Der drakkmannische Klerus


Kapitel 3: Die Orden

Es gibt zahlreiche Unterschiede zwischen Mönchen und Priestern. Der Mönch widmet sich im Gegensatz zum Priester nicht unbedingt der Leitung der öffentlichen Kulte. Vielmehr hat sich der Mönch der Arbeit und der persönlichen Frömmigkeit verschrieben. Im Gegensatz zu den Priestern betreibt er eine strenge Askese und verzichtet etwa auf prunkvolles Ornat. Die Klöster versorgen sich zum größten Teil selbst und sind nicht so sehr auf Spenden und Opfergaben angewiesen, was wohl auch in ihrer Bereitschaft zum Verzicht begründet ist. Im Gegensatz zu den Priestern, in denen jeder Tempel für sich ein Ganzes bildet, sind die Mönche in größeren Orden organisiert, die oft in mehreren Orten Klöster unterhalten.

In alter Zeit gab es weder Mönche noch Klöster. Die Geschichte der Orden in Erédia ist vergleichsweise jung. Sie beginnt im großen Interregnum in der Akademie für Gelehrte zu Metzarum. Dort begründete der Philosoph Karolus Erthra seine Lehren, in denen er urtravische Mystik und drakkmannische Wissenschaft miteinander verband. Kern seiner Lehre war, dass man durch die Askese, den Verzicht auf liederliche Taten und Gedanken den Geist befreien könne, sodass dieser in das Reich der Ideen und Formen einblicken könne, wodurch letztlich auch die Seele selbst, also die Quintessenz des Menschen, in höhere, ja unsterbliche Sphären vordringen könne, was wohl nicht nur den Lob der Unsterblichen mit sich bringen würde, sondern auch der alleinige Weg der Gerechten sei. Mit der Idee vom Primat der Quintessenz sammelte Karolus Erthra zahlreiche Magister, Doktoren und Scholasten um sich, die nach dem Tod des Genius den Orden der Ilva gründeten. Bald darauf wurde dort das erste Kloster errichtet und Stephanus der Gescheite wurde ihr erster Abt. Stephanus war es auch der die Ordensregeln aufstellte, nach denen sich bis auf den heutigen Tag die Mönche richten. Zu den Pflichten eines Mönches zählen frühzeitige und zahlreiche Gebetsstunden, Selbstkasteiungen, Leseübungen, Arbeitsstunden, das Tragen von einfachen Kutten, die Ehelosigkeit, die Mäßigung in Speis und Trank und der gleichen. Ferner wurde hier der Grundstein für die innere Ordnung der Klöster gelegt. Vorsteher eines Klosters, auch Monasterium oder Abtei genannt, ist der Abt, der von den Mönchen gewählt wird. Der Abt ist auch für die klösterliche Rechtssprechung verantwortlich. Neue Mitglieder der Klostergemeinschaft, die noch kein Gelübde abgelegt haben, werden Novizen genannt.

Nicht in allen Teilen Erédias gibt es Mönche und Klöster. Überhaupt breitete sich das Mönchtum nur langsam in Erédia aus. In eigenen Gegenden sind Mönche sogar recht unbeliebt. Vor allem in Wattenberg, Forkenburg und Tegelingen wird ihnen häufig Hexerei, Kriegstreiberei, Alisiertum, Hochverrat und schlimmeres unterstellt. Die Gründe hierfür liegen vor allem im Pfaffenkrieg. In Hellensberg, Weidelsberg und Garvensburg haben die Orden besonders gut Fuß gefasst. Den Traven ist das Mönchtum vollkommen unbekannt und bei den Tegelingern ist es sogar unerwünscht.

 

 

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