, das sich heute fast überall auf der
Welt verbreitet hat. Früher nannte man es noch "Schachzabel" und gelangte aus dem arabischen Raum nach
Europa. Gespielt wurde es hauptsächlich von den betuchteren Leuten, wie Adel,
Klerus und städtische Bürger. Das verwendete Material für Bretter und Figuren
reichte von Holz bis hin zu Edelsteinen
Das Mühlespiel wird zwar erst im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich genannt,
dennoch stammt es aus der Antike. Der Beweis dafür ist wohl der Karlsthron im
Aachener Dom. Dieser ist aus Steinplatten eingesetzt, die aus spätrömischer Zeit
stammen und möglicherweise Gehwegplatten waren. Auf einem dieser Steine ist
deutlich ein Mühlespielfeld eingeritzt. Als Steine zum Spielen wurde alles
genommen: Ton- oder Holzplättchen, Kieselsteine oder Obstkerne.
Ein weiteres Spiel ist das "Fuchs und Gänse-Spiel". Dies wurde ebenfalls auf dem
Mühlebrett gespielt. Ein Spieler bekam als Fuchs nur einen Spielstein und der
Gänsespieler 17. Die Gänse dürfen immer nur einen Schritt vor und zur Seite
gezogen werden. Der Fuchs dagegen darf überall hin ziehen und darf auch über
Schafe springen. Tut er dies, so scheidet die Gans aus. Die Gänse selbst müssen
versuchen den Fuchs zu blockieren, um zu gewinnen.
Ein sehr interessantes Spiel ist das nordische "Hnefatafl". Das Spielfeld
besteht aus 9x9 Felder und wird zu zweit gespielt. Der König besitzt einen
Königsstein, der in der Mitte des Feldes platziert wird und zusätzlich 8 weitere
schwarze Steine. Der Gegner besitzt 16 weiße Steine. Jeder muss pro Runde einen
seiner Steine beliebig weit in horizontaler oder vertikaler Richtung schieben.
Der König allein darf das Königsfeld betreten, alle anderen Figuren dürfen aber
darüber hinweg gehen. Aufgabe des Königs ist es, in eines der vier
Spielfeldecken zu gelangen, auf die nur er gehen kann und die als
Mitspieler-Steine des Königs-Spielers behandelt werden. Dabei ist zu beachten,
dass Steine auch geklaut werden dürfen. Dies geschieht dann, wenn ein Spieler in
seinem Zug einen gegnerischen Stein in die Zange genommen hat, also rechts und
links, bzw. oben und unten von einem gegnerischen Stein aus eigene Steine
postiert hat. Der König darf dabei nicht involviert sein, es sei denn er wird
dabei geschlagen. Dies geschieht aber nur, wenn er vom Gegner mit drei Steinen
und dem Spielfeldrand oder von vier Steinen eingekreist ist und in keine
Richtung mehr ziehen kann.
Ebenfalls ein altergebrachtes Spiel ist das heutige "Backgammon", das früher
"Puff" oder "Wurfzabel" genannt wurde. Die Figuren wurden damals aus Holz oder
Knochen hergestellt und wurde mit vielen verschiedenen auch heute noch bekannten
Varianten gespielt.
Kartenspiele
Für Europa sind Kartenspiele erst für das 14. Jahrhundert belegt. Sie kommen aus
dem Orient und haben als Zeichen/Symbole: Kelch, Zepter, Schwert und Rind, die
Attribute für den Hindu-Gott Ardharani sind. Von diesen Gegenständen leiteten
sich die späteren Grundfarben Pokal, Schwert, Stab, und durch ein
Missverständnis der Ring ab. Die Werte der Karten stellen die mittelalterliche
Feudalgesellschaft dar: An der Spitze steht der König mit seinem Gefolge und der
namenlosen Zahl der Untertanen.
Eine einfache Form des Karten-Glücksspiels ist der "Landsknecht": Es wird mit
allen Karten gespielt und der Geber legt nebeneinander drei verdeckte Karten auf
den Tisch. Nun machen die Spieler ihre Einsätze. Anschließend werden die beiden
äußeren Karten aufgedeckt. Sind diese vom Wert her gleich, hat der Geber
gewonnen, sind beide Werte unterschiedlich, wird die mittlere Karte aufgedeckt.
Stimmt diese mit dem Wert der rechten überein, hat wieder der Geber gewonnen,
andernfalls werden die Einsätze unter den Spielern aufgeteilt. Sind alle drei
Werte unterschiedlich, geht das Spiel weiter und das Geld bleibt sozusagen im "Jackpot". Man merkt sofort, dass der Geber hier klar im Vorteil ist.
Ein weiteres auch heute noch bekanntes und gern gespieltes Kartenspiel ist das
"Pochen" bzw. Pokern.
Weitere Spiele
Neben den genannten Spielen, gab es aber auch schon viele weitere uns heute als
Kinder-Spiele bekannte Spiele, wie beispielsweise das Springseil, Wettlaufen,
"Bäumchen wechsel dich", Fangspiele, Ballspiele, "Blinde Kuh" und viele mehr.
Aber auch derbere Spiele, wie Schinkenklopfen, Topfschlagen, oder aber solche
wie das aus Frankreich stammende "Briche", bei dem ein Spieler mit verbundenen
Augen und Stock auf seine Mitspieler einschlug. Ein weiteres aus dieser Art von
Spielen ist das italienische "Civettino". Bei diesem "Spiel" stellten sich drei
Spieler in eine Reihe. Der mittlere durfte beide Hände und die anderen beiden je
eine Hand benutzen, um sich gegenseitig Backpfeifen zu verteilen.
Zu den Ballspielen, die damals in Mode waren, gehörten unter anderem das Polo,
Fußball oder Tennis, bei dem zuerst nur mit der bloßen Hand gespielt wurde. Die
Bälle bestanden meist aus Naturmaterialien wie Leder, die mit Haaren, Moos oder
Federn gefüllt waren.
Das Steckenpferd ist als eines der wenigen Spielzeuge schon auf Abbildungen aus
dem Mittelalter zu sehen. Die Bauernkinder haben es in der Regel aus einem
langen Ast und einem ähnlich wie ein Pferdekopf geformten Aststück oder einer
entsprechenden Wurzel gemacht. Den Ast steckten sie in das Kopfstück. Schnur und
Riemen wurden anschließend um den Kopf des Pferdes geschlungen.
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