Die Burg im Mittelalter

Der Bergfried

Das meist schon von weitem auffälligste Gebäude einer Burganlage ist der Bergfried, der als höchster Turm die gesamte Burg überragt. Der Name setzt sich aus den Worten berc (Berg oder bergen) und vrit (Frieden oder umhegen) zusammen, seit dem 19. Jahrhundert hat sich der Name Bergfried durchgesetzt.
Der Bergfried ist ein Bauwerk, welches vollkommen auf die Verteidigung ausgelegt ist. Er dient als letzte Zufluchstelle, im Falle das die Burg vom Feind genommen wurde. Außerdem diente er oftmals auf Grund seiner ausgesprochenen Höhe als Beobachtungsposten.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, war der Bergfried äußerst stabil gebaut. Durch enorme Mauerstärken (bis zu 4 Meter) war ein Einsturz, auch durch Feindeinwirkung, so gut wie ausgeschlossen oder jedenfalls sehr langwierig. Die Grundrissformen sind durchaus recht verschieden, am häufigsten kommen allerdings der runde bzw. der quadratische vor. Der runde Turm bietet allerdings den Vorteil, dass Geschosse an diesem leichter abgleiten und somit weniger Schaden verursachen. Aus diesem Grund wurden oftmals auch rechteckigen Türmen an den Angriffsseiten Spitzbauten angesetzt, so dass fünfeckige Turmgrundrisse entstanden.

Der Eingang zum Bergfried befindet sich nicht ebenerdig, sondern immer in einer gewissen Höhe. Dieser Zugang, der zudem meist recht eng ausgeführt war, war nur durch eine außenliegende Treppe zu erreichen. Dieser meist hölzerne Aufgang war so gebaut, dass er sich schnell abbrechen ließ, damit man dem Feind den Zugang zum Bergfried versperren konnte.
Der Turm war nur selten bis zu dieser Eingangsebende massiv, meistens wurde der im unteren Teil vorhandene Raum als Verlies oder Speicher genutzt. Zugang gewährte nur ein Loch in der Deckenwölbung, das sogenannte Angstloch,durch das Gefangene oder Waren über einen Seilzug befördert wurden.

Um der Aufgabe als Beobachtungsturm gerecht zu werden war eine gewisse Höhe unabdingbar. Dazu war der Turm in mehrere Geschosse unterteilt, die entweder durch Leitern oder durch in der Mauerstärke laufende (Wendel-) Treppen miteinander verbunden waren. Im obersten Stock befand sich dann die Stube des Wächters, die zwischenliegenden Geschosse wurden meist nicht weiter genutzt. Manchmal verfügt der Bergfried noch über einen oder mehrere Kamine und einen Aborterker, oftmals musste der Wächter aber auch ohne diesen "Luxus" auskommen.
Oben wurde ein hölzernes Dach aufgesetzt, um wenigstens etwas Schutz vor der Witterung zu bieten, dies war aber oftmals abwerfbar, um auf der Turmplattform Geschütze installieren zu können.

Der Bergfried wurde innerhalb der Burg so platziert, dass er sensible Stellen, wie zum Beispiel das Tor, mitschützen konnte. Obwohl der Bergfried ein reiner Verteidigungsbau war, so gibt es auch bewohnte Haupttürme, die sogenannten Wohntürme oder Donjons (häufig in Frankreich anzutreffen). Dies sind Allzweck-Bauten die sowohl die Funktion eines Bergfriedes, wie auch eines Wohngebäudes besitzen und deshalb auch entsprechend größer sind.

  

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