Der drakkmannische Klerus


Kapitel 8: Gaukler, Bettelmönche und Eremiten

Neben dem mehr oder minder etablierten Klerus gibt es noch eine Vielzahl anderer „Geistlicher“, denen jedoch ein zweifelhafter Ruf folgt. Die meisten dieser meist selbsternannten Kleriker entstammen dem fahrenden Volk. Nicht selten finden sich zwischen Spielleuten und Streunern auch einige Wahrsager und Wunderheiler. Diese sind beim einfachen Volk sehr beliebt, doch dem althergebrachten Klerus sind sie ein Dorn im Auge. Nicht selten handelt es sich nämlich um Scharlatane, die sich am Leid anderer eine goldene Nase verdienen möchten. Überhaupt scheint ihr Handeln und Wirken nur eine Art Gaukelei zu sein, wie man sie auch Feuerspuckern und Taschenspielern kennt. Sollten sich aber wider Erwarten unter diesen dahergelaufenen, meist sogar vogelfreiem Volk tatsächlich auch nur eine Hand voll Ehrenmänner finden, die tatsächlich von den unsterblichen Göttern erwählt wurden, so würde freilich kein Priester oder ordinierter Mönch zögern, ihnen die Hand zu reichen, um sie als ihnen ebenbürtig anzuerkennen.

Die Bettelmönche gehören ebenfalls zum fahrenden Volk, doch sie entstammen ursprünglich dem sesshaften Stand und sind daher im Grunde ehrliche Menschen. Zu aller meist sind sie voller Eifer für die Götter und wandern umher um ihre Botschaft zu verkünden. Häufig stammen sie aus einfachem oder sogar unfreiem Hause, weshalb ihnen meist jegliche Bildung fehlt. Einschneidende Erlebnisse galten ihnen als Anlass ihr Leben sich von nun an voll und ganz den Göttern zu widmen. Nicht selten entflohen sie sogar ihren Lehnsherren in die freien Städte, wo sie sich ungehindert voll und ganz der Predigt widmen können. Beim Volk sind sie ihrer einfachen, klaren Sprache wegen recht beliebt und es gilt gemeinhin als gute Tat ihnen ein paar Heller oder einen Laib Brot zu spenden. Oft sammeln sie auch Almosen, die sie später Witwen und Waisen übergeben. Die Bettelmönche selbst sind meist von größerer Genügsamkeit und Bescheidenheit als die ordentlich ordinierten Brüder, doch trotzdem rümpfen Priester und Ordensmönche über die völlig ungebildeten Bettelmönche nur die Nase.

Auch gibt es nicht wenige Eremiten im Lande. Sie lassen sich meist fernab der Siedlungen in der Wildnis nieder um sich der Askese und Meditation zu widmen. Nicht selten handelt es sich bei ihnen um hoch gebildete, ehemalige Vaganten, die den Zwängen des Klosterlebens oder eines Tempels entflohen sind. Häufig neigen sie zur Prophetie oder bezeichnen sich selbst gar als Medium zwischen Göttern und Menschen. In ihrer Abgeschiedenheit entwickeln sie oft ganz eigene theologische und philosophische Ansichten, die außer ihnen aber meist niemand versteht. Beim einfachen Volk genießen sie keine hohe Achtung und werden häufig für verrückt erklärt. Gern besuchen fahrende Scholasten die Eremiten und haben an ihrer Lehre teil. Zum Leben benötigen die Eremiten wenig, das meiste suchen sie sich in Wald und Flur zusammen, wobei sie nicht selten mit der Obrigkeit in Konflikt geraten. Die oberen Priester und Äbte kümmern sich wenig um sie, denn ihre merkwürdigen Ideen sind meist schon kurz nach deren Tod vollkommen vergessen. Doch man sollte nicht vergessen, dass auch der große Orden der dreimalgroßen Ilva einst aus den Ideen eines Vaganten und Eigenbrödlers namens Karolus Erthra hervorging.
 

 

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