Das Mittelalter
Nahrung und Küche im Mittelalter
Besonders die Bauern hatten es im Mittelalter nicht leicht, genügend Nahrung zu
bekommen. Obwohl sie selbst die Früchte des Feldes anbauten, mussten sie einen
Großteil an ihre adligen Lehnsherren und die Kirche abgeben. Zu den "normalen
Jahresabgaben" kommen noch zusätzliche Abgaben an Feiertagen hinzu. Die Bauern
besitzen daher kaum das Nötigste, um ihre Familien über den Winter zubringen.
Zusätzlich zu dieser Last kommen die harten Winter und durch Dürreperioden
geprägte Missernten hinzu. Ein Fortschritt ist die seit dem 8 Jahrhundert
eingeführte Dreifelderwirtschaft, die sich aber im 12 Jahrhundert immer noch
nicht überall durchgesetzt hat. Normalerweise konnte ein Getreidefeld maximal
zwei Jahre hintereinander bewirtschaftet werden und musste dann ein Jahr brach
liegen. Durch die Dreifelderwirtschaft konnten die Bauern mehr Erträge
erwirtschaften - zum Glück der Adligen und der Kirche.
Bei dem neuen System teilte der Bauer sein Land in drei Teile auf. Auf einem
Drittel baute er Hülsenfrüchte und auf dem zweiten Getreide an. Das dritte
Drittel dagegen blieb brach liegen, damit es sich regenerieren konnte.
Ein weiterer Fortschritt neben der Dreifelderwirtschaft ist der metallene Pflug.
Ein Bauer konnte normalerweise das Geld nicht aufbringen, um sich einen Pflug
mit einem Metallbrett zu leisten. Meist besaß der Pflug des Bauern nur ein
Holzbrett, um den Boden aufzulockern, was entsprechend mühselig ging und sehr
lange dauerte. Außerdem ging das Holzbrett schneller kaputt und musste wieder
repariert werden. Einige Adlige erlaubten ihren Leibeigenen ihre Metallpflüge zu
benutzen. Natürlich war dies nur erlaubt, wenn sie im Gegenzug Naturalien oder
mehr Dienstleistungen im Sinne der Fronarbeit bekamen.
Man sieht bis hierher schon, dass der Bauer in jedem Fall benachteiligt war. Die
durchschnittliche Lebenserwartung lag im Mittelalter bei den Bauern bei gut 30
bis 35 Jahren. Die Adligen dagegen wurden gut 10 Jahre älter.
Nach und nach entdeckte man neue Methoden der Konservierung. Dies bedeutete
bessere Versorgungsphasen und neue "Angebote". Zum Beispiel konnte man endlich
Wurst dauerhaft haltbar machen, indem man genügend Salz hinzu gab. Dieses Gewürz
konnten sich jedoch wiederum nur die Adligen leisten.
Das Vieh des Bauern hatte keine eigenen Ställe sondern waren in dem meist
einzigen Wohnraum des Bauern mit untergebracht. Um das Vieh zu weiden, trieben
die Kinder es in Waldgebiete und Wiesen in Bachnähe. Dort verweilten sie den
ganzen Tag.
Das Wild in den Wäldern war Eigentum der Lehnsherren und durfte nicht von den
Bauern gejagt werden. Wer beim Wildern ertappt wurde, musste mit hohen, fast
drakonischen Strafen rechnen und wurde oftmals so gebrandmarkt, dass man ihn an
seiner Verletzung (abgeschnittene Ohren, abgeschlagene Hand) als bestimmten
Täter erkennen konnte.
Die Speisekarte des Adels und der vornehmen städtischen Bevölkerung war nicht
nur wesentlich länger als die der ländlichen Bevölkerung, auf ihre standen auch
ganz andere Gerichte. Im Unterschied zu den Bauern, die nur sehr selten Fleisch
aßen, verzehrten die Reichen bei einer normalen Mahlzeit oft mehrere
unterschiedliche Fleischsorten. Andererseits aßen sie nur kaum Gemüse oder rohes
Obst. "Hüte dich vor Salaten, grünen Speisen und rohem Obst" lautete eine
typische Warnung. So fehlte es der Nahrung an Ballaststoffen und die Menschen
wurden von Verstopfung geplagt. Außerdem mangelte es der Kost an Vitaminen, so
dass Krankheiten wie Rachitis und Skorbut zum Alltag der Wohlhabenden gehörten.
Oftmals wurden die Gäste mit einem extrem opulenten Gastmahl bewirtet und nie
waren diese Gelage reichhaltiger als im Mittelalter. Zum Hochzeitsbankett des
englischen Prinzen mit einer Frau aus dem italienischen Adelsgeschlecht der
Visconti bereitet man 30 Trachten - so nannte man die Gänge im Mittelalter - zu,
in denen Fisch und Fleisch sich ergänzten. Man bewirtete die Gäste mit seltsamen
Speisen wie: Spanferkel mit Krabben, Hase mit Hecht, Ente mit Karpfen, Kalb mit
Forelle, Aal- und Rinderpasteten sowie Fleischsorten mit Aspik. Zu den Beilagen
zählten gebratenes Ziegenfleisch, eingelegte Ochsenzungen, Bohnen und diverse
Quarkspeisen. Diese Speisen waren allesamt mit einer Mischung aus Eigelb, Safran
und Mehl überzogen. Dass der englische Prinz und Gemahl kurz nach der Hochzeit
erkrankte und nur wenig später vermutlich an einer Lebensmittelvergiftung starb,
kann angesichts dieses außergewöhnlichen - selbst für damalige Zeiten - Mahles
keinen mehr erstaunen.
Bei einem reichen Stadtbürger aus dem 15. Jahrhundert ging es scheinbar
wesentlich bescheidener zu: gezuckerte Erdbeeren, Hühner, gedämpftes
Hammelfleisch, Schaffleisch, Gans, Käse und Kirschen. Dieses Mahl ist deutlich
kleiner und es ist auch nicht so "raffiniert" zubereitet worden, wie das adlige
Hochzeitsmahl, aber es ist dennoch sehr üppig. Das Fehlen von Wildfleisch ist
auf das Jagdprivileg der Adligen zurückzuführen.
Das Mittelalter ist für die adlige Gesellschaft keine Zeit der maßlosen Völlerei
gewesen. Tatsächlich waren die Portionen oft nur sehr klein und daher nicht ganz
so ausufernd, wie man dies auf den ersten Blick vermutet hätte. Außerdem wurde
nicht erwartet, dass alle Gäste jeden Gang ausprobieren müssen. Hinzu kommt
noch, dass das Mittelalter eine hochreligiöse Zeit gewesen ist. Die Fastengebote
galten an allen Wochentagen - auch samstags und an Feiertagen. An diesen rund
130 Tagen durfte kein Fleisch verzehrt werden. Außerdem durften in den 40 Tagen
vor Ostern und den drei Tagen vor Himmelfahrt keine Milch- oder Ei-Produkte
verzehrt werden. Als Fleischersatz bevorzugte man an diesen Tagen ganz einfach
Fisch.
Zum Trinken reichte man meist Bier. Im Frühmittelalter bevorzugte man auch den
von den Germanen übernommenen Met, eine Art Honigwein. Nach und nach setzte sich
aber in höfischen Kreisen statt Met Wein durch, der individuell mit Kräutern und
Gewürzen normal temperiert oder seltener auch gekühlt serviert wurde. Die
Zubereitungsart waren vielseitiger als heute, wenngleich einige Sorten für uns
heute als ungenießbar erscheinen würden. Wenige Biersorten, so wie das Einbecker
Bier, waren überregional bekannt und bevorzugt. Andere Sorten waren ebenfalls
überregional bekannt, jedoch aufgrund ihres schlechten Geschmacks.
Gewürze in vielen Kombinationen verwendete man ebenfalls zur Verfeinerung von
Speisen. Einerseits nutzte man Kräuter, die, wie Salbei, Minze, Fenchel und
Dill, in kleineren Hausgärten gezogen wurden, als Heilkräuter, anderseits nutzte
man sie, um den schlechten Geschmack von nicht mehr ganz so frischen Speisen zu
überdecken.
Während die wenigen reichen Menschen meist eine reichhaltige Auswahl an
verschiedensten Spiesen hatten, ernährten sich die vielen Bauern stets von den
gleichen Grundnahrungsmitteln Brot, Brei und Hülsenfrüchte. Schweinefleisch gab
es nur ganz selten zu feierlichen Anlässen. Heutige Grundnahrungsmittel wie
Kartoffeln, Mais und Tomaten waren noch nicht bekannt und wurden teilweise erst
durch Christopher Kolumbus oder Amerigo Vespuci aus Amerika eingeführt. Brot
wurde in Mitteleuropa vorwiegend aus Roggenmehl gebacken, später dann auch aus
Weizenmehl. Gerste und Hafer waren die beiden wichtigsten Grundstoffe für die
Zubereitung von Breien. Da Fleisch in armen Küchen kaum zubereitet wurde, trafen
Missernten die Bauern sehr stark. Die Bauern tranken hauptsächlich Wasser,
Milch, Unmengen Bier und Met, dass sich von einem Getränk des Adels wieder in
ein Volksgetränk zurückentwickelt hatte.
Die Essenszeiten richteten sich natürlich nach der Jahreszeit. Die Bauern
standen noch vor Morgengrauen auf und nahmen ihre erste Mahlzeit zu sich. Etwa
sechs bis sieben Stunden später gab es das so genannte Frühmahl, das meist die
umfangreichste Mahlzeit des Tages war. Die zweite große Mahlzeit nahm man kurz
vor Sonnenuntergang zu sich. An langen Sommertagen überbrückten die Bauern diese
Zeit mit etwas Brot.
In den Städten konnte man sein Brot oder Fleisch im Ofen des Bäckers oder einem
öffentlichem Ofen backen oder braten. Neben Brot bereiteten die Bäcker auch so
mancherlei Kuchen vor, der aber für viele Bürger zu teuer war. In den Geschäften
selbst betrog man häufig. Dies machte man beim Wiegen oder durch die Zugabe
fremder Stoffe - Sägespan als Muskatnuss oder Tierfüllung aus Abfällen. Damit
die Kunden nicht mehr betrogen wurden, erließen die Städte mehrere Gesetze. Wer
sich nicht daran hielt, wurde zum Pranger gebracht, wo der Bäcker, Fleischer
etc. dem Gespött der Öffentlichkeit ausgesetzt war.
Beim Essen nutzte man Löffel, Messer und die Hände
- Gabeln kannte man nur zum
Aufspießen von Fleisch, das geschnitten werden sollte. Erst im 17. Jahrhundert
setzte sich die Gabel als Essbesteck durch. Messer trug man meist in einem
Beutel bei sich und nutzte dieses auch an der Tafel eines Gastgebers. Gegessen
wurde von großen Holzplatten, Tellern und Schalen. Zinnbehälter konnten sich nur
die reicheren Menschen leisten. Es war auch üblich, dass mehrere Menschen aus
einer Schale oder von einem Teller aßen - selbst bei Hofe. Den Bauern diente als
Ersatz für Teller ein Stück Brot. Da es üblich war, dass man mit den Händen in
Schüsseln griff um sich die Schale zu füllen, stand noch ein Behälter mit Wasser
und Handtücher am Tisch, um sich die Hände waschen zu können.
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