Die Burg im Mittelalter

Verteidigungsbauten einer Burg

Um sich die einzelnen Merkmale einer Burg zu verdeutlichen, gehen wir von einer "Idealburg" aus. Das bedeutet, dass die im folgenden genannten Elemente nicht unbedingt an jeder Burg zu finden sind, oftmals sind sogar nur ein paar der genannten Merkmale vorhanden. Auch soll auf etwaige Besonderheiten einzelner Burgen nicht eingegangen werden.

Die Idealburg befindet sich auf einem weitem Bergplateau. Man nähert sich auf dem Burgweg der Burganlage. An diesem befinden sich die Häuser und Hofe von Angestellten und Dienstmannen, welche im Falle eines Angriffes bereits eine erste Sicherung darstellen. Um die Burg herum wird der Wald gerodet und die Vegetation recht kurz gehalten, um den Angreifer möglichst früh zu erspähen. Als Hindernis können auf der so freien Fläche um die Burg dichte Hecken, das sogenannte Gebück, gepflanzt sein.
Nähert man sich nun weiter auf dem Burgweg der Burg, so fällt auf, dass der Burgweg derart verläuft, dass der Angreifer der Burg die rechte und damit nicht vom Schild geschützte Seite zuwenden muss.

Direkt vor der Burg stößt man nun auf das erste, wirkliche Hindernis: Den Graben, dessen Aushub meist als vorliegender Wall aufgeschüttet ist. Der Wall ist oftmals noch oben von einer Palisade aus oben angespitzten Holzstämmen gekrönt. Als Graben kommt entweder der V-förmige Spitzgraben oder der eher U-förmige Sohlgraben vor, wobei letzterer häufiger anzutreffen ist. Die Böschungen (sog. Skarpen) können beim Sohlgraben entweder schräg abfallen oder senkrecht mit Mauerwerk ausgebaut sein. Eine besondere Form ist der mit Wasser gefüllte Graben bei Wasserburgen, der noch schwieriger für den Angreifer zu überwinden ist.

Um in die Burg zu gelangen überspannt den Graben eine hölzerne oder steinerne Brücke. Deren Ende wiederum ist oftmals beweglich als Zugbrücke gestaltet. Dazu wird über Seile oder Ketten die Brücke, die an der Burg zugewandten Seite kippbar gelagert ist, nach oben gezogen, so dass die Brücke den Toreingang verschließt. Ein schnelleres Hochziehen der Brücke ermöglicht eine Konstruktion, bei der parallel zur Brücke Holzbalken geführt sind, deren vorderes Ende mit Ketten mit dem Anfang der Brücke verbunden sind, am anderen Ende können am Balken Gegengewichte angebracht sein, die es ermöglichen durch weniger Krafteinsatz die Zugbrücke zu bewegen. Eine besondere Form stellt die Wippbrücke dar, die man sich tatsächlich wie eine große Wippe vorstellen kann. Wird diese betätigt, geht der äußere Teil, der die Brücke über den Graben bildet, nach oben, während sich der Teil hinter der Kippachse am Tor absenkt und eine Gruppe, die sogenannte Wolfsgrube freigibt. Dies hat den Sinn, dass wenn bereits Angreifer die Brücke überwunden haben und vor dem Tor stehen, diese nun heraufgezogen wird und die Angreifer unweigerlich in die Wolfsgrube herabrutschen.

Der Torbau stellt den verwundbarsten Teil der gesamten Burg dar, da hier die schützende Burgmauer durchbrochen ist. Deshalb wird das Tor auch durch zahlreiche Maßnahmen gesichert. Da ist zuallererst das Tor selbst, welches aus schwerem Holz, teils mit Eisenblechen gegen Brand beschlagen, gefertigt ist und auf der Innenseite durch stabile Riegel und dem Torbalken, der zu beider Seiten im gemauerten Torbau verläuft, verschlossen wird. Im Tor selbst befindet sich noch eine kleinere Tür, das Mannsloch, durch dass gerade ein Mann gebückt bei verschlossenem Tor die Burg betreten oder verlassen kann. Manchmal befindet sich für den Personeneinlass noch eine zusätzliche Pforte neben dem Haupttor, die mit einem eigenen heraufziehbaren Steg über den Graben versehen ist.
Der Torbau oder Torturm selbst besteht aus einem Raum vor dem Tor, die Torhalle, und darüber liegenden Räumen, von denen zum Beispiel die Zugbrücke über Winden betätigt wird. Die meist gewölbte Torhalle besitzt oft zu beider Seiten Schießscharten, und unter der Decke im Gewölbe eine Öffnung, das Mörderloch, durch dass vom Raum darüber der Feind (durch Pech oder ähnliches ) bekämpft oder aber Kontakt zum Torwächter aufgenommen werden kann. In der Torhalle können durchaus auch mehrere Tore hintereinander angebracht sein. Zusätzlich befindet sich noch das Fallgatter im Torbau, welches aus Holz mit Eisenenden oder komplett aus Eisenstäben und Bändern gefertigt, durch die Schwerkraft angetrieben im rechten Moment auf den Feind herabgelassen wird.
Vor dem Torbau können noch weitere Verteidigungsanlagen angelegt sein, so zum Beispiel der Barbakan, ein mauerumschlossener und mit einem Wehrgang versehenen Vorhof, der allerdings bei deutschen Burgen eher selten anzutreffen ist.

Nun kommen wir zum wesentlichsten Element einer Burg: Die Ringmauer (Bering). Dies ist eine hohe und massive Mauer, die zu hoch zum Übersteigen, zu tief reichend um sie zu untergraben und stabil genug, um möglichst lange Angriffen durch Belagerungswaffen standzuhalten, seien soll. Sie wird durch verschiedene Steine, wie Bruchsteine oder behauene Quader aufgebaut, meist so, dass die Außenwände durch behauene Steine gemauert werden und der Zwischenraum durch lose Steine und gelöschtem Kalk aufgefüllt wird. Die äußere Wand der Mauer wurde dabei oftmals nicht glatt behauen, um ein Aufschieben von Leitern durch den Feind zu erschweren. Die Dicke der Mauer richtet sich nach dem Grad der Angriffsgefahr an der jeweiligen Stelle, sie kann bei sogenannten Schildmauern enorme Ausmaße annehmen.
Zur Verteidigung befindet sich auf der Mauer der Wehrgang, welcher sich hinter einen Brüstung, die mit verschiedenförmigen Zinnen besetzt ist, entlangzieht. Bei deutschen Burgen ist dieser noch zusätzlich durch eine hölzerne Konstruktion überdacht, um die Wachmannschaft nicht ungeschützt dem Wetter auszusetzen. Bei Mauern, deren Dicke nicht ausreicht, um den Wehrgang auf der Krone tragen zu können, kann dieser auf der Innenseite der Mauer als Holzgang, der auf Streben ruht, ausgekragt sein, wie es oft bei Stadtmauern anzutreffen ist.
Genauso kann der Wehrgang auch nah Außen ausgekragt sein, um durch Löcher den am Fuß der Mauer stehenden Angreifer von oben zu bekämpfen, solche Wehrgänge nennt man Hurden. Ebenso kann die gesamte Mauerkrone mit Brüstung nach außen überstehen, meist durch kleine Bögen parallel zur Mauer gestützt, bei denen sich in jedem Bogen ein Gussloch befinden kann. Diese Bauform nennt man ein Maschikulis, was allerdings in Deutschland kaum anzutreffen ist
Innerhalb der Ringmauer können Türme angebracht sein, die seit der Zeit der Kreuzfahrer nach außen überstehen, um den Feind vor der Mauer seitlich flankieren zu können. Außerdem können, besonders an Mauerecken, weitere kleine Türmchen zur Beobachtung des Vorlandes angebracht sein, die sog. Scharwächtertürmchen.
Ebenso war es seit der Zeit der Kreuzfahrer weit verbreitet den Bering doppelt auszuführen, dazu wurde vor der Ringmauer eine zweite niedrigere Mauer angelegt, an die nach Außen der Graben anschließt. Den Raum zwischen den beiden Mauern nennt man Zwinger. Auch in diese vorgelagerte Zwingermauer können Türme eingegliedert sein, allerdings sind diese zur Burg hin offen gebaut, damit sich ein Feind, der die erste Mauer genommen hat, nicht darin verschanzen kann.

Als letztes Verteidigungsbauwerk steht innerhalb der Burg der Hauptturm, der Bergfried, dem ein eigener Text gewittmet ist.

Man sieht wie viele Einzelbauwerke zur Verteidigung einer Burg beitragen und kann sich vielleicht nun vorstellen, welch ein schwieriges und zeitraubendes Unterfangen die Eroberung einer Burg darstellt.
 

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