Gerulf Galaeron


"Wer glaubt schon an Tiori oder Dail?"
Der Mönch am anderen Ende des Tisches sah Gerulf ungläubig an.
"Im Ernst, dass ist doch alles nur Unsinn, Kinderkram, Ammenmärchen!!"
Der Mönch wollte es nicht wahrhaben, dass jemand so Dahergelaufenes dermaßen über jene Götter lästerte, welche im so wichtig waren. Er stand entrüstet auf, hob drohend den Zeigefinger und richtete ihn entrüstet auf Gerulf.
"Sagt mir, stimmt es, dass die Brüder eures Ordens keine Gewalt anwenden dürfen?", sprach Gerulf mit einem zutiefst sarkastischen Grinsen auf dem Gesicht.
Der Mönch ließ seinen Finger sinken und verließ die Taverne ohne ein weiteres Wort zu sprechen. Gerulf setzte sich ein wenig bequemer auf seinen Holzstuhl und trank weiter an seinem Krug Bier. Er war kein wirklich religiöser Mensch. Ganz im Gegenteil. Seine Mutter war verschollen seit seiner frühesten Kindheit. Sie war nicht mehr zurückgekehrt von einer Reise in die Nebelberge und Gerulf hatte sich damit abgefunden, dass sie tot war. Wahrscheinlich von Wölfen oder Schlimmeren gerissen worden. Sein Vater wollte immer ein Abenteurer sein. Das Problem dabei war jedoch, dass er seine Abenteuer in Krügen voll Bier und Met suchte. Was ihm selber schließlich noch zum Verhängnis wurde. Sicherlich lernt man von solchen Eltern nicht wirklich etwas über die Götter.
"Nunja", dachte sich Gerulf, als er die Füße hochlegte und einen tiefen Zug aus seinem Becher nahm. "Deine Eltern hast du jedenfalls bei weitem übertroffen".
Eigentlich war er ganz zufrieden mit seinem Leben, hatte er doch fast alles was er brauchte.

Ein paar Stunden und einige Krüge später erhob sich der Tagelöhner um die Taverne zu verlassen, er zahlte die Zeche und trat auf die Straße. Die nächtliche Dunkelheit hatte sich über die Stadt Hohenhewen gelegt. Gerulf mochte Hohenhewen. In dieser Stadt war es ein leichtes seinen Lebensunterhalt zu verdienen als Tagelöhner. Doch diese Nacht sollte für ihn noch einige Überraschungen parat haben. Als Gerulf durch die Gassen der Stadt lief traf ihn etwas in den Rücken und alles um ihn herum fiel in Dunkelheit. Das nächste was er wahrnahm war eine Gestalt auf einem Pferde sitzend. Die Gestalt war in einen langen schwarzen Mantel gehüllt und trug einen Speer. Er stieg von seinem Pferd ab und reichte Gerulf eine Hand, zog ihn auf die Füße und sprach, er habe seinem Bruder Dail gesagt, dass es noch nicht an der Zeit für ihn wäre in seine Hallen einzuziehen. Mit diesen Worten wurde Gerulf von einer wunderbar sanften Wärme umfangen und von dem Schmerz im Rücken war sogleich nichts mehr zu spüren.

Als er aufwachte lag er vor Tioris Tempel es war früh am Morgen. Gerulf bemerkte, dass er gestern Opfer eines Überfalls geworden war. Er war immer noch von seiner seltsamen Vision ergriffen, betrat sogleich den Tempel und kniete vor dem Altar des Tiori nieder um zu beten, denn er war es, der Gerulf in der Vision erschienen war.
Ein Schrei unterbrach Gerulf in seinem Gebet. Ein Mönch war hinter ihn getreten und zog an einem Bolzen der in Gerulfs Rücken steckte. Die Wunde blutete nicht.
Gerulf wurde daraufhin schlagartig klar, das Tiori ihn zurückgeschickt hatte. Ergriffen von diesem neuen Gedanken änderte er fortan seine Wege. Vorbei war die Zeit des Tagelöhners. Beginnen sollte das Leben eines vollkommen neuen Gerulf Galaeron.

Gerulf verbrachte noch eine lange Zeit im Tiori Tempel zu Hohenhewen, und studierte das alte Wissen um die drakkmannischen Götter und besonders um Tiori.
Irgendwann jedoch kam für ihn der Tag den Tempel zu verlassen und auszuziehen um sein Wissen um die Götter auszubauen und zu vervollständigen. Er gürtet sein Schwert um und zieht seitdem durch die Länder, um von den alten Geschichten seiner Götter zu berichten, neue zu lernen und so manch gute und mutige Tat zu vollbringen, den er spürt seit jener Nacht eine große Verbundenheit zu den Göttern und weiß dass er immer tief in ihrer Schuld stehen wird.


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