Ansgar Amberg

 
Ansgar wuchs mit seinem Bruder Randolf in ärmlichen Verhältnissen auf dem Hof seiner Eltern auf. Die Ernte war beileibe nicht immer gut und jeder Heller wurde dreimal gedreht. Seine Mutter konnte mit ihren kleinen Näharbeiten zuweil etwas dazuverdienen aber lange nicht genug um vernünftig leben zu können. Randolf war der stärkere der beiden und musste dem Vater sehr viel Arbeit auf dem Hof abnehmen. Ansgar war eher ein Träumer und etwas zierlicher gebaut. Oft saß er einfach nur da und träumte von einem anderen Leben, was ihn bei seinem Vater oft in Misskredit brachte. Als er älter wurde bemühte er sich auch immer mehr den Wünschen senes Vaters zu entsprechen was ihm leider nicht immer gelang. So verbrachten sie die Jahre zusammen. Als Ansgar 11 war bekam seine Mutter noch ein Kind. Dem Vater war das nicht wirklich recht, da er an das neue hungrige Maul dachte, welches gefüttert werden wollte. Die nächsten Jahre waren wirklich schlecht, da die Ernte nicht das gewünschte Geld einbrachte. Erschwerend kam noch die Tochter hinzu, die immer mehr Geld aufgrund von Kleidung und Nahrung in Anspruch nahm. Die Familie kam langsam aber sicher an ihre Grenzen.

Am 16. Premus im Jahr der jubelnden Jungfrau kam ein größeres Fuhrwerk die Armathan-Handelsstrasse entlang gefahren. Nichts ungewöhnliches eigentlich. Doch als der Wagen den Hof der Ambergs schon ein paar hundert Doppelschritt hinter sich gelassen hatte, blieb er plötzlich stehen. Drei Männer in teuren Gewändern stiegen von dem Fuhrwerk. Sie sahen sich lange und gründlich um, gerade so als suchten sie irgendetwas. Nach einer ganzen Weile stiegen sie wieder auf und es sah aus als ob sie weiterfahren wollten. Doch sie machten kehrt und fuhren direkt zum Hof der Ambergs. Randolf holte sofort seinen Vater, der die Männer begrüßte und nach ihrem Anliegen fragte. Sie sagten, es ginge um etwas Geschäftliches und würden dies gern drinnen besprechen. Natürlich mussten Weib und Kinder solange draußen bleiben. Nach einer Weile kamen die Männer wieder herausgeschlendert und stiegen auf ihren Wagen und fuhren, ohne sich umzusehen, von dannen. Kurz darauf kam auch Rudolf Amberg aus dem Haus, seine Stirn schweißüberzogen und sein Blick voller Verzweifelung. Den ganzen Tag verlor niemand ein Wort darüber. Erst am Abend unterhielten sich Rudolf und seine Frau darüber.

Rudolf: Die Männer kamen aus Metzarum....aus der Akademie.
Irmgard: Das ist mir egal. Keinen Anstand hatten sie im Leibe. Sage mir nun, was wollten sie von uns. Wir haben doch nichts!
Rudolf: (schaut betrübt zu Boden) Unseren Sohn...sie wollten den Ansgar. (blickt nach einiger Zeit wieder auf)
Irmgard: Wie meinst du das Mann...sag schon. Soll er für sie arbeiten? Oder, hat er was angestellt und sie wollen mit ihm vor die Gerichtsbarkeit?
Rudolf: Nichts dergleichen. Sie sagten nur, er hätte ihr Interesse geweckt und sie wollten ihn mitnehmen. Sie boten mir eine sehr hohe Entschädigung an. Damit würde es uns erst einmal besser gehen. Wir sollten realistisch denken. Wir werden diesen Winter nicht alle überleben können, wenn wir nichts unternehmen.
Irmgard: Aber nicht meinen Sohne....nicht Ansgar!!! (Tränen füllen ihre Augen)
Rudolf: (sehr ernst) Ich habe es für unser aller Wohl getan. Sie holen ihn am 3. Drowos

So geschah es dann auch. Wenn Ansgard auch traurig über eine solche Entscheidung war, ließ er sich dies nicht
anmerken. Er freute sich schließlich auch ein wenig. Er würde zur Akademie von Metzarum gehen. Er, Sohn
eines Bauern! Er war gespannt was alles passieren würde. Am 3. Drowos zur frühen Mittagsstunde war es dann
soweit. Er fuhr mit der Kutsche Richtung Metzarum.....

Dunkelheit.....Schmerz......Übelkeit.......Schmerz.....Angst.....Schmerz........
Noch immer war er an eine Säule gekettet. Die Schmerzen an seinen Handgelenken waren unerträglich. Sie rührten von Fesseln, die er nicht sah. "Der Schmerz raubt mir die Sinne". Er weiß nicht, wie lange er schon hier unten gefangen ist. Es können Stunden, Tage aber auch Monate oder Jahre sein. Sie quälen ihn, aber töten ihn nicht. Sie wenden alle Formen von Gewalt an, die man sich vorstellen kann und Schlimmeres. Er weiß nicht warum sie das tun, aber er hat es auch aufgegeben danach zu fragen, da ihm sowieso nie jemand antwortete. Immer wenn es wieder losgeht, verkriecht sich sein Geist in die Tiefe seines Körpers. Dann lässt er alles über sich ergehen. Er schreit nicht mehr, er weint nicht mehr. Wenn er so in sich gekehrt ist, denkt er manchmal an zu Hause. An die Jahre bei seiner Familie. Und manchmal denkt er daran, wie alles gekommen ist.

Metzarum gefiel mir sofort als wir ankamen. Ich hatte noch nie so viele Menschen gesehen. Alles war größer als zu Hause. Als wir die Akademie erreichten war es schon spät am Abend, aber trotzdem sah alles wunderschön aus. Als man mich auf ein Zimmer brachte, in dem ich schlafen sollte, konnte ich gar nicht einschlafen, das Zimmer war ungefähr halb so groß wie unser Haus, in dem wir mit 5 Mann lebten, damals. Doch alles änderte sich ganz schnell. Schon am 2 Tag musste ich in eine Kammer umziehen, die gerade groß genug war, dass ein Bett reinpasste. Von da an musste ich den ganzen Tag arbeiten. Die Arbeit war nicht ganz so hart wie auf dem Hof meines Vaters, aber dafür war mein Tag hier länger. Ich bekam nur zu Essen, wenn ich arbeitete, war ich krank gab es nur Wasser und ab und zu etwas Brot. Nach einigen Monden begannen dann die Untersuchungen. Ich weiß nicht warum, aber ich wurde Tag und Nacht beobachtet und kontrolliert. Irgendwo stand immer jemand, der mich mit einer Feder und einem Blatt Papier in der Hand beobachtete. Ich hatte während der ganzen Zeit in der Akademie nur einen Freund, den alten Grodham. Er war der einzige, mit dem ich mich ab und zu unterhalten konnte. Er lehrte mir auch ein paar Dinge. Von ihm erlernte ich das Lesen und das Schreiben einfacher Worte und Sätze. So ging das eine lange Zeit, bis eines Tages... Ich denke nur an den dumpfen Schmerz, der sich in mir ausbreitete bevor ich zusammenbrach und in die Bewusstlosigkeit überging. Als ich aufwachte war ich gefesselt und wurde eine Treppe hinunter getragen. Ich sah den Menschen, der mich trug, nur einen kurzen Augenblick von vorne ehe man mich an eine Säule band. Er sah aus wie die Menschen, die ich in der Akademie gesehen hatte. Nur sein Gesicht kam mir nicht bekannt vor. Seit diesem Tag bin ich nun hier...und kein Ende in Sicht!!!

Doch irgendetwas war anders als sonst. Die Fesseln waren nicht so straff wie sonst immer. Sie taten auch nicht so weh wie sonst. Nach einiger Zeit kroch sein Geist langsam aus seinem Versteck hervor und er schlug langsam die Augen auf...gaaaanz langsam. Die Augen schmerzten, da er seine Augen immer schließen musste, wenn jemand den Raum betrat. Er wusste nicht warum das so war, er konnte es sich nicht erklären. Sein Verstand drohte wieder abzudriften, doch der Schmerz ließ nach und er öffnete die Augen ganz. Plötzlich kippte er nach vorne und fiel unsanft auf das Gesicht. Er hatte nicht damit gerechnet. Die Fesseln waren einfach fort. Er stand auf, was ihm sehr schwer fiel. Er sah einen langen Gang vor sich und begann abzuwägen, ob es klug war zu fliehen. Bisher dachte er, das sie unbesiegbar wären...doch dann hörte er hinter sich Stimmen. Er war voller Angst und Panik. Ohne überhaupt zu schauen, was denn da hinter ihm war, lief er los. Seine Muskeln ließen ihn seltsamerweise nicht im Stich dabei. Er rannte durch den Raum auf den Gang zu. Schneller....schneller....nicht umdrehen....schneller.......SCHWARZ!!!

 
 

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