Vom ersten Kaiser - zweiter Teil


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eister Ruprecht wurde nun der Gefolgsmann von Sinbaron, dem Steppenkönig. Treu, wie zuvor König Friedrich, diente er jetzt dem Riesen und bei ihm war nun auch Lodomer der Bastard. Bald schon stieg Ruprecht in der Gunst des Riesen und so gewann er Einfluss in jener wilden Horde. Eines Tages trat nun der Waffenmeister vor seinen König und sprach auf Lodomer den Bastard weisend, dies sei Lodomer, Bernhards Sohn, der Neffe meines ermordeten Herrn. Friedhelm der Ungeborene stünde, obgleich er vom gleichen Blute wie Lodomer, mit beiden in Fehde und es sei nun ihre Pflicht, die Könige zu rächen und nicht zuletzt Königin Friederike aus seinen Fängen zu befreien. König Sinbaron war nun aber wenig an der befleckten Ehre der Königin, der Schmach der unerfüllten Blutrache und der Treue zu seinem Waffenmeister gelegen, doch wie alle Riesen liebte er die Raubzüge und nicht zuletzt den schweren Wein und die süßen Pfirsiche für die Friedhelms Südreich berühmt gewesen war. Und so scharte Sinbaron alles Volk der Steppen um sich und hinter ihm ritten Riesen, Drakkmannen und anderes Volk gleichermaßen. Wie aber Friedhelm der Ungeborene von dem Vorhaben seiner Widersacher erfuhr, ließ er die Hörner schallen und sammelte sein Heer im Norden und dort trafen beide zur Schlacht zusammen. Es war ein langes Schlachten und furchtbar wüteten Riesen. Wie aber Friedhelm der Ungeborene König Sinbaron erschlagen hatte, ergaben sich die Riesen. Und bald schon kämpfte Meister Ruprecht, Lodomer den Bastard verteidigend, allein auf der Seite der Feinde, denn viele drakkmannische Stämme waren auf die Seite der Drakken gewechselt. Ruprecht konnte aber erst überwältig werden, als sein Schwert zerbrach, dann vielen sie über ihn her und zerschlugen seinen Leib in tausend Teile. Als bald nahm der König den nun gefesselten Bastard Lodomer mit sich und ging zu einer großen Eiche, die mitten in der baumlosen Steppe wuchs. Nun stand er da mit Axt und Geißel und hielt das Strafgericht. Als Blutopfer für Tiori, den er seinen Vater nannte, ließ er den Sohn seines Weibes aufhängen und mit ihm zahllose Knechte Sinbarons, bis die Äste des mächtigen Baumes barsten. Die übrigen Riesen machte er sich als Sklaven zu Eigen und die schönen Riesenweiber vermählte er in einer Massenhochzeit mit seinen Kriegern. Er selbst vermählte sich mit den drei Töchtern Sinbarons, die hießen Hochmut, Gier und Jähzorn. Das siegreiche Heer zog nun wieder nach Süden. Zurück ließen sie die Kinder der Riesen, die unentwegt ihrer Väter und Mütter wegen weinten, sodass mitten in der Steppe ein See aus Tränen entstand. Im diesem salzigen Tränensee sollen die Riesenkinder angeblich ertrunken sein und in der Mitten des Sees ruhte eine Insel aus Schädeln, auf der noch immer geborstene Galgenbaum stand.

Von den Riesen ließ Friedhelm der Ungeborene eine gewaltige Feste auf einer Kuppe errichten, die in späteren Tagen der Sitz der Kaiser wurde. Die Hünen türmten einen mächtigen Bergfried auf, von dem man weit ins Land blicken konnte. Auch bauten sie nach den Anweisungen Meister Iselberts einen Palast, der von einem weißen Turm gekrönt wurde. Die Kuppe nun wurde mit einer Mauer umringt, die hatte vier hohe Türme. Darunter lag die Stadt des Kaisers und sie war ebenfalls umringt. Der äußere Zwinger hatte sieben Tore und bei jedem Tor standen zwei Türme. Sechs Tore hatten eiserne Beschläge und eines war mit vergoldeten Nägel und Zierrat beschlagen. Durch jenes goldene Tor zog der König im Triumph mit seinem von weißen Kamelen gezogenen Prunkwagen ein. Auf diesem Wagen stand Friedhelm der Ungeborene im Purpur und doch bahrhäuptig, denn hinter ihm hielten Sklaven die zahllosen Kronen in die Höhe. Friedhelm bewohnte den inneren Zwinger und seine vier Gemahlinnen bewohnten die vier Türme. Friedhelm und Friederike hatten nur einen verwachsenen Sohn, Friedhelm den Buckligen. Die schöne Riesin Gier gebar ihm zwei frohwüchsige Söhne, die nannte er nach den Königen Iselmar und Lodomer. Mit der Riesin Jähzorn zeugte Friedhelm einen Sohn namens Sinbaron. Die Riesin Hochmut gebar ihm keine Kinder, obgleich sie nicht unfruchtbar war. Der älteste unter den Söhnen war Friedhelm der Bucklige. Ihm folgte im Alter Iselmar der Riese und Sinbaron. Lodomer das Kind war der jüngste von ihnen und er sollte das Mannesalter nie erreichen.

Als Friedhelm der Ungeborene schon ein Greis geworden war, saß er mit Iselbert Ilvasmut an der langen Tafel. Der König frug den Hofmeister, ob denn nun alle Riesen erschlagen seien. Iselbert antworte, dass deren ätherische Seelen wohl in Dails Hallen eingezogenen seien, doch ihr Leib aus Staub und Wasser, ihr Feuer und ihr Atem seien vergangen. Nun frug der König nach den Riesenkindern. Der Meister sprach, diese seien nicht durch Strick und Schwert gestorben, sondern vergangen am eigenen Leid und ertrunken in den eigenen Tränen. Doch nicht in Dails Hallen seien sie gezogen, sondern lebten nun als ruhelose Klabautermänner im Tränensee, den sie noch immer mit ihren Tränen speisten. Da erschrak der alte König und meinte sie würden nun schon so groß seien wie seine Söhne und bald gegen ihn ziehen, um ihre Ahnen zu rächen, wie einst Lodomer der Bastard. Am Morgen darauf war der König verschwunden; es heißt er habe seinen Prunkwagen bestiegen und in üblicher Triumphpose mit allen Kronen und den weißen Kamelen in den Tränensee gezogen. Als bald brach Tumult im inneren Zwinger aus. Friedhelm der Bucklige wurde auf Betreiben Königin Friederikes zum König ausgerufen, denn sie fürchtete die Riesensöhne. Nun warfen aber die Riesensöhne im Zorn jenes belebte Klümpchen Elend, welches ihr Halbbruder war, aus dem Fenster, woraufhin auch Königin Friederike den Schierlingsbecher leerte, denn nun waren alle ihren Blutes in Dails Hallen eingezogen. Als bald begannen sich die drei verbliebenen Söhne zu streiten, doch da sprach der alte Hofmeister Iselbert Ilvasmut, sie sollten doch nicht um die Kronen streiten, wo sie sie doch nicht vor sich hätten, denn Friedhelm der Ungeborene hatte sie ja mit sich genommen. Nun zogen die drei Königssöhne mit samt dem Hofstaat nach Norden zum Tränensee. Dortt angekommen, bauten sie sogleich ein Schiff und fuhren dorthin, wo sie die tiefste Stelle des Salzsees vermuteten. Nun sprach Iselmar der Riese, der Sohn der Gier, er wolle hinabtauchen und die Kronen heraufholen. Er tauchte hinab und erst stunden später tauchte sein Leichnam an der Oberfläche auf. In Iselmars Rücken steckte die Prunktaxt des Königs und um seinen Hals war die Geißel gebunden. Nun sprach Iselbert Ilvasmut, ihr Vater sei nicht irgendein ein irdischer König, sondern ein Spross Tioris, der ewige König der Welt und Führer aller Drakkmannen, und tief im Tränensee verteidige seine Seele vom reinsten Äther die Kronen. Nun zogen sie den Leichnam Iselmars des Riesen an Bord und fuhren zur Schädelinsel, denn dort wollten sie ihn beisetzen, wo die Gebeine der Riesen ruhten. Als sie ihn vergruben hatten, bestieg Lodomer das Kind die geborstene Eiche und schnitt einige junge Triebe, daraus flocht er einen Kranz und legte ihn auf das Grab seines Bruders und sprach, hier wäre der Thronerbe gestorben. Im Jähzorn nun erschlug Sinbaron den jungen Lodomer und hängte den dennoch riesenhaften Leib an der Eiche auf, wie es Jahre zuvor Friedhelm der Ungeborene mit Lodomer den Bastard getan hatte.

Nun überkam dem kahlköpfigen Iselbert der Schauder und das Wundern. Er hob den Eichenkranz vom Grabe Iselmars und krönte Sinbaron mit eben diesem. Diese Krone sei nicht von Gold und Edelsteinen, sie sei mit Äther erfüllt, vom Geiste Friedhelms des Ungeborenen. Nun da Lodomer wieder am Galgen hänge, sei der Spross Tioris aus der Tiefe hervorgekommen. Hier stünde kein König, sondern der König der Könige, der himmlische Tiori, der Fürst aller Drakkmannen, Sinbaron der Kaiser. Mit einem Male erhob sich nun aber eine Stimme in den Fluten und eine Gestalt aus Nebel erschien. Es war der Geist des alten Waffenmeisters Ruprecht, der ebenfalls auf der Walstatt am Grunde des Tränensees sein Leben gelassen hatte. Er sprach voll Zorn, sodass Iselbert Ilvasmut und Sinbaron der Kaiser erschraken. Dieser Mord dürfe nicht ungesühnt bleiben, das Blut des Kindes klebe an den Händen des Kaisers. Sein Blut solle über Friedhelm den Ungeborenen, Sinbaron den Kaiser und ihr ganzes Geschlecht kommen, wenn nicht jetzt, dann doch nach tausend Jahren. Wie Friedhelm der Ungeborene dereinst Ludowig erschlagen und Lodomer erhängt hatte, die er, Ruprecht, Kinder statt aufgezogen hatte, so will auch er die Abkömmlinge des Ungeborenen heimsuchen. Die siebentorige Stadt solle dann geschliffen werden und Unheilige mögen das Land verwüsten, denn die Kinder Friedhelms seien ebenfalls Abkömmlinge der Riesen und Menschenfresser. Untreue werde aufkommen im Reiche seiner Kindeskinder und Männer seines, also Ruprechts, Standes müssten Werkzeuge seiner Rache werden. „Über euch soll mein Fluch und meine Rache kommen, selbst das goldene Tor soll von Rost überzogen werden, denn das rote Tor weißt auf das vergossene Blut und auf jenes, das noch hinter diesem zu vergießen ist!“ Angsterfüllt von diesem Fluche bestiegen Kaiser und Hofmeister das Boot und eilten zur siebentorigen Stadt, um die Kür des neuen Kaisers aufzuzeigen. Dort fuhr Lodomer in einem von weißen Kamelen gezogenen Wagen durch das goldene Tor, hinter ihm stand Iselbert Ilvasmut und hielt den Eichenkranz über das kaiserliche Haupt, während das Volk ihn mit Jubel in Empfang nahm, denn es hatte den Beginn eines goldenen Zeitalters erlebt, dass benahe tausend Jahre andauern sollte.



 

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