Das Mittelalter

Der Ritter

Ein bis heute wohl schon fast klischeehaftes Thema im Bereich Mittelalter ist der Ritter in seiner Burg. Dabei hat die Geschichte bei genauer Betrachtung nicht immer den Ritter mit der Burg in Verbindung gebracht.
Beginnend mit einer ethimylogischen Herleitung, lässt sich ein Ritter ins Latein mit miles übersetzen. Dieser Begriff selbst ist abgeleitet aus "mille", also tausend. Der Ritter selbst ist daher "Einer unter Tausend". Er ist demnach so etwas, wie ein Auserwählter, der die Befugnisse hat, Tausend Menschen zu leiten und zu befehligen. Es ist aber dennoch offen gelassen, ob es eine Ehre oder einen Beruf darstellt. Im Deutschen ist es fast schon offensichtlich, dass der Ritter in etwa von Reiter abgeleitet ist. Der Ritter besitzt also ein Pferd. Aber das zeichnet ihn im Mittelalter noch nicht aus. Johannes Bek beschreibt die ethnischen Qualitäten eines Ritters. Diese sind: magnanimum (Hochmut), ingenium (edel), largifluum (freigiebig), egregium (tadellos) und strenuum (ehrenfest). Johannes Rothe spezifizierte den Ritter 1421 ebenfalls: er sollte von tüchtigen (guten) Eltern geboren sein, zur Behütung wird er anderen vorangestellt, er wurde ein freier Mann, seine Güter bekam er zu Lehen, er sei zum Herrschen berufen. Damit verbunden sind selbstverständlich, dass der Ritter, erst nachdem er zum Ritter geschlagen war, zum Adel gehörte. Außerdem musste er Herrscherqualitäten aufweisen können oder musste sie sich schnell aneignen. Die Herkunft sollte aus tüchtigem Elternhause sein. Dies bedeutete zu damaliger Zeit "nur", dass die Eltern gottesfürchtig und sehr gläubig waren.

Der Ritter selbst rekrutierte sich aus dem so genannten Wehrstand. Dieser Stand war dazu da, in einem Kriegsfall zu kämpfen und Land und König zu unterstützen und verteidigen. (Zu den drei ´ehrständen gehörten noch der Nährstand - Bauern und der Lehrstand - die Geistlichkeit.) Die Ritter wurden nur aus der Kavallerie rekrutiert. Daher war das Pferd sozusagen unabdingbar als Voraussetzung zu einem besseren Stand zu sehen und zeigt wieder einmal die ungleiche Verteilung der Privilegien im Mittelalter. Da Kavallerie ein Berufsstand war, kann man wohl heute davon ausgehen, dass der Ritter letztendlich ebenfalls Beruf und nicht ein Ehrentitel war. Ulrich von Zatzikhoven schrieb 1194 über die Auszeichnungen zum Ritter:
"Sin gebærde was ritterlich, wan er wol rîten kunde". Hier zeigt sich noch einmal, dass das Pferd ein wichtiger Bestandteil zur "Beförderung" war: "wenn er wohl reiten konnte." Das Auftreten eines Ritters kennzeichnete ihn schon. "Sin gebærde was ritterlich". Zu diesen Gebärden gehörten unter anderem das Gebaren, die Sprache, Gestik, Mimik, Disziplinierung des Körpers, Reiten, Sprachformen, Minnedienst, Benehmen am Hofe etc. Ein Ritter kennzeichnete sich also auch und vor allem durch eine Vielzahl verschiedener Qualitäten aus.
Heinrich von Teichner schrieb im 14. Jahrhundert, dass ein Ritter ein Retter sei. Er ist also tatsächlich ein Beschützer. Heute sagt man noch, wenn eine Person einer anderen geholfen hat, dass dies ein ritterliches Verhalten gewesen sei.

Interessanterweise war der Ritter also anfangs definitiv nicht nur aus dem Adel rekrutiert, sondern genau andersherum. Der Adel rekrutierte sich aus dem Wehrstand. In der Heerschildordnung besaßen die Ritter noch einen eigenen Schild - waren also eine eigene Kaste, während im Laufe der Zeit die adelige Herrschaft immer mehr Gefallen am Rittertum besaß und sich selbst zum Ritter schlagen ließ. Damit wurde im Laufe der Zeit aus einem niedrigen Stand ein hoher Stand.
Da viele Ritter trotz ihres Titels nicht reich geworden waren, verleitete dies einige zu Raubrittertum. Die armen Ritter besaßen oft nicht viel mehr als die Bauern auf seinem Lehen und seine Wohnstatt war ebenso kärglich wie die seiner Untergebenen.

Im Hochmittelalter und späten Mittelalter vergnügten sich die adeligen Ritter, also die Könige, Prinzen, Territorialherren - sofern sie denn weltliche Herrscher waren - mit Ritterturnieren, die die Kämpfe nachbilden sollten. Die Kirche verurteilte generell kriegerische Handlungen und ganz besonders die Turniere. Diese seien zum Zeitvertreib und dienten keiner Sache außer dem Faulenzen. Die Kirche verurteilte alle Kämpfe und Fehden christlicher Gläubiger untereinander. Jedoch war es der Kirche nicht unrecht, als zahllose "Heiden" bekämpft und erschlagen wurden.
Die Kirche stand vor einem Problem: ihre Macht konnte sich kaum noch auf dem europäischen Festland (und den britischen Inseln) ausdehnen, ebenso wenig in der restliche der damals bekannten Welt und die Ritter hörten nicht auf sie, als sie die Turniere scharf kritisierte. Daher versuchten einige Geistliche irgendwann die Kampfeslust - die den Rittern ja auch weltliche Ehre und Ruhm einbrachte - für sich zu gewinnen. Robert der Mönch rief in der so genannten Papstrede 1096 zum ersten Kreuzzug auf und versuchte somit die kriegerischen Gelüste und das Verlangen nach Ruhm und Ehre des Adels für sich zu nutzen. Im ersten Kreuzzug wurde Jerusalem wieder durch christliche Herrscher besetzt und die muslimischen Vertrieben. In den folgenden 200 Jahren wurden sechs weiter Kreuzzüge und ein Kinderkreuzzug ausgerufen, da Jerusalem immer wieder in muslimische und christliche Hände fiel. Robert befiehlt ganz klar, dass die Kreuzritter sich das Volk der Muslime unterjochen sollten. Da dies kein christliches Volk sei, brauche man es wohl auch nicht den christlichen Gesetzen zu unterwerfen.

Da der Ritter zu Beginn der "Ritterzeit" nicht besonders wohlhabend war, konnten sie sich auch nicht die pompösen Burgen und Schlösser leisten, wie es häufig dargestellt wird. Dieses Ritterbild ist verzerrt von der häufigen Gleichstellung aller Adeliger und Ritter in Kinder- und Jugendbüchern. Selbstverständlich waren Ritter häufig auf Burgen anzutreffen, da sie sich als Neuadlige am Hofe sehen lassen mussten, um ihren Rang zu untermauern. Nach dem Wandel der Ritterherkunft ist ganz klar das Schloss mit einem Ritter verbunden. Nur noch die reicheren Menschen konnten sich zum Ritter schlagen lassen und ein Pferd besaßen die Reichen als "Grundvoraussetzung" ohnehin. Aber Fertigkeiten und Qualitäten, die ein Ritter besitzen sollte, waren mit weltlicher Macht und Gütern nicht zu erkaufen. Daher mussten alle Ritter in diesen Fertigkeiten geübt werden. Im Alter von etwa sieben Jahren gab man sie in eine befreundete Ritterfamilie. Dort erlernten sie als Page nach und nach Tugenden wie Barmherzigkeit, Treue, Gehorsam, Hilfe anbieten, Freigiebigkeit, Maß halten können (keine Rachsucht, kein übermäßiger Besitz etc.). Nach den sieben Pagenjahren kommt nun im Alter von etwa 14 Jahren die Knappenausbildung. Dies ist der siebenjährige praktische Teil der Ritterausbildung. Hier lernt der Knappe das Kämpfen, bekommt Reitstunden, erlernt die Minnekunst etc. Nach diesen Jahren wird der Knappe mit etwa 21 Jahren während der so genannten feierlichen Schwertleite zum Ritter geschlagen.
 

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