Die Chatten
Wirtschaft und Handel
Bei den Chatten dominierte eindeutig die Landwirtschaft, also Ackerbau und
Viehzucht. In gewisser Weise waren nahezu alle Chatten Bauern. Auch die
Minderfreien hatten eigene Höfe. Die Äcker der reichen Adeligen bestellten vor
allem unfreie Knechte. Allein die zottelige Kriegerkaste der Chatten nahm nie
einen Pflug in die Hand, sondern lebte allein für den Krieg. Es gab kein
Privateigentum an Grund und Boden. Die Felder wurden vom Sippenvater jedes Jahr
neu an die Verwandten verteilt. Die Allmende mit ihren Wiesen, Wäldern und
Bachläufen war Gemeinschaftseigentum. Angebaut wurden vor allem Getreide,
Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Hirse. Getreide diente ausschließlich als
Nahrung und wohl kaum als Viehfutter. In den Gärten wurden nur wenige
Gemüsesorten angebaut; lediglich Erbsen, Bohnen und Rüben waren bekannt. Hanf
und Flachs baute man für die Textilverarbeitung an. Für die Feldarbeit
verwendete man den von Ochsen gezogenen eisernen Räderpflug sowie die hölzerne
Egge Das Getreide wurde mit Sicheln geerntet und anschließend in der Tenne
gedroschen mit Stöcken oder den eigenen Füßen. Der Dreschflegel wurde erst
später von den Römern übernommen.
Das bedeutendste Haustier war die Kuh. Sie wurde als Zugtier eingesetzt und
lieferte außerdem Milch. Pferde konnten bis zur Erfindung des Kummets im
Mittelalter nicht vor den Pflug gespannt werden; sie waren daher vor allem im
Krieg einsetzbar und waren ausschließlich in den Ställen der Adeligen zu finden.
Pferde und Kühe wurden nur für rituelle Festmähler in der Kulthalle
geschlachtet. Das wichtigste Schlachttier war das Schwein, welches im Wald mit
Eicheln und Bucheckern gemästet wurde. Häufig füllten auch Schafe und Ziegen die
Kochtöpfe. Sie lieferten auch Milch und die Wolle der Schafe wurde ebenfalls
verwertet. Hühner und Gänse waren das einzige Geflügel, wobei noch zu erwähnen
ist, dass die Hühner in damaliger Zeit vor allem Schlachtvieh waren, da sie
deutlich weniger Eier legten. Bienenvölker hielt man des Honigs wegen, denn dies
war der einzige Süßstoff des Altertums. Da die Wälder und Gewässer zur Allmende
gehörten, besaß jeder Chatte das Jagdrecht und dürfte Fischen.
Die meisten Handwerke wurden in Heimarbeit von den Bauern ausgeführt. Jeder Hof
baute selbst Flachs an und die Frauen verarbeiten diesen selbst mit Spinnwirteln
zu Fäden. Ebenso fand sich der Webstuhl in den Grubenhäusern unweit des
Wohnhauses. Das Tongeschirr wurde ebenfalls von den Frauen getöpfert. Die
Töpferscheibe war seit der La-Téne-Zeit bekannt. Hölzernes Geschirr wurde jedoch
von den Männern geschnitzt. Die Arbeit von Handwerkern und Schreinern führte
ebenfalls der einzelne aus. Sie bauten die einfachen Fachwerkhäuser und die
wenigen Möbelstücke.
Einzig die Schmiede bildeten einen eigenen Berufszweig, obgleich auch sie
freilich nebenher die Felder bestellten oder bestellen ließen. Der Schmied
beschlug die Pferde und stellte Waffen, Geräte und auch Geschmeide her. Also
auch die feinen Schmuckstücke waren das Werk der Schmiede. Auch die Luren,
metallene Blasinstrumente, entsprangen ihrem Geschick. Schmiede genossen hohes
Ansehen. Den Waffen, von deren Qualität das Leben abhängte, sprach man magische
Fähigkeiten nach.
Die Chatten hatten kein eigenes Geld. Sie benutzen römische Münzen. Wenn sie sie
im Tausch erhielten, ließen sie sie auch oft einschmelzen, um daraus Schmuck
fertigen zu lassen. Die Chatten kauften von den römischen und gallischen
Händlern vor allem Luxuswaren wie Glas, Wein und Schmucksteine. Bernstein
verkauften ihnen die Nordgermanen. Salz musste ebenfalls importiert werden.
Lagerstätten gab es im Stammesgebiet der Hermunduren. Da den Chatten sämtliche
Bodenschätze fehlten, mussten auch sämtliche Metalle importiert werden. Die
Chatten selbst hatten wenig zu bieten. Allein Daunen, Pelze und Vieh konnten sie
anbieten, doch das germanische Vieh war wesentlich kleiner als das der Römer.
Auch Sklaven waren eine beliebte Handelsware, denn germanische Sklaven galten
als äußerst kräftig. Perücken aus blondem Haar galten ihn Rom als Luxusgut, doch
die Chatten trennten sich sicher nur ungern von ihrer Haartracht. Die römischen
Legionen jenseits des Rheins und im Dekumatenland waren jedoch stets am Ankauf
von Getreide interessiert.
Kleidung und Haartracht der Chatten
Die Tracht der Chatten unterschied sich wahrscheinlich nur wenig von den anderen
Germanen, wenn gleich sie freilich andere Webmuster und Stickereien hatten als
andere Stämme. Als Rohstoffe dienten ausschließlich Wolle und Leinen; Felle
spielten eher eine untergeordnete Rolle. Die Germanen liebten Farben und
verwendeten sie auch eifrig, soweit es ihnen möglich war. Borten und
Stickereien, die viel mehr Handarbeit als kostbare Rohstoffe erforderten, waren
sehr beliebt. Kleidungstücke wurde in der Regel von der Sippe selbst
hergestellt. Ein eigener Berufszweig der Weber und Schneider bestand nicht.
Bei den Männern war der Kittel, lateinisch Tunika, das Hauptkleidungsstück; der
Kittel endete eine Hand breit über den Knien. Darunter trugen die Männer eine
Hose, die Bruch, die bis über Knie ging. Die Waden wurden mit Beinlingen und
Schnüren umwickelt. An den Füßen trug man den aus einem einzigen Stück Leder
bestehenden Bundschuh. Der Kittel war um die Hüfte mit einem Ledergürtel
gegürtet, der eine meiste bronzene Schnalle und ein Gewicht am anderen Ende
auswies. Den Oberkörper bedeckte außerdem ein ovaler oder rechteckiger,
ärmelloser Mantel aus verfilzter Wolle, der an der Schulter mit einer Fibel
befestigt war. Kopfbedeckungen waren bei den Germanen nicht die Regel. Es gab
allerdings kleine runde und kegelförmige Filzmützen und auch solche aus Fell und
Leder. Wenn es besonders kalt war, wurde über dem Filzmantel noch ein Fell
getragen; Schaf- und Rehfelle waren besonders beliebt.
Die Frauen trugen bis zu den Füßen reichende, ärmellose Hemdkleider, welches
auch beiden Seiten von einer Fibel zusammengehalten wurde. Darauf trugen sie
zwei Gürtel, einen um die Taille und einen unter der Brust. Ebenso wie die
Männer trugen sie wollene Mäntel und Bundschuhe.
Beide Geschlechter trugen Schmuck. Dieser war vor allem aus Bronze; Silber und
Gold waren zu kostbar für das einfache Volk. Aus reich verziertem Metall waren
Gürtelschnallen, Fibeln und Gewandnadeln. Reinen Schmuckcharakter hatten jedoch
hatten jedoch Finger-, Arm- und Halsringe. Eine besondere Rolle spielten die
Amulette. Amulette aus Blei sollten böse Geister abschrecken; auch Knochen,
Leder und Holz dienten als Rohstoffe. Das hammerförmige Donaramulett war eine
germanische Nachbildung der römischen Herkuleskeulchen; Amulette in Form von
kleinen Axtköpfen waren ebenfalls verbreitet. Keltischer und römischer Schmuck
sowie Bernstein wurden importiert. Aus Rom kam aber auch gläserner Schmuck; es
war allerdings auch Brauch römische Münzen als Anhänger zu tragen.
Die Frauen trugen ihre Haare lang und zumeist offen. Ebenso taten es auch die
Männer, obwohl auch der Svebenknoten bei den Chatten vorkam. Lange Haare galten
bei den Chatten wie später auch bei den Franken als Merkmal eines freien Mannes,
weshalb man sie pflegte und behutsam kämmte. Allein die unfreien Knechte dürften
daher ständig kurz geschorene Haare gehabt haben. Besonders stolz war man auf
eine helle Haarfarbe, weshalb manche mit einer Mischung aus Asche und Seife
nachhalfen. Das Rasieren war durchaus schon in Mode, was zahlreiche gefundene
Rasiermesser beweisen. Der lange Rauschebart war daher nur beim Stamm der
Langobarden die Regel.
Von einem besonderen Kult der chattischen Krieger berichtet Tacitus. So war es
Brauch, dass der Jüngling, sobald er mit etwa vierzehn als wehrfähig galt, das
Haupthaar nicht mehr schnitt und auch nicht mehr kämmte. Haupt- und Barthaar
ließen sie nun wild wachsen, bis die jungen Krieger den ersten Feind erschlagen
hatten, dann erst schnitten sie sich das verfilzte Haar vom Kopfe und gaben des
den Asen Opfer. Nun hatten sie, so sagte man, ihre Geburt bezahlt. Die Feiglinge
unter den Chatten behielten diese ungepflegte Haartracht bis ins hohe Alter. Die
Tapfersten jedoch behielten ebenfalls das zottelige Haar und die langen Bärte,
denn dies waren die gestählten Berufskrieger, die keine Feldarbeit taten und
kein Haus hatten.
Speis und Trank
Die Chatten stellten den Großteil ihrer Nahrung selbst her. Grundnahrungsmittel
war Getreide jeglicher Art. Das Frühstück war sehr reichhaltig, die
Hauptmahlzeit wurde jedoch erst am Abend eingenommen. Brot aus Sauerteig war
bereits bekannt, aber es war keineswegs das Grundnahrungsmittel schlechthin.
Vielmehr stand der Getreidebrei im Mittelpunkt. Das Herstellen von Mus, Grütze
oder Müsli war viel einfacher als backen. Hafer oder Hirse wurden einfach mit
Milch zubereitet. Zur Hauptmahlzeit wurde der Getreidebrei gekocht. An Gemüse
waren lediglich Lauch, Rüben und Hülsenfrüchte bekannt. Ansonsten bereicherten
Wildfrüchte und Wildnüsse den Speiseplan. Gewürzt wurde lediglich mit Honig,
Lauch und Salz. Primitive Käsesorten, wie etwa Handkäse, waren wichtiges
Grundnahrungsmittel. Sie wurde aus Kuh- und Ziegenmilch hergestellt. Schwein und
Schaf waren die wichtigsten Fleischlieferanten. Das Fleisch wurde meistens in
Kesseln gekocht; das Braten am Spieß galt als Luxus. Fleisch wurde auch schon
durch Pökeln und Räuchern haltbar gemacht. Rind- und Pferdefleisch wurde nur an
Festtagen gemeinsam in der Kulthalle verzehrt. Die Germanen tranken vor allem
Wasser. Met und Bier wurden von den Frauen nur für Festgelage wie Opferfeste,
Thingversammlungen, Hochzeiten und Totenfeiern hergestellt; Tavernen oder
anderweitigen grundlosen Alkoholausschank gab es nicht. Da sich die Getränke
nicht sehr lange hielten, war es Brauch alles weg zutrinken, bevor es schlecht
wurde. Auch kostbarer Wein aus den römischen Provinzen wurde gereicht. Bei
Festgelagen kreiste das Trinkhorn in der Gemeinschaft. Trinkhörner wurden
ausschließlich bei Festgelagen verwendet. Beim Frühstück zog der Chatte den viel
praktischeren Holz- oder Tonbecher vor. Teller und Schalen waren ebenfalls aus
Holz oder Ton. An Besteck waren lediglich der hölzerne Löffel und das eiserne
Messer bekannt. Als Ersatz für die Gabel wurde gelegentlich ein kleiner Spieß
verwendet.
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