Der drakkmannische Klerus
Kapitel 5:
Die Schwertbruderschaft Tioris
Die Schwertbruderschaft Tioris wurde nach Wirren des Pfaffenkrieges in
Hohenhewen gegründet. Als Anlass hierfür sah man die zahlreichen versuchten und
zum Teil durchgeführten Plünderungen von Tempeln und Klöstern durch beide
Parteien. Zum einen beabsichtigten die Ordensgründer die heiligen Stätten durch
bewaffnete Abordnungen zu schützen, zum anderen wollten sie auch einen Ausgleich
zwischen den Klöstern und der Priesterschaft erreichen. So spielten sie
praktisch der Politik König Iandals II. in die Hände. Ihre Nähe zum Königshaus
war ohnehin nicht zu verheimlichen, denn auch der erste Hochmeister des Ordens
entstammte dem Geschlecht der Weidelsberger. Hochmeister Roland Graf von
Weidelsberg war ein Sohn Iandals II. und somit auch der Bruder König Roalds.
Unter Roland wurden auch die Ordensregeln aufgestellt. Vor allem griff er, auf
die Ordensregeln von Stephanus dem Gescheiten zurück. Wie in allen übrigen Orden
gelten die Gebote der Ehelosigkeit, der Mäßigung und der Tüchtigkeit. Im
Gegensatz zum Orden der dreimalgroßen Ilva ist dieser jedoch eine
Schwertbruderschaft, und daher führen sie im Gegensatz zu den gemeinen Mönchen
Schwert und Schild. Trotzdem leiten Teile des Ordens auch Kulte im Tempel.
Beides widerspricht gewissermaßen den Gesetzen Iandals II., doch die Hochmeister
verweisen Zweifler stets auch die Entstehungsgeschichte des Ordens. Neben den
edelmütigen Rittern um Roland von Weidelsberg beteiligten sich auch die Priester
Tioris zu Hohenhewen an der Ordensgründung, sprich die Tempeldienste verblieben
in den Händen der traditionellen Eigner. Die eigentliche Kriegsführung ist dem
Orden jedoch nicht erlaubt. Aufgabe der Schwertbrüder ist allein die Sicherung
der Tempel und nicht der Dienst im erédischen Heer, wie ihn Abt Stephanus der
Stählerne zum Leidwesen seiner Zeitgenossen betrieb.
Das unangefochtene Oberhaupt der Schwertbruderschaft ist der Hochmeister, der
traditionell dem Haus Weidelsberg entstammt. Sein Sitz ist das Ordenshaus in
Hohenhewen. Der Hochmeister wird durch die Landmeister des Ordens gewählt. Jedes
Ordenshaus wird durch einen Landmeister geleitet, der von den Schwertbrüdern des
Ortes bestimmt wird. Der Vertreter des Landmeisters ist dessen eingesetzter
Vikar. Die gemeinen Ordensmänner nennt man Schwertbrüder oder Priesterbrüder.
Angehörige des Ordens, die das Gelübde noch nicht abgelegt haben, werden Novizen
genannt.
Die bedeutendste und größte Niederlassung befindet sich in Hohenhewen. Hier
befindet sich nicht nur der Sitz des Hochmeisters sondern auch der schönste und
prächtigste Tempel Tioris, denn jeder Erédier einmal in seinem Leben gesehen
haben sollte. Die Kulte des Tempels leitet der Orden selbst mit den Rechten der
Priesterschaft. Direkt neben dem Tempel ist befindet sich das Kloster der
Priester- und Schwertbrüder.
Der größte Tiori-Tempel im Königreich Erédia befindet sich in Carveningen. Hier
wird auch das berühmte Schwert des Carvenius Konradin, des kaiserlichen
Heermeisters und Eroberers Erédias, aufbewahrt. In den bernsteinernen Knauf der
Reliquie ist ein Nagel vom Huf Njoredeens eingearbeitet. Die Schwertbrüder
unterhalten vor dem Tempel eine Wache, da einst auch die Herzöge von Garvensburg
die wertvolle Reliquie beanspruchten und sich in den wirren Jahren vor dem
Ausbruch des Pfaffenkrieges sogar des Schwertes bemächtigt hatten. Die Kulte im
Tempel leitet jedoch die traditionelle Priesterschaft und gelegentlich benutzt
auch der Herzog von Garvensburg den Tempel zur eigenen Huld. Die Schwertbrüder
und ihr Landmeister sind in einem Ordenhaus in Carveningen untergebracht.
In Mittelgoth befindet sich ebenfalls ein Ordenshaus der Schwertbrüder und
darinnen der Sitz eines Landmeisters. Auch hier unterhält der Orden eine Wache
vor dem Tiori-Tempel des Ortes, während der Tempeldienst selbst von nicht
ordinierten Priestern geleitet wird. Die Schwertbrüder wurden auf Wunsch des
Hauses Hellensberg hier angesiedelt und mit dem Schutz sämtlicher hellensberger
Tempel und insbesondere des Klosters von Rieda beauftragt. Zum eigenen
Nießbrauch erhielt der Orden von der Herzogsfamilie einige Morgen Ackerland, die
neben zahlreichen Spenden und Opfern die Schwertbrüder ernähren. Die Felder
werden jedoch nicht von den Ordensbrüdern sondern von Tagelöhnern
bewirtschaftet. Manche munkeln, dass Haus Hellensberg habe all dies dem Orden
nicht der Sicherheit wegen gestiftet, sondern versuche lediglich in der vom
Königshaus dominierten Bruderschaft Einfluss zu erlangen.
Vor gar nicht all zu langer Zeit wurde auch in Fridislar ein Ordenshaus
errichtet. Zwar gibt es in Fridislar keine bedeutenden Tempel Tioris und
freilich gab es dort auch keinerlei dem erédischen Pfaffenkrieg auch nur im
Ansatz vergleichbare Zwischenfälle, doch die Bruderschaft nutzt die
Brückenkopflage Fridislars, um von hier aus Kontakte zu Klerikern der ganzen
drakkmannischen Welt zu pflegen. Wie der Hochmeister in Hohenhewen seinen
Einfluss am nahen Königshof nutzt, schickt der Landmeister von Fridislar Boten
in ferne Länder, denn der Großherzog von Lawegon verweigert den Schwertbrüdern
Erédias die Überquerung der Grenzen. Der Senat hingegen sieht in der
Schwertbruderschaft den langen Arm des erédischen Königs, doch ihm fehlen
rechtlich Mittel und Wege, um den Schwertbrüdern Einhalt zu gebieten.
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