Erric Gates
Erric Gates, ein Leben in Metzarum:
Geboren wurde ich am 21. des Bercolia im Jahre der Kunst in der alten erédischen
Stadt Metzarum. Mein Vater ist ein Handwerker, der im Ziegelwerk seines Bruders
nahe Metzarum schon sein ganzes Leben lang arbeitete. Er ist kein Mann der
Geschäfte oder des Verhandelns, sondern ein schaffender Charakter. Ihm ist es
lieber zu zusehen, dass die Arbeit läuft und die Lehrlinge und Gesellen nicht
faul, wie es die Katzen tun, am Hochofen sitzen und die Seele baumeln lassen.
Zwar hatte mein Vater beim Antritt des Erbes die etwas niedrigere Stellung im
Werk eingenommen, da sein Bruder die Leitung übernahm, doch war dies für ihn
nicht weiter schlimm, liefen doch die Geschäfte mit Ziegeln ausgezeichnet;
"Gebaut wird immer!", pflegte Opa stets zu sagen.
So hatte ich wohl eine etwas angenehmere Kindheit als so manch anderer Freund
meiner Kindertage. Da ich nicht wie der größte Teil des Jungvolks meines Alters
meinen Eltern zur Hand gehen musste, verbrachte ich die meiste Zeit hinter den
Stadtmauern von Metzarum. Ich entdeckte immer neuere Ecken und Winkel dieser
alten und grauen Stadt. Besonders angetan war ich vom alten Kloster- und
Akademieviertel von Metzarum. Dieser Teil der Stadt, welcher ein besonders
großer war, blieb mir nämlich verwehrt, denn die beiden Eingänge in das Viertel
wurden kontrolliert und nur bestimmte Personen durften die Wachen passieren. So
schlich ich Tag ein Tag aus um die Mauern des Klosters und suchte eine
Möglichkeit, um zu erfahren, wie es auf der anderen Seite wohl aussehen würde.
Ich war angetan von den Geschichten, die ich von meinen Freunden auf der Straße
hörte. Angeblich sollte es dort eine alte Magierschule geben, wo schreckliche
Rituale abgehalten werden und versucht wurde, finstere Mächte
heraufzubeschwören. Die Akademie und das alte Kloster waren in der ganzen Stadt
mit allerlei Gerüchten und Legenden belegt und jeder Mann hatte einen tief
sitzenden Respekt vor den hohen, dunklen Mauern.
Als die Zeit kam, dass mein
Privatmagister mir nichts mehr beibringen konnte, wollte mein Vater, dass ich im
Ziegelwerk arbeiten sollte. Er hatte nur widerwillig das Geld für den
Ilvapriester ausgegeben, der mich Jahre lang unterrichtet hatte. Nur meiner
Mutter hatte ich es zu verdanken, dass mir die große Ehre der Bildung zu teil
wurde. Vater konnte es damals nicht verstehen, wozu ich Wissen über Geschichte,
Mathematik, Natur und den Glauben brauchen sollte. Und auch als der Priester ihm
empfahl, mein Vater solle mich auf die Akademie schicken, lehnte er es ab. Ich
sollte seine Nachfolge im Ziegelwerk antreten, wobei dies völlig überflüssig
war, hatte ich doch einen kleinen Bruder und mein Onkel der gleichen zwei. So
kam es, dass er schließlich doch einwilligte und bereit war für die ersten Jahre
des Studiums an der Akademie zu Metzraum aufzukommen.
Ich konnte es gar nicht fassen, hatte ich doch noch nie jemanden kennen gelernt,
der von der Akademie aufgenommen wurde, und nun sollte ich an ihr studieren.
Als es dann so weit war, es war der 1. Premus im Jahr des Raben, war alles sehr
nüchtern. Ich hatte in dieser Zeit immer geglaubt, dass, wenn ich die Tore der
Akademie durchschritten hätte, sich mein Leben schlagartig verändern und ich von
finsteren Geheimnissen erfahren würde. Aber das war nicht der Fall.
Ich ging mit meinem kargen Besitz durch das Tor und wurde gleich von einem alten
Priester mit einem unfreundlichen, hochnäsigen Gesicht angeraunt, ich sei ein
nichtsnutziger Bauernlümmel und solle nicht dumm im Weg herum stehen. So landete
ich schon nach wenigen Augenblicken auf dem Boden der Tatsachen.
Und dann ging die Schinderei los. Bücher abstauben, aufräumen, putzen,
Unterrichte, lesen, schreiben, rechen, putzen, Botengänge, putzen, Bücher
kopieren und putzen. So vergingen die ersten Monate, ohne dass ich mir eine
wirkliche Perspektive schaffen konnte.
Doch vor einiger Zeit bekam ich Wind von einem
fremden Land, welches vor kurzem entdeckt wurde und nun auf seine Besiedlung
wartete. Ich hörte auch, dass unser König eine Delegation in dieses Land
schicken wolle, um eine erédische Botschaft zu errichten. Kurzer Hand beschloss
ich mit drei Freunden, dem Priester Tyrion des Maximus und Harmelions, dem
Jokulator Wulf und Wulfs Freund Tedolas, mich der Delegation anzuschließen. Ich
brauchte ein wenig Abstand zu den staubigen Gemäuern und den vielen Büchern.
Mein Magister gab mir die Erlaubnis und so reiste ich im Lunnasdal des Jahres
des Löwen schon bald ins Land Aelm Arthosia.
Dort erlernte ich als bald die Aelm-Arthosische Sprache zu übersetzen, was meine
Lehrmeister sehr erfreute; kannte man diese Sprache doch noch nicht in den
erédischen Landen.
Und damit machte ich zum ersten Mal auf mich aufmerksam.

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