Falk Groterian
Geboren in einer kleinen Siedlung in den Wilden Landen weit im Süden in der Nähe
von Grünland. Als dritter Sohn von Ron und Maria Groterian ging ich im Alter von
dreizehn Jahren in die Lehre von Waldfried Eichenhain, einem Jäger. Er brachte
mir einiges über die Jagd und das Leben bei. Sein Lebensmotto war: "Lebe jeden
Tag, als ob es der letzte wäre, denn eines Tages ist er es!"
Mit zwanzig ging ich dann meine eigenen Wege und erkundete das Land. Ich merkte
sehr schnell, dass ich mich nur auf mich verlassen konnte und Orktrommeln meiden
sollte. Die Wilden Lande sind, wie der Name schon sagt, wild. Es herrscht das
Recht des Stärkeren und wer sich nicht beugt, wird zerbrechen. Na ja, eine
spitze Klinge im Dunkeln ist auch nicht zu verachten... So kam ich günstig an
ein wenig gebrauchtes Kettenhemd, welches ich kürzte und die Reste bei einem
Händler gegen einen Bogen tauschte.
Ich schlug mich weiter durch und gelangte nach Grünland, das von der forondorischen Armee besetzt wurde. Die mächtigen Legionen des Statthalters
Shuldra Arazul regierten mit eiserner Hand und sorgten für "Recht und Ordnung".
Die erste Bekanntschaft machte ich mit ihnen, als ich von der Jagd mitten in
eine kleine Siedlung kam, wo ein Kaufmann jährlich ein Schauspiel von harmlosen
Geistern anbot. Da es natürlich keine Geister gibt, wurde die Armee misstrauisch
und verhaftete so gleich ein paar Leute unter anderem auch den Kaufmann. Nach
einer schnell einberufenen Gerichtsverhandlung rollte ein paar Köpfe und die
Ordnung war wieder hergestellt. Mir wurde erzählt, dass diese Leute dafür
bestraft wurden, weil sie ein paar Skelette ins Wasser geworfen haben. Kann ich
verstehen, nur zu einfach ist die Entsorgung des Mülls in den nächsten Fluss -
und die machen so etwas bestimmt nicht wieder. Nichts desto trotz kehrte
ich daraufhin den Grünlanden den Rücken uns sah zu, dass ich Land gewann.
Meine Schritte lenkten mich gen Norden und nach Monaten, ich war gerade hinter
einem tobrischen Waldschwein her, platzte ich aus einem Busch mitten in eine
Gruppe Reisende. Sie staunten nicht schlecht, als ich fragte wo die Sau sei, die
ich jagte. Ich befürchtete fast, sie meinten einen Adeligen, auf den ich es
abgesehen haben hätte, zu mindest beschrieben das einige geflüsterte Worte. Ich
erklärte ihnen mein Jagdziel und zu allgemeinen Erleichterung lud man mich zum
Picknick ein.
Der dort verbrachte Nachmittag war recht musevoll, räkeln in der Sonne, ein
schöner Tag. Doch leider wurden vom Essen einige Ratten angelockt und zwar die
großen auch Scaven genannt. Zuerst nur ein paar Späher, aber nachher folgte ein
ganzes Heer. Ich beschloss am späteren Abend die Gesellschaft zu verlassen, da
mir erstens meine Haut lieber ist, als der Kopf der anderen und zweitens ich
eigentlich eine Sau jagen wollte.
So vergingen wieder Monate, die ich im Wald verbrachte, immer auf Suche nach...
Beute. Es folgte der Winter und der erste Schnee fiel. Meine Kleidung war
zerschlissen und ich fror immer mehr. Zu guter Letzt schien mich auch noch mein
Jagdglück verlassen zu haben, denn ich hatte schon seid Wochen kein Wild mehr
gesehen und Zehrte von meinen Reserven. Lass dich nicht unterkriegen sagte ich
mir immer wieder selbst und stolperte prompt über eine Wurzel, versteckt von
einer Schneewehe. Wütend trat ich zu und erkannte, es ist keine Wurzel, das ist
ein Arm. Da lag doch tatsächlich ein Toter, schön steifgefroren und gut
erhalten. Ebenso seine Kleidung. Es muss wohl ein Herr einer besseren
Jagdgesellschaft gewesen sein, den diese Sachen waren eher modisch als
praktisch. Aber warm, denn das war die Hauptsache, und drei Kupfer hatte er auch
noch in der Tasche. Am Tag vor der Jahreswende kam ich an einen Hof hoch im Norden und da der Sturm
heute besonders eisig war, beschloss ich zu klopfen und um Einlass zu bitten.
Die Leute waren sehr freundlich und gaben mir Essen und Trinken und einen warmen
Schlafplatz im Haus. Sie sagten, dass am morgigen Abend ein Fest geplant sei und
da viele Freunde kommen würden, sollte auch ich bleiben. Ein Fresser mehr am
Tisch fällt dann auch nicht mehr auf. Ich konnte einfach nicht unhöflich sein
und absagen, also blieb ich.
Es kam mal wieder wie es kommen musste, irgend ein Störenfried hatte Unruhe
gestiftet. Die Leute erzählten was, das ein Geist umgehe. So ein Blödsinn! Jeder
vernünftige Mensch weiß. Dass so ein Unfug wie Geister, Götter und Dämonen gar
nicht gibt. Und dann sah ich es! Eine durchscheinende lichte Gestalt eines
Kindes. Und es schrie nach seiner Puppe. Ein Alptraum! Ich denke, es war die
Pilzpfanne zum Abendessen, denn nicht nur ich sah dieses Ding, sondern die
anderen auch. Waren wohl einige dabei, die nicht ganz ungiftig waren. Ich sollte
keine Pilze mehr bei Leuten essen, die ich nicht kenne. Na ja, irgendwie haben
wir scheinbar den "Geist" zur Ruhe gebracht und von den Pilzen war auch nichts
mehr übrig.
Nach drei Tage hatte sich das Wetter wieder beruhigt und so zog ich weiter durch
die Lande. Der Frühling kam mit seinen Regenfällen und es erblühte neues Leben.
Die Bauern hatten viel zu tun und so konnte ich mir meinen Lebensunterhalt zur
Abwechslung mal mit ehrlicher Arbeit verdienen. Ich will mein Leben nicht
missen, so wie ich es derzeit führe. Den ganzen Tag, das ganze Jahr mit den
Händen im Dreck zu wühlen, mit den Füssen im Dung des Viehs zu stehen - nein
Danke! Da ist mir mein Leben derzeit angenehmer, es gibt zwar nicht jeden was zu
Essen, aber ich bin niemandes Eigentum. Des eignen Glückes Schmied, wie man so
schön sagt. Und der Sommer kam. Ich wandelte schon seit Tagen im angenehmen Land Erédia und sah auf einer
Lichtung Soldaten und eine kleine Gruppe von Zivilisten. Nein Falk, tu's nicht!
Aber die Neugier war größer. Ich ging raschen Fußes auf die Gruppe zu und
erkannte, dass es sich um eine Art Musterung ging. Anschauen kostet nichts,
hallte es mir entgegen, und ich trat näher. Es waren die üblichen Werber der
Armee, aber sie kamen mir eher wie in Eisen gekleidete Bauern vor. Feist und
behäbig waren sie und der Gedanke schoss mir durch den Kopf, da kannst du ein
gutes Leben haben. So wie die aussehen, gibt es keine wirkliche Gefahr für das
Land. Ich unterschrieb den Vertrag schneller, als ich "Ich muss weg!" sagen
konnte, der wirklichen Tragweite meines Handelns erst viel später bewusst.
Es folgte ein kleines Manöver mit Angriff und Verteidigung und meine ersten
Ansichten waren bestätigt, ich wiegte mich in Sicherheit.
Tags drauf zogen wir ab in Richtung Feldlager. Die weiteren Wochen gab es
Formaldienst und noch ein bisschen Räuber-und-Gendarm-spielen. Normalerweise
wäre ich schon längst wieder in den Wäldern verschwunden da der Wachdienst
gähnend langweilig war, aber es gab da etwas, dass mich hier bleiben ließ: 3
Mahlzeiten am Tag!!! Und davon eine warm. Und es gab regelmäßig Sold. Lass sie
doch an ihre dämlichen Götter glauben, es kam mir wie das Schlaraffenland vor.
Und ich blieb, mich immer noch in Sicherheit glaubend.
Der jähe Wechsel kam kurz nach der Jahreswende, als wir mit nach Friedeslar
reisten, um die hohen Herren zu eskortierten. Dort war ein großes Fest gegeben
und politische Gespräche für die Herren das Ziel. Es kam wie es kommen musste,
einer der Adeligen des Nachbarlandes warf den Löffel weg, als er ein vergiftetes
Dessert verschlang. Die politische Lage eskalierte und mir wurde jetzt so
einiges gewahr, was ich jenen Sommer falschgemacht hatte - oder vielleicht
nicht? Man wird sehen, ob es Krieg gibt...
Falk Groterian
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