Conbericht
Seltsame Dinge geschahen in Friedeslar. Es war ja in letzter Zeit noch nicht
merkwürdig genug, Räuber und die Freunde des Rauschkrautes trieben sich in
unsrer schönen, alten Stadt herum. Aber welches Volk ist mir am 29. Drowos
begegnet? Wahrlich seltsames Volk, neben den üblichen Gesindel wie diesen
Rauschkrautsüchtigen, war noch wahrhaft seltsameres Volk in der Taverne des
ehrenwerten Herrn Garius zugegen, was ich von einem solch tugendhaften und
blaublütigen Wirt wirklich nie erwartet hätte. Ich besuchte das Fest des Drachentöter
nun schon so viele male, seit ich denken, äh, trinken kann, aber noch nie war
die Gesellschaft so bunt. Wahrlich dort waren Helden, die in Wahrheit
Scharlatane waren, und auch Scharlatane, die in Wirklichkeit Helden waren., aber
davon will ich später noch erzählen.
Der hochbekannte Garius Mundhenke, der wohl ein Nachfahre des tollkühnen
Klaus von Magda ist, lud ein zum Festgelage. Der Drache von Kelds war nun vor
genau 145 Jahren getötet worden, und das ist wahrlich ein Grund zum feiern. Die
beiden Säle waren randvoll gefühlt. In einem saßen an einer langen Tafel die
Reichen und Edlen aus Friedeslar, Erédia und Fâl. Am Kopfe der langen Tafel
saßen Herr Trumbas Pappenheimer, ehrenwerter Senator und
spitzfindiger Salzhändler in Friedeslar, an seiner Seite saß der hochgeborene
Graf Hessmar aus Erédia, ein Abgesandter König Iandals. Selbst der König von
Fâl war mit einem großen Gefolge anwesend um sich an den Freuden des
Sondth-Trankes und der Tugend des Klaus von Madga zu erfreuen. Im anderen Saale saß
denn das weniger reiche aber trotzdem wenigstens halb so edle Volk.
Ein großer
Teil der Gäste gehörte zur Freitruppe. Des weiteren war noch eine wenig
gesprächige aber oft knurrende Gruppe von Menschen und sonderbaren da, die sich
selbst Wolfs-Klan nannte. Wahrlich manche hatte ein Gesichte gleich einem
Chi-Ta, die Waffen eines Lawegoniers und die Trinkkraft eines Underfrieders, wobei
ich sagen muß, dass der Sieger des Wetttrinkens nicht aus ihren Reihen
stammte. Meine Wenigkeit eines pensionierten Zöllners hielt sich nun hauptsächlich
im Raume des gewöhnlichen Volkes auf.
Nun saß ich mit meinen morschen Knochen
am Tisch mit Olaf, einem Jäger aus Metzarum, und erfreute mich an dem
Geschicke des Garius Mundhenkes. Wahrlich, wir als eher diejenigen, die nie nördlich
von Löwenstein waren, blickten erstaunt auf die ferngereisten Gäste. Zwerge
kannten wir nur aus den Legenden der Hasunger, doch wahrlich ist es
gesitteten Volk, wenn es auch etwas jähzornig ist. Nun kam ein Zwerg namens Strupp zu
uns, der wohl Heiler bei der Freitruppe ist und irgendwo weit südlich von
Alisien wohnte, zu unserem Tisch und wir sprachen über allerlei Tränke, denn ich
hatte wohl ein kostbares Fläschlein von Irgendetwas mit, was wohl alle
Krankheiten außer der Liebe und der Trunksucht heilen soll, und ihr alle wißt ja
wie gründlich mich die allmächtige Zeit mit Gebrechen versehen hat. So gab ich
ihm von meinen Tranke und er schüttete einen Trank, dessen Farbe wohl die
einer gekochten Wetterfee hatte, und ich trank, aber wahrlich erschrocken
blickte ich den Bärtigen an, als er sagte seine Tränke wären heilend und
vergiftend zugleich, es komme nur auf die Menge an. Auf Dails mächtige Fratze gespannt
wartete ich auf das Ende, doch er sagte ich hätte viel zu wenig getrunken,
wahrlich seltsame Bräuche beim kleinen Volk, gebrechliche, arme Männer mit
ihren Pullen erschrecken. Ich sage euch, wäre es mein Sohn gewesen, hätte er eine
ordentliche Tracht Prügel bekommen, aber dieser Zwerg war immerhin 150 Jahre
älter als ich, dabei habe ich mich bis zu jenem Tage für einen wahrhaft
langlebigen Mann gehalten.
Ein seltsames Volk diese Zwerge, ein zwergischer Schmied war
recht beleidigt als ich sagte er gehöre zum Wolfsklan, wahrlich ich hatte
Wolfs- und Bärenklan verwechselt, und nur die Gnade und das Ehrgefühl des Zwerges
bewahrt mich vor der Satisfaktion, denn obwohl er allenthalben viermal so alt
war wie ich, war der Langbart um vieles gesünder und stärker und gewaltig
war sein Hammer.
Überhaupt, manches Volke an jenem Abend war wahrlich recht jähzornig. In
jedem Worte roch mancher eine Verhöhnung. So geschah es, dass ich mit einem
Leutnant der Freitruppe in Gespräche kam. Die Freitruppe, so sagte er, sei eine
Söldnertruppe, die für Geld und Wohl und Ehre ihrer Getreuen zu Felde ziehe,
aber keinem Herren diene, außer natürlich er bezahle recht gut. Sie waren also
so was ähnliches wie die Heldentruppe um den unzüchtigen Herzog von
Löwenstein. Nun erzählte ich von dem Barbaren, der mit einigen Räubern die
Armathanstraße unsicher machte. Gerade wollt ich von jenen Truppe um den Herzog
berichten, da fiel mir der werte Herr ins Wort und fragte, ob ich denn wohl meine,
die Freitruppe wären jene Räuber gewesen. Wahrlich erschrocken erklärte ich,
ich hätte doch sagen wollen, dass jene Heldentruppe, die die Räuber besiegte, der
Freitruppe ähnlich sei. Ein gutes Dutzend seiner Getreuen kam aus der Erregung
und ich konnte den Zorn des Söldnervolkes abwenden.
Doch nicht nur Kämpfer
gehörten dieser Truppe an, auch Schmiede, Schreiber und Heiler waren in ihren
Reihen. Aber der gelehrigste unter ihnen war, wie soll es auch anders sein,
ihr Hauptmann. Er war ja immerhin der einzigste unter den Banausen, der an der
Geschichte des unbesiegbaren Helden Klaus von Madga Interesse zeigte.
Doch er
war nicht nur recht wissbegierig, er schien auch sehr gern die Macht der
Unsterblichen zu reizen.
Nicht nur, dass er sich selbst Gott nannte, er schien
die Himmlischen zu verhöhnen. Ja, er sagte, wenn wir die Götter nicht an beten
würden, würden die Götter selbst vergehen. Ein rechter Narr war er, ich will
mein Paar Schuhe verwetten, dass er noch im selben Jahre vom Blitz getroffen
wurde. Er meinte desweiteren, die Kerze würde auch ohne Siltos zutun
brennen, da die Kraft aus den Elementen selbst komme. Doch dies war noch nicht
genug, er hing wahrlich der Irrlehre an, es gäbe nur vier Elemente, Feuer, Wasser,
Luft und Erde. Ewig versuchte ich ihn zu belehren es gäbe noch ein fünftes
Element, den Äther. So begann eine große Gesprächsrunde. Ein Schmied meinte, Erz
sei auf jeden Fall ein Element. Es wurde auch vom Element Holz gesprochen.
Plötzlich meinte ein Zwerg es gebe nur Utgard, Midgard und Asgard. Als wir davon
sprachen, der Äther sammle sich in den Haaren, schrie uns plötzlich ein
glatzköpfiger Thorwaller an, es war nicht leicht ihn davon zu überzeugen, uns
nicht zu erschlagen. Überhaupt war dieser Thorwaller eine laute Gestalt, seine
Stimme kann es wohl mit Njoradeens Hufschlag aufnehmen. Selbst beim Speise und
Trank schien er Schreien zu müssen, da wenigstens konnte ich ihn mit meinen
alten Ohren recht gut verstehen.
Das Essen an jenem Abend erfreute wohl alle Gäste. Eine gute Suppe öffnete
den Magen, zum Hauptgang gab es sogar ein halbes Huhn, ein süßer Apfelkuchen
schloß ihn wieder. Zu allem gab es die kräftigen alisischen Gewürze und das
Salz aus den Beständen der Kontorei Pappenheimer. Auch wahrlich waren alle mit
Tränken reichlich versorgt. Hörner und Becher waren stets mit Met und
Gerstensaft gefüllt, wenn auch oft die Kellnerin viel zu viel Arbeit hatten, da die
meisten Gäste weder volle noch leere Hörner mochten. An diesem Abend mundete
es besonders, da alle Tränke von Errik, dem Priester des Sondth, gesegnet
wurden, und jenem Gotte wurde wahrlich gehuldigt. Möge Sondth Segen ewig über
dem Haupte des Siegers beim Wetttrinken liegen.
Doch da dies nun wahrlich des Fest der Madga war, war es an der Zeit die
uralte Mär zu erzählen. Und so machte ich mich auf zum Saal der Edelmänner und
die uralten Reimen erfreuten ihre Gemüter, auch im Nachbarsaale hörte man zu,
obwohl dort manche das Gemüt eines Banausen hatten. Als nächstes war nun das
traditionelle Schauspiel an der Reihe um an die den Tod des Drachen von Kelds
zu erinnern. Hoch erfreut waren die Edelmänner von Fâl, Friedeslar und
Erédia über unser Schauspiel. Meine alten Knochen spielten den Drachen und Tyrion
ein Priester des Maximus, den wir Vigar nennen, spielte den großen Klaus, die
Rolle des Erzähler übernahm der Priester Errik. Während in jenem Saale etwas fâlschen Kupfer (keinesfalls mit falschen Kupfer zu verwechseln) unser Lohn
war, wurde das Schauspiel im anderen Saale mit recht unzüchtigen und
höhnischen Bemerkungen begleitet. Manche meinten doch wirklich Klaus von Madga sei
irgendein Lustknabe.
Nach diesem Schauspiele machte ich mich auf zu meinem
Heim, da es wahrlich schon recht spät für meine alten Knochen war, und ich gab
mich zum Schlummer nieder. Doch als ich so schlief, bemerkte ich wenig von den
großen Ereignissen, die sich noch im Wirtshause zutrugen.
Ein Dieb hatte in einem Laden eine Runenscheibe gestohlen, und sich unter
die Gäste gemischt. Doch selbst das unglückliche Ende des Diebes in den Händen
der Stadtwache, konnte die Feierstimmung nicht trüben. Was ich aber ebenfalls
am nächsten Morgen hörte, machte doch recht stutzig. Der ehrenwerte
Stadtgardist Karl Rechtschaft war an jenem Abend von Senator Pappenheimer entlohnt
und dann doch wieder begnadigt worden. Angeblich soll er den König von Fâl gar
übelst beleidigt haben, als er auf unglückliche Weise den ehrenwerten König,
den er nie zuvor gesehen hatte, mit dem schon erwähnten Diebe verwechselte.
Aber was noch weit sonderbarer ist, ein erédischer Graf soll noch an jenem Abend
durch einen Schlag bewußtlos zu Boden gefallen sein, seltsam ist nur, dass mir am
Morgen niemand der über fünfzig Gäste berichten konnte, wer nun den Grafen
geschlagen und damit auf's heftigste beleidigt hatte.
Ja, recht sonderbar sind
die heutigen Tage und unergründlich ist Dails großer Plan. Wer weiß, wann
Dail mich zu sich ruft, und wer weiß welche Streiche das Schicksal beim nächsten
Feste spielen wird?
Euer Georg Klammstein
Von Robert Knieling
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