Der Schamane Fascerich


Im Jahr der Tanzenden Flüsse geschah es, dass in einem Hause zu Altenhasungen im Herzogtum Löwenstein ein Knabe geboren wurde. Sein Vater war der Hirte Garthor und seine Mutter war Banhild des Scherers Tochter. Sie nannten das Kind Fascerich und dankten der Herrin Erthra für das freudige Heranwachsen ihres Kindes.
Doch der Tag kam, an dem großes Unglück über die junge Familie kommen sollte. Grausame Wendung nahm das Schicksal im Herzogtum Löwenstein, denn es geschah, dass nachts seltsame Wesen mit großem Geschrei um die Häuser Altenhasungens zogen, und immer wieder überfielen sie die Dorfbewohner im Schlafe. Woher sie kamen wusste niemand, doch viele ahnten sie seien aus den Weiten des Nordens gekommen.
So saß denn nun Gardor im Angstschweiße und mit einem Stocke in der Hand in seiner Hütte, und hörte die grausamen Laute der Wesen, und er rief so denn die unsterblichen Götter an in aus seiner Pein zu befreien. So sprach er denn zu Dail und allen, von deren Heiligkeit er wusste: "Wenn ich und die meinigen diese Nacht überleben sollen, so soll es geschehen, dass ich meinen einzigen Sohn in die Hände der Götter lege, um ihnen zu dienen und das Leben, das unser Blut euch schuldet, abzuzahlen. Nie wieder tauchten jene Wesen auf, und das Volk der Hasunger soll noch immer Ruhe vor ihnen haben. Doch am nächsten Morgen stand vor der Türe des Hauses Gardor eine seltsame Gestalt. Er trug die pelzige Tracht eines Traven, Hörner zierten die Haube auf seinem Haupt und auf seiner Brust ward in düsteren Farben das Zeichen des Dail und er war wahrlich von hohem Alter. Gardor verstand und übergab sein Kind dem Fremden. Es war Frudwart, ein Schamane aus den Steppen des Nordens, und er gehörte also zu jenen Wanderern, die schon jenseits des großen Meeres die Geschicke des Seins erforschten. Er nahm Fascerich bei der Hand und führte ihn gen Norden.

Der alte Weise wusste, dass Dail in bald in sein ewiges Reich aufnehmen würde, und so lehrte er ihn vieles über die Geschicke der Sterblichen und Unsterblichen. Er lehrte ihn lesen und schreiben und das Herstellen von Tränken aus den Früchten Erthras und dem Wurzelwerk, das sich bis hin zu den Tiefen Dails bohrt. Vieles brachte er ihm bei über das Leben in der Wildnis, denn der Weg des Schamanen ist ewig und er kennt ein Haus genauso wenig wie ein Waldläufer. Und als er glaubte Fascerich alles beigebracht zu haben, was er ihm beibringen konnte, schickte er Fascerich auf eine große Reise. So sollte er denn schwören: "Alle Äonen will ich durchwandern, alle Mysterien will ich erschließen, die Gestalten der Götter will ich zeigen, und den verborgenen, heiligen Weg, des Schamanen will ich gehen." Sogleich starb der Meister, nachdem er seine Pflicht erfüllt hatte. So übergab nun Fascerich seinen Meister der Erde und sorgte dafür, dass dessen Seele die ehrwürdigen Hallen erreichte. Dann machte sich Fascerich auf und zog von dannen. Nun sollte er durch die Lande ziehen...

Und so geschah es, das Fascerich am vierten Ralja im Jahr des Fuchses die alte Reichsstadt Fridislar erreichte. In Fridislar herrschte grad Trubel und Aufsehen, den finstere Mordbuben trieben ihr Unwesen und plünderten und brandschatzten Kontore und Karawanen des ach so ehrwürdigen Senators Trumbas Pappenheimer. Jener vom Wirken der Schergen ermattete Salzhändler warb nun ebenfalls einen Schergen an. Sein Name war Tyrion, er war ein heidnischer Priester von irgendwo ganz weit weg im Norden. Jener hatte schon einige Monate zuvor dessen unschuldige Tochter aus den Händen finsterer Mordbuben und Rauschkrautfreunde befreit. Tyrion warb nun einige von jenen Männer an, die Vigar mit tollkühnen Gemütern versehen hatte. Unter ihnen waren der mordlüsterne Tamord und auch der Schamane Fascerich. Tyrion führte sie in die Wälder nahe Underfrieds. Zuerst fanden sie nur jämmerliche Gestalten von Rauschkrautsüchtigen, und Fascerich nahm das Kraut und ließ es einem kränklichen Waldläufer kosten. Als dieser nun trotz allen Wirkens und Schaffens von Talismanen und Kräutern der Übelkeit erlag, war er von der Lästerlichkeit jenes Krautes überzeugt. Doch schon bald sollte die Gemeinschaft von Tyrion in Hände alisiescher Sklavenhändler geführt werden. Fascerich beschloss sich demnächst besser auf die Wurfknöchel als auf von fremdländischen Göttern getriebene Führer zu verlassen. Doch in den von ketzerischen Lehren befleckten Gemütern der Alisier machten sich Pläne von großer Dummheit breit. Jene Räuber, die grade von der Gemeinschaft "verfolgt" wurden, hatten auch die Statue ihrer ach so "heiligen" Prophetin gestohlen. Um die Schmach von ihrem lästerlichen Götzen abzuwenden, befahlen die Alisier, die Gefangenen sollten den Götzen von den Mordbuben zurückstehlen. So nahmen sie Fascerich als Geisel, auf dass die anderen Recken auf zuürckkehren sollten. Fascerich ertrug nun die Schande der Ungläubigen und ihre lästerlichen Sitten und lernte, warum sein Meister Frudwart die Alisen immer Ärger als den Tod gefürchtet hatte. So stahlen nun die Recken den Götzen und brachten ihn zurück zu den ungläubigen Menschenhändlern. Diese entließen Fascerich und er machte sich mit den anderen erneut auf um die Nordbuben zu finden. Doch es stellte sich heraus, dass Tyrion erneut eine Falle gefunden hatte. In der Gruppe fand sich ein Verräter der Räuber. Dieser führte uns ins nächste Verderben. So trafen die Söldner auf Xela und dessen Schurken. Die Gruppe wurden von den Räubern gefangen genommen. Es stellte sich heraus, dass der verstümmelte Xela Tyrion schon einmal vor einigen Monaten entkommen war. Allein durch das Zutun gutmütiger Waldelben konnten die Räuber besiegt werden und die Schmach der Recken abgewendet werden. Der werte Herr Pappenheimer zahlte den Söldnern ein Gelage. Nun gut genährt ging der Weg des Schamanen weiter.

Am fünften Premus im Jahr des Löwen waren Fascerich und einige andere Erédier im Land Dere, weit westlich der Nebelberge. Es war ein wildes Land, doch neben allerlei Bäumen und Gestrüpp gab es dort auch einen Tempel. Der Tempel war dem Normund geweiht, wie ein Priester erklärte. Wie schon im Jahr zuvor waren auch nun wieder zahlreiche Artefakte aus dem Tempel gestohlen worden. Der wohl beleibte Priester vermutete, dass die Anhänger einer dämonischen Schwester des Normund dahinter steckten. Der Priester beauftragte die Reisenden Erédier nun den Altar im Sinne Normunds neu zu errichten und die scheinbar drohende Einkehr von Dämonen zu verhindern. Sie schlugen ihr Lager auf und entdeckten bald darauf, dass es im Wald nur so von Räubern und Glühwürmchen wimmelte. Die Räuber sollen wohl durch fadenscheinige Dämonlogen angeworben sein. Im wieder kämpfen die Recken gegen sie. Im Wald fanden sie ein schändliches Zeichen, das Zeichen einer Dämonenbeschwörung. Nebst lag ein totes Weib, als Blutopfer und ein Bihänder, mit dem offensichtlich die Frau für das lästerliche Ritual geschlachtet worden war. Die Mordbuben und ihre hexenden Auftraggeber tauchten auf. Zwei ihrer Gefährten verschwanden im Grause der Dämonenwelt. Und auf einmal hatte Fascerich Vigar im Leibe und nahm den gewaltigen Zweihänder des Schergen und schlug auf ihn ein bis ein eisiger Frostzauber der Hexer ihn traf. Bei einem Räuber fanden die später gar seltsames, ein Drachenei. Der Priester des Normund beschloss vom Irrglauben getrieben das Ei kurzerhand an sich zu nehmen. Mit Hilfe einiger Elfen überwältigten wir den räuberischen Ketzer und fesselten ihn. Ihm Ei fand sich sich ein roter Stein, der den Artefakten ähnlich sah. Wieder im Wald wurden einige Erédier von den Unholden gefangen und in die Dämonenwelt verschleppt. Die Recken ergriffen die Flucht vor dem erschienenen Dämon. Angelockt von Irrlichtern fanden sie eine Elbenkönigin, die ihnen erklärte wofür so ein roter Kristall gut sei. Mit diesem könne man ein Dämonentor öffnen, nur mussten wir ihn bei einem Kobold spalten lassen. Am nächsten Tage trafen wir den wirren Kobold, der den Blutkristall spaltete und am eigenem Werken selbst zerbrach. Wir nahmen die Splitter des Kristall und befreiten unsere Gefährten. Und durch Dails mächtige Fügung schloss sich das Dämontor und auch der Dämin wurde darin eingesperrt. Die verstörten erédischen Landsleute verließen schnell das unheimliche Land Dere und verdrängten auf wundersame Weise ihre Erlebnisse.

Fascerich machte sich auf der Suche nach anderen Mysterien erneut auf die Reise in ferne Länder. Diesmal ging es in die Baronie Elimar im Königreich Falk. Fascerich schloss einer Erédischen Delegation unter Ludolf Harbeck, den er schon auf seiner Reise nach Dere kennengelernt hatte. Auch seine alten Bekannten, der Jagdmeister Wilbert von Falkenthal und Tyrion, waren in der Reisegruppe, die vom Erédischen Expeditionskorps unter Hermann Klauenbeil beschützt wurde. So konnte Fascerich auch in deren gesichertem Lager übernachten. In der Nähe des Lagers fand Fascerich eine Gruppe mysteriöser Turbanträger. Diese hatten sich mit Tyrion und dessen Himbeergeist in ein Zelt zurückgezogen, um über den in einer Flasche gehaltenen Geist herzufallen. Fascerich betrat auch das Zelt, dessen alisisch aussehender Besitzer Abei ihn freudig bediente. Schnell stellte sich heraus, dass dieser kein Diener der Aliesen-Götzen war, sondern allein die Göttin mit viele Arme verehrte. Die beiden verstanden sich schnell und der Schamane gab dem Südländer seine Trommel zur Hand. Abei hatte von seiner Großmutter die Kunst der Backwarenbeschwörung gelernt und zusammen beschworen sie die Makrone aus Feuer und Stahl. Sie erschien im Rauch der Doppelkirsche, sie erschien auch ohne Oblate, so süß wie Met und weiß wie Schnee. Und alle Welt wunderte sich über die Makrone und ihren hellen Schein. Am nächsten Morgen erwachten die Diener der Makrone.
Fascerich machte sich gleich ans Werk und sammelte allerlei Kraut um einen Altar für die Unsterblichen zu schmücken und so deren Ruhm zu mehren. So hielt Fascerich einen Gottesdienst im Lager der Erédier und der Mönch Varus rief neue Jünger von weit her zum Gebet, doch jene, die kamen, waren wohl keine wahren Gläubigen. So machte sich der Baron von Elimar auf der wohlgeformten Freilicht-Adelsloge breit ohne einen Heller in die Kollekte der Befreiungsfront des Herzogtums Friedrichstein zu werfen. Doch im Gottesdienst zeigte Vigar trotzdem den Reisenden seine Macht. Die Gläubigen erhoben ihre Schwerter und die Sonne strahlte sie plötzlich an, als hätte Vigar selbst so eben die Schlange ausgeweidet um Sondth sommerlichen Leib zu Tage zu bringen. Mancher Krieger des Expeditionskorps berichtete seine Waffe sei durch Vigars Wunder noch wirksamer gewesen. Und diese Waffen wurden auch gebraucht, denn in Elimar machte sich eine sonderbare Seuche breit, die einem jeden das Antlitz eines Draugen und das Geschick eines Anderporthers verlieh. Und jene Kranken fielen über wieder über die arme Menschenkinder her. Im Wald hingegen war nur ein wunderliches Tier und alte Steine zu finden. Fascerich konnte die Kreatur mit einigen Käfern anlocken und versuchte die Kreatur, die alle Zeitwesen nannten, zu zähmen. Alle versuche es zur Jagd abzurichten scheiterten trotz der Anrufung Sonianas kläglich. Doch die Zähmversuche sollten ein Ende finden, denn auch Fascerich erkrankte an der Seuche und Schwäche überkam ihn.
Die undankbare Gemeinde beschloss ihren Lieblingsschamanen einfach in einem Zelt bei dem Heiden einzusperren. Doch etwas später sollten die nur kurze Zeit im Glauben geschwächten Erédier sich wieder der Tollkühnheit des Schamanen bedienen. Ludolf Harbeck und seine Mannen hatten nämlich im Wald einen Barren entdeckt. In Neskerilischen Buchstaben standen darauf wirre Worte von elyptischen Mächten, die den Barren eindeutig als die von den Göttern verfluchte und eingeschmolzene Waffe des Artifex Aeris auswiesen. Böse Menschen gruben ihn wohl aus, machten ihn sichtbar, trugen ihn den weiten Weg nach Elimar um ihn dann für alle sichtbar auf den Waldboden zu legen, wobei dieser durch finstere Mächte Rechtgläubige vom Barren fernhielt. Als Fascerich von jenem astralen Ärgernis, an dem die Zukunft aller travischen Völker hing, hörte, humpelte der von Seuche geschwächte sofort in den Wald. Dort rief er Tiori an, der als Schutzgott aller Traven vor vielen Altern schon einmal jenen Barren entfernt hatte. Er und einige andere flehten ihn an, und dieser gewährte. Er forderte sie auf vom Ort des verfluchten Barren zu verschwinden und auch der Barren verschwand in den Tiefen von dem von Dail vorhergesagten Schicksal der mächtigen Waffe.
Immer noch wehleidig kehrte Fascerich zurück ins Lager. Erst unter Anrufung des drakmannisches Pantheons, der Makrone und Großflaschengeister konnten sich alle der ihnen durch uralte Geister auferlegte Krankheit entledigen. In der Nacht gab es Gefechte zwischen der Erédischen Soldateska und örtlichen, draugenhaften Gesindel. Im Kampf fielen der Mönch Varus, Truppmeister Victor Gustavsen und ein weiterer Soldat. Fascerich bereitete sofort ein uriges Ritual vor. Die drei Toten wurden aufgebahrt. Durch stundenlanges Anrufen Vigars, Tioris und Dails und durch die Hervorhebung der Taten der Gefallenen konnten schließlich die Unsterblichen überzeugt werden. Die Unsterblichen erbarmten sich ihrer gefallenen Diener und Dail hauchte ihnen ihr Leben wieder ein. Die am Ritual beteiligten spürten am eigenen Leibe die Anwesenheit Dails, der sie mit der Kälte der schicksalhaften Tiefen erfüllte. Von den zahlreich erlebten göttlichen Wundern im Lande Elimar tief beeindruckt, verließ Fascerich die Baronie Elimar, immer noch auf der Suche nach alten Mysterien und neuen Heilkräutern.

 

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