Die Weidelsburg
Geschichte der Burg
Über ihre Geschichte ist vieles geschrieben worden und dennoch bleibt manches im
Dunkeln. Funde besagen, dass der Berg schon im 9./10. Jahrhundert besiedelt war.
Vor 1121 wurde ein "Castrum Alstat" von Werner von Grüningen dem Erzbischof von
Mainz übereignet und man vermutet, dass damit die Weidelsburg gemeint sei. Sie
soll dann im 13. Jahrhundert den Grafen von Naumburg gehört haben, die bereits
1170 in Urkunden erwähnt werden, doch ist nicht beweisen, dass sie die Burg
erbauten.
Der Name Naumburg kommt von Nuwenburg, was Neue Burg bedeutet. Diese 1182
erwähnte Burg hatten die Grafen neu erbaut. Nun stellt sich hier die Frage, wo
ihre alte Burg lag. Man nahm an, dass sie in dem nahe gelegenen Dorf Altenstädt
gestanden hat. Zwar konnte hier bisher keine Burg nachgewiesen werden, aber
vielleicht war dort ein befestigter Hof ihr Stammsitz. Dass sie die hoch
gelegene Weidelsburg verließen, um sich an einem strategisch schlechteren, da
tiefer liegenden, Ort neu anzusiedeln, ist wenig wahrscheinlich.
1225 erschien in Urkunden eine Ritterfamilie, die sich von Wedelberg nannte. Ob
sie vielleicht der Erbauer der Burg waren? Sie standen in gewissen Beziehungen
zu den Grafen von Naumburg, denn zwischen 1249 und 1269 war ein Werner von
Wedelberg Burgmann auf der Naumburg.
In dieser Zeit starb Volkwin II von Naumburg und hinterließ nur minderjährige
Kinder. Daher bot sein Bruder Wittekind II, der Domherr zu Magdeburg war, seine
eigenen und der Kinder Anteile 1265 Landgraf Heinrich I. von Hessen zum Kauf an;
der Handel kam allerdings aus unbekannten Gründen nicht zustande. Stattdessen
übernahm das Erzbistum Mainz sowohl die Naumburg als auch die Weidelsburg. Als
Folge verbündete sich Landgraf Heinrich mit Waldeck und Braunschweig, was 1273
zur Zerstörung beider Burgen führte. Über hundert Jahre bleiben sie zertrümmert
liegen und dann erst folgte ein Wiederaufbau.
Am Ende des 14. Jahrhunderts entstand ein schwerer Streit um das Erzbistum
Mainz. Gegen Graf Adolf von Nassau wurde 1379 Graf Ludwig von Meißen-Thüringen
zum Erzbischof gewählt. Dieser übertrug danach unter anderem die Weidelsburg
Landgraf Hermann von Hessen, der seine Wahl unterstützt hatte. Bald danach
schloss der Landgraf mit Graf Heinrich von Waldeck einen Burgfrieden und
gemeinsam begannen sie, die im Grenzgebiet liegende Burg zu erneuern.
Schon 1382 starb aber Erzbischof Ludwig und sein ehemaliger Gegenkandidat Adolf
von Nassau wurde nun Nachfolger. Er machte sofort alte Rechte geltend und setzte
die Einstellung der Bauarbeiten an der Weidelsburg durch. 1384 erwarb der Ritter
Friedrich von Hertingshausen vom Erzbistum Mainz Teile der Naumburg und später
auch von der Weidelsburg. Er fing nun an, etwa ab 1398, diese mit Mainzer Hilfe
wiederaufzubauen.
Im Juni 1400 reiste Herzog Friedrich von Braunschweig von Frankfurt zurück in
seine Residenz. Bei Kleinenglis wurde er plötzlich von Friedrich von
Hertingshausen und Kunzmann von Falkenberg überfallen, die ihn wohl gefangen
nehmen wollten. Da er sich aber heftig wehrte, erschlugen sie ihn. Zur Sühne
dieser Freveltat belagerte man beide Burgen und zerstörte sie.
1431 wurde Reinhard von Dalwigk der Ältere, der mit Agnes von Hertingshausen
verheiratet war, als Vormund seines unmündigen Neffen Friedrichs zum Amtmann auf
der Weidelsburg bestellt. Beide trugen aber sechs Jahre später die Burgen
Landgraf Ludwig II. von Hessen zu Lehen auf, die sie wohl als ihr Eigen
betrachteten.
Vermutlich noch unter dem Eindruck der Niederlage von 1427 erhob das Erzbistum
keinen Einspruch. Wegen verschiedener Räubereien und Landfriedensbruch wurden
dann 1443 und nochmals 1448 beide Burgen durch hessische und mainzsche Truppen
gemeinsam belagert und zerstört. Die von Dalwigk und von Hertingshausen mussten
auf die Weidelsburg verzichten. Sie verblieb in gemeinsamen Besitz von Hessen
und Mainz, welche Amtmänner einsetzten.
Nach der Mainzer Stiftsfehde von 1462, die zu einer starken Schwächung der
territorialen Machtstellung des Mainzer Erzstiftes führte, war sie dann im
Alleinbesitz von Hessen. Über die Folgezeit wurde nur wenig berichtet. Noch in
der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Burg bewohnt, verfiel aber danach wegen
Bedeutungslosigkeit. Um 1600 war sie schon Ruine. Instandsetzungen erfolgten
erst ab 1900 und in neuerer Zeit durch das Land Hessen.
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