Die Weidelsburg

 
Die Sage "Die hessische Weibertreu"

Reinhard von Dalwigk, der Ungeborene, war ein ebenso tapferer wie stolzer Ritter. Seine Rauflust und ewigen Fehden, auch Raub und Plünderungen, die man ihm zur Last legte, hatten ihn die Ungnade seines Fürsten, des Landgrafen Ludwig, zugezogen. Dieser bot seine Vasallen auf, um den Ritter in seinem Schloss Weidelsburg zu belagern. Als er nun sehr gedrängt wurde und der Landgraf von der Belagerung nicht ablassen wollte, bis der Ritter sich ergeben und gefänglich stellen würde, und die Vorräte bereits zu Ende gingen, da lief seine Gattin Agnes zum Landgrafen und bat ihn kniefällig um Gnade und freien Abzug. Dieser wurde ihr und ihren Mägden gewährt mit der Bedingung, nur das mitzunehmen, was ihnen lieb sei und was sie tragen könnten.
Wie aber staunte der Landgraf über den seltsamen Zug, der die Burg verließ und alle Frauen ihre Männer auf dem Rücken zum Tor hinaus trugen. Darüber war der Landgraf so gerührt, dass er sein Versprechen hielt und die Missetäter ziehen ließ.


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