Victor Gustavsen

 
Es schien eine Sommernacht wie jede andere zu sein, erinnerte sich Senator Anderbourg aus Fridislar. Sie war warm und trocken. Das Licht des Vollmondes und der Sterne, die durch den wolkenlosen Himmel schienen, tauchten die Türme und Zinnen seiner Stadt in ein geisterhaftes Licht. Gleichzeitig spiegelte es sich in einem fahlen glitzernden Scheinen vom naheliegenden Ander wider. Die Nacht war windstill und wunderschön, doch Senator Anderbourg spürte tief in seinem Inneren, das irgendetwas geschehen sollte. Ein Schicksal sollte sich in dieser Nacht erfüllen. Der Senator ging zu Bett, doch er durchlebte einen unruhigen Schlaf, geplagt von Alpträumen. Er träumte von Elben und einigen Menschen, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Eigentlich war es ungewöhnlich, dachte er sich im Nachhinein, da er sich normalerweise nie an seine Träume erinnerte. Doch dieser Traum war dermaßen realistisch, dass er sich auf ewig in seinem Gedächtnis festzubrennen schien. Immer wieder gelang ihm ein Satz ins Gedächtnis. "Gehe zu den Furten, er wird da sein!!". Der Senator wachte am nächsten Morgen auf, durchnässt vom kalten Angstschweiß. "Furten" überlegte er. Es gab eine Stelle im Ander in der Nähe von Fridislar, aber eine Furt war dies bei weitem nicht. Anderbourg versuchte zu vergessen, was geschehen war. Die Regierungsgeschäfte waren wichtiger, als einem Phantom nachzujagen. Ein guter Krug Met und ein anständiges Stück Fleisch würden seinem Bauch schon wieder abhelfen, denn er war sicher, dass ihm nur sein leerer Magen einen Streich gespielt hatte. Doch das war ein Irrtum, denn die Träume wurden heftiger. Und nachdem Senator Anderbourg nichts mehr essen und nichts mehr trinken konnte, beschloss er einfach zu dieser vermeintlichen Furt zu marschieren.

Er ging alleine und er war sich sicher, dass dort nichts war, doch siehe da, an der seichten stelle der Ander hatte sich tatsächlich eine Furt herausgebildet, doch wie war das möglich? Der Senator wurde doch jäh in seinem Gedankengang unterbrochen, als er das Schreien eines Kindes vernahm. An der Furt sah er, an einer Sandbank aufgelaufen, ein kleines Boot. Es war schon halb voll Wasser gelaufen und in ihm lag ein kleines Kind, noch lange kein Jahr alt. Um seinen schlechten Schlaf zu verbessern und aus Angst und Respekt vor den Elben beschloss Senator Anderbourg das Kind bei sich aufzunehmen. Er bemerkte noch ein seltsames Amulett, das dem Kind um den Hals hing. Die Zeichen auf dem Amulett vermochte er jedoch nicht zu deuten. Außerdem befand sich noch ein Steckbrief in dem kleinen Boot. Das Bild und der Name waren undeutlich geworden, aber aufgrund der anderen Angaben schloss der Senator darauf, dass das Boot aus Anderport stammen musste. Er überlegte sich, ob er einen Boten dorthin schicken sollte. Aber die Angst vor den Elben ließ ihm von diesen Vorhaben ablassen. Er nahm das Kind fürsorglich bei sich auf. Es war ein leichtes, da seine Frau erst vor kurzem einen gesunden Sohn und eine gesunde Tochter zur Welt gebracht hatte. Er beschloss das Kind Victor Gustavsen zu nennen. Er glaubte zumindest, diesen Namen auf dem Steckbrief erkennen zu können. Offiziell war Victor nun der Neffe des Senators. Denn dieser gab vor, dass Victor der Sohn seiner kürzlich verstorbenen, in Eredia lebenden Schwester war. Tatsächlich verlief der Schlaf des Senators so gut wie schon lange nicht mehr.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Victor prächtig. Ganz wie ein Fridislarer fand er gefallen an den Festivitäten und Orgien, ebenso am Genuss von Wein und Met sowie aller möglichen Speisen. Abgesehen davon war Victor ein junger Mensch voll List und Tücke, der eher die Waffen des Wortes als das Schwert gebrauchte. So beschloss der Senator eines Tages Victor zu Certamen zu schicken, auf das er die Kunst des Schwertkampfes erlernen sollte. Da ihm dies aber nicht gelegen war, schloss er mehr schlecht als recht ab. Seinen Lehrmeistern fiel allerdings auf, dass er trotz Mangels an Technik einiges an Kraft entwickelte. Es hieß, dass er einmal den Eisenschild seines Lehrmeisters mit einem einzigen Hieb in zwei Teile gespalten haben soll und dabei seinem Lehrmeister die Unterarmknochen brach.
Als Victor, der nie Bedenken deswegen hatte geschweige denn ein schlechtes Gewissen, nach Fridislar zurückkehrte, wurde dem Senator schlagartig einiges klar. Eine Seite Victors, die noch nie zuvor derart bemerkt hatte. Victor war in vielen Dingen einfach skrupellos. Im war es im Prinzip egal, wie er seine Ziele erreichte und er schreckte vor nur wenigem zurück. Dabei blieb er jedoch immer absolut ruhig und beherrscht, so dass den Meisten sowohl der Sinn seines Handels als auch seine Ziele verborgen blieben. Gerade als der Senator dachte, was für einen perfekten Politiker Victor doch abgeben würde, stellte Victor dem Senator eine Frage, vor der sich Anderbourg immer gefürchtet hatte. Victor fragte, woher er selber kam. Nach kurzem Zögern beschloss der Senator, dass es das Beste für Victor wäre, wenn er alles erfuhr. Schließlich war er nun schon 16 Jahre alt. Also erzählte Anderbourg ihm von den Träumen mit den Elben, von der seltsamen Furt, die sich einen Tag später wieder ins nichts aufgelöst hatte, dem Steckbrief aus Anderporth und dem seltsamen Amulett. Victor hatte das Amulett noch nie zuvor gesehen, als der Senator es aus einem dunklen Teil des Kellers holte, indem er es seit gut anderthalb Jahrzehnten aufbewahrt hatte. Noch am selben Tage beschloss Victor, den auf einmal die Abenteuerlust gepackt hatte nach seinen Ursprüngen zu suchen. Also zog er los gen Erédia um seine Familie zu suchen, oder wenigstens einige Anhaltspunkte, was aus ihr geworden war. Ihn begleiten dabei die besten Wünsche des Senators und seine Hoffnung, dass Victor vielleicht eines Tages wieder zurückkehren würde.

Die ersten Wochen in seinem Wanderleben durchkreuzte Victor den Südosten des Königreiches Erédia mehr oder weniger ziellos. Er hatte ein wenig Geld von daheim mitgenommen und schlug sich als Tagelöhner durch. Vor allem seine Fähigkeit des Lesens und Schreibens half ihm hierbei, da er in der Lage war Schriftstücke und Briefe für die einfachere Bevölkerung zu verfassen. Aber nicht nur Geld sondern auch eine warme Mahlzeit war ihm Bezahlung genug. Bis zu dem Tag, in dem Victor auf einmal vor einem seltsamen Büro im schönen Metzarum stand. Es handelte sich wohl um ein Rekrutierungsbüro der erédischen Armee. Victor dachte sich damals, es wäre doch eine gute Idee. Er würde bestimmt im ganzen Land herumkommen. Also meldete er sich freiwillig. Aufgrund seiner Fähigkeiten schlug man ihn für die Laufbahn eines Unteroffiziers vor. Und tatsächlich kam Victor ziemlich weit herum. Jedoch war er niemals im Westen des Landes und schon gar nicht in Anderporth, da die meisten Soldaten an der gut bewachten Grenze zu Lawegon gebraucht wurden und die lag nun mal im Osten.
Eines Tages, kurz nachdem Victor zum Truppmeister befördert wurde, wurde er dem Kommando vom Zugmeister Hermann Klauenbeil unterstellt. Sein erster Auftrag in dieser Gleve bestand darin, einen Handelsherrn nach Fâl zu begleiten. Dieser Auftrag dauerte mehrere Monate und brachte Victor sehr weit weg von Erédia und damit auch von seinem ursprünglichen Ziel seine eigene Herkunft herauszufinden. Am Ziel angekommen jagte ein Ereignis das nächste. Während ihres Aufenthaltes in Fâl wurde die ganze Gleve erst mit einer mysteriösen Krankheit infiziert. Nur durch ihren unerschütterlichen Glauben an ihre Götter wurden sie schließlich geheilt. Neu erstarkt, bekämpften sie schließlich in Windeseile eine Gruppe Wegelagerer, die sich in den nahen Wäldern versteckten. Als sie dachten, es wäre alles überstanden und man könnte den nächsten Morgen den Heimweg antreten, griff ein ganzes Heer von Untoten das Lager an. Victor stemmte sich mit Leibeskräften gegen die Flut der seltsamen Wesen, doch schließlich wurde er, wie auch der Rest seines Trupps förmlich überrannt. Das letzte, an das sich Victor erinnerte, bevor es schwarz um ihn wurde, war ein großer stechender Schmerz im Rücken. Das nächste, an das er sich erinnerte, war das Gesicht seines neu gewonnenen Freundes Bail Trimbold. Und das er mit eiskalten Körper mitten in der Nacht auf einer Bare im erédischen Lager lag. geheilt werden.

Victor überlegte lange vor sich hin. Die Zeit in der Armee hatte ihm seinen Ziel nicht näher gebracht. Er dachte bereits daran den Dienst zu quittieren, als ein neuer Auftrag bevorstand. Er war im Spätsommer anwesend gewesen, als das EEK einige neue Rekruten bekam. Mit einem dieser Rekruten und dem Großteil seines Korps sollte er in das Königreich Ehm und dort die Stadt Mertingen aufsuchen, wieder einmal begleiteten sie Ludolf Harbig. In Mertingen gingen gar merkwürdige Sachen vor sich, so mussten sie sich Gargoyles stellen. Während diesem Auftrag verlor Victor zwei seiner Kameraden. Doch als er, auf dem Schlachtfelde niedergeschlagen wurde, geschah etwas Merkwürdiges mit ihm. Seine Wunden schienen sich in so kurzer Zeit soweit zu verschließen, dass sie nicht mehr bluteten. Es kam sogar soweit, dass Victor trotz heftiger Schmerzen, nicht mehr das Bewusstsein verlor.
Nach ihrem Auftrag im Königreiche Ehm, kehrte Victor heim in dem Gedanken sich auf einen ruhigen Winter freuen zu können.
Sein erster Auftrag nach dem Winter führte Victor ins Lande Esthall. Wieder einmal sollten er und einige seiner Leute den Herrn Ludolf Harbig schützen. Nach einigen Wirren, unter anderem auch durch einen seiner eigenen Leute, der ihn und seine Kameraden Angriff gelang es ihm, zusammen mit seinen Männern die Untoten zu vernichten, welche die Burg heimsuchten. In Anbetracht des Meuterns eines seiner Leute verfasste Victor einen schriftlichen Bericht und überbrachte ihn seinem Vorgesetzen Hermann Klauenbeil. Dieser befand sich zu diesem Zeitpunkt im wohlverdienten Urlaub. Da die Sache allerdings keinerlei Aufschub duldete, reiste Victor ihm nach. Victor blieb noch einige Zeit in Anderporth bei seinem Zugmeister. Wobei er einige Schwierigkeiten mit Wegelagerern hatte.
Nach all diesen Ereignissen entschloss er sich für einen Urlaub. Sein erstes Ziel war Die Stadt Hohenfluten. So etwas hatte Victor noch nicht gesehen. Eine Stadt, die einem das Geld regelrecht aus der Tasche zu saugen drohte. Alles kostet auf irgendeine Weise Geld. Sogar wenn man Waffen tragen wollte, musste man einen Waffenschein beantragen. Dieser kostet natürlich Geld. Um einen Waffenschein beantragen zu können benötigte man allerdings einen Bürgerschein, den man auch in Kupfer bezahlen musste.

Nach einer geglückten und ruhigen Wiederkehr beschloss Victor seine letzten Urlaubstage damit zu verbringen, sich dem eigentlichen Sinn seiner langen Reisen zu widmen. Er wollte mit einigen Menschen in Kontakt treten, die ihm vielleicht Antworten auf seine Herkunft geben konnten. Also entschloss er sich zum Sommerthing der Nordleute zu Reisen. Sein Amulett entstammte zweifelsfrei aus travischer Hand, trug es doch Schriftzeichen, wie man sie im Norden gebrauchte. Victor hatte ähnliche Zeichen bei einem Thorweiler gesehen, den er in Esthall traf. Was lag also näher, als mit jenen Leuten aus dem Norden in Kontakt zu treten. Roger, der aus den Travenreich stammt, begleitete ihn, ebenso der junge Wieland, den er auf seiner Reise nach Esthall kennen gelernt hatte. Nachdem die drei Abends auf der Insel Einam Eyja eintrafen, auf der die Sippe der Ylfinge das Sommerthing ausrichtete, wurden sie sogleich von den Wachen zum Hersir Jander geleitet. Dieser begrüßte sie sogleich und sie erhoben zusammen die Hörner und Becher und feierten gemeinsam mit den Nordleuten die nun nach und nach eintrafen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass Siria ihnen in einigen Abstand nachgereist war, dicht gefolgt von der Waldläuferin Füchschen, welche wiederum vom Wolfsmensch Giald gesucht wurde. Da sie alsbald alle zusammen im Langhaus des Hersirs standen, nahm Victor alle drei in sein Zelt auf. Den Tag des Things begannen die Nordmänner mit Kampf- und Schlachtübungen. Victor nutzte die Gelegenheit, um sein Wissen um die Künste des Kampfes und des Krieges weiter zu verfeinern und zu verbessern. Er lernte dabei auch vieles Neues. Schließlich tötete der Hersir einen Ork in den Wäldern und schnitt ihm den Kopf ab. Diesen benötigte man für ein Kopfballspiel. Victor kannte diese Art Spiel, die mit dem Jugger verwandt zu sein scheint, noch nicht. Ihm gefiel sie sehr gut, war sie doch wesentlich grobschlächtiger als normales Jugger. Nachdem die Übungen und Spiele abgeschlossen waren bereitete Victor das Abendessen zu. Einer der Nordleute kam zu ihm und stellte sich als Hersir Torga Sturmwolf vor. Er und Victor kamen ins Gespräch. Schließlich wollte der Nordmann Victor anwerben für eine Heerfahrt auf die Nebelinsel. Da Victor bereits im Dienste des erédischen Heeres stand, musste er leider ablehnen. Da Victor aber spürte, dass diese Leute auf irgendeine Weise mit seiner Herkunft verbunden waren, dachte er daran, Urlaub zu nehmen. Eventuell ein paar seiner Leute mitzunehmen, wenn sein Zugmeister es genehmigen sollte. Der Hersir schien Victors Gedanken förmlich zu lesen, denn das war es, was er Victor gleich darauf vorschlug. Das Gespräch endete, als ein Nordmann zum Thing rief. Alle gingen nun vor die große Thinghalle, bei denen Asen und Vanen ein Opfer gebracht wurde. Aus Gesprächen mit den Nordleuten erkannte Victor, dass es zwischen dem drakkmannischen Pantheon und Asen und Vanen einige Parallelen gab. Nachdem die Opfer gebracht wurden, schritten alle in die Große Halle. Victor hatte so was noch nie gesehen. Lauter freie Männer, die miteinander Sprachen. Es waren keine Fürsten, die hier die nächste Heerfahrt planten und über das Schicksal der Männer entschieden, die Männer entschieden hier selber. Selbst die grobschlächtigsten und brutalsten der Nordleute, gaben ihre Waffen ab und diskutierten miteinander, wie Edelleute. Am nächsten Tag verließ Victor mit seinen Leuten die Insel, in der Gewissheit viele neue Freunde gefunden zu haben und mit dem Funken Hoffnung, mit dem Schlüssel zu seiner Vergangenheit bald auf eine große und ruhmreiche Heerfahrt zu segeln.

Nach Victors Rückkehr zur Ellingeat Feste in Metzarum wurde ihm von seinem Vorgesetzten, dem Zugmeister Hermann Klauenbeil eröffnet, dass ihre Einheit einer großen Reform unterzogen wird. Das EEK soll aus dem bisherigen Verbund der Streitkräfte hinausgezogen werden und nun eine eigenständige Brigade werden. Zu diesem Zweck muss die personelle Stärke etwas mehr als verdoppelt werden. Daher machte sich Victor an die Aufgabe neue Rekruten zu werben und diese in das erédische Militär einzuführen.
Nach Erfolgreicher Rekrutierung neuer Freiwilliger zog sich Victor für einige Zeit in die Drachentöter Taverne im Nahen Fridislar zurück. Dort begegnete er auch wieder Eryn und Wieland. Nach kurzer Zeit wurde Wieland allerdings unruhig und immer unruhiger. Es gipfelte darin, dass er die Taverne fluchtartig verließ. Victor lief ihm nach. Nach geraumer Zeit der Spurenverfolgung konnte Victor den jungen Wieland finden. Beide waren jedoch in eine Gegend namens Schaffthal geraten. Eryn und Giald waren ihnen ebenso gefolgt. Schaffthal erschien Victor als eine relativ ruhige Gegend. Dort gab es tatsächlich einen Stein, der alle Magie absorbieren konnte. Dies erfüllte Victor mit einer relativ großen Beruhigung. Das einzige Manko waren diverse Untote und einige seltsame Spinnenwesen. Zu Victors Bedauern wurde der Stein an einem Abend ihrer Anwesenheit von einigen Magiern zerstört. Allerdings hörten so auch die Untotenangriffe auf.
Nach Victors Rückkehr nahm er sich dem Soldaten Darvik an. Dieser Soldat war neu in Victors Einheit gekommen infolge der Reform. Da Darvik ein potentieller Kandidat für eine Unteroffizierslaufbahn war, beschloss Victor ihn zu einer kleinen Reise mitzunehmen. Er wollte sehen, wie Darvik auf Fremde reagierte im Ausland, ob er einen kühlen Kopf behalten kann. Also nahm er ihn mit ins Badehaus der Familie Böckig aus Hohenfluten. Da diese ihr Lager in der Fremde aufgeschlagen hatten war es sehr einfach Darvik dieser kleinen Prüfung zu unterziehen. So saß Victor im heißen Zuber während draußen nasskalte Fluten vom Himmel fielen und beobachtete Darvik genau, wie er es mit Fremden denn nun handhabte. Victor war doch recht zufrieden. Auch wenn es nicht grade ein optimales Ergebnis war, aber das hatte er zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht gefordert.

Als sie wieder zurück in Metzarum waren bekam Victor den Marschbefehl in ein Feldlager. Nun geschah es, dass nach einiger Zeit die Vorräte knapp worden. Also zog Victor und ein Kommando des EEK unter Zugmeister Klauenbeil aus, um neue zu besorgen. So kamen sie ins Lande Kanor, wo ein Markt stattfinden sollte. Kanor war ein menschenleeres Grenzland. Leider war der Markt zu klein, allerdings beschloss man ein wenig zu bleiben. Der Statthalter des Barons kündigte sich für den nächsten Tag an, und man wollte ihn befragen, wo es die Möglichkeit gebe 20 Mann für Zwei Wochen mit Vorräten zu versorgen. Der Statthalter beschrieb ihnen einen Weg in den Norden, wo es Bauern geben solle. Man beschloss nach kurzer Beratung am nächsten Tag aufzubrechen. Des Nachts wurde Victor uns seine Kameraden von allerlei Okkultem und Untoten heimgesucht. Auch ein Dämon war dabei. Nach der Schlacht sprach Victor zu seinem Zugmeister, dass ihnen das zuhause in Metzarum sowieso niemand abnehmen werde. Es war wieder eine von diesen Geschichten.

Zurück in der Ellingeat Feste rafften die Soldaten ihren Resturlaub zusammen. Zugmeister Klauenbeil sprach von einem Land namens Imal, in dem es Schätze gab. Da es erédischen Soldaten nicht erlaubt ist, ohne ausdrücklichen Befehl zu plündern und zu brandschatzen, entschloss man sich zu diesem Schritt in Zivil nach Imal zu gehen. Neben Kjeld und Alrik kam noch Klauenbeil persönlich mit. Diese drei waren im vergangenen Jahr schon in Imal gewesen. Mit uns kam noch die Magd Gwendelin. Victor, immer für eine Reise gut, schloss sich dieser Gesellschaft gerne an. Am ersten Abend in Imal wurden sie von Untoten angegriffen, welche aus einer Grabkammer stiegen. Nach dem Scharmützel rief einer seiner Soldaten Victors Namen. Plötzlich drehte sich eine Gestalt im Dunkeln um und fragte "Victor?" Er hörte es und drehte sich selber in Richtung der Gestalt. Im fahlen Licht von Mond und Sterne konnte Victor einen hoch gewachsenen Mann erkennen. Auf seinem dunklen Schild waren Mond, Sonne und zwei Wölfe zu erkennen. Victor kannte diese Zeichen. Ylfinge. Plötzlich sah sich Victor umrandet von Einigen jener Sippe aus Reykjajar, die in begrüßten. Victor war froh, Freunde und Verbündete hier im fernen Imal wieder zu sehen. Der nächste Tag wurde umso besser. Sie wurden von seltsamen gelben Menschen angegriffen. Seite an Seite fochten die Ylfinge mit den Soldaten des Expeditionskorps, metzelten alles nieder und ließen nichts stehen. Die gelben Menschen hatten viel Silber bei sich, was ihre Kampfeslust nur noch steigerte. Neben einigen widernatürlich großer Insekten, von denen sie ein Exemplar mit nach Erédia nahmen, war der Tag relativ ereignislos. Bis es Abend wurde. Die Erédier frönten grade am Lagerfeuer einer alten drakkmannischen Tradition des Geschichtenspinnens. Hierbei fängt einer an eine Geschichte zu erzählen und der nächste fügt ein Stück hinzu. So geht es immer weiter. Am Abend dann bemerkte Victor auf einmal einen Streit im Nachbarlager, den er sich näher anschaute. Waräger, die in Imal Büttelrechte hatten verlangten Wehrgeld vom Nachbarlager, da die Bewohner besagten Lagers eine gute Freundin des Emirs von Imal zu Unrecht gefoltert hatten. Victor, der am Nachmittag Zeuge dieser Tat geworden war, ging zu seinem Zelt und Rüstete sich, nahm seinen Helm, Schwert und Schild und stellte sich bereit, als ein Nordmann auf ihn zukam und fragte, auf welcher Seite er stehen würde. Victor, der die Nordmänner vom Sommerthing kannte, schaute ihn an, und sagte, dass er mit den Nordleuten zusammen stehe. Die Bewohner des Nachbarlagers gaben schließlich nach. Ein Wenig bedauerte Victor dies, hätte er doch gerne noch einmal mit den Nordleuten zusammen gekämpft.

 

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