Die Götter Erédias

 
Die "großen" Götter, wie sie durch das drakkmannische Pantheon bekannt sind, sind hier noch mal im einzelnen genannt:

Tiori

Tiori ist der Hauptgott und wird daher nahezu überall verehrt. Er ist der Gott des Himmels und damit Herr über die Götter, über Donner, Blitz, Sturm und Regen. Er selbst reitet auf einem gewaltigen Hengst, Njoradeen genannt, durch den Himmel. Seine Hufschläge hören wir als Donner auf der Erde und seine Hufeisen sprühen Funken, die uns als Blitze erscheinen. Der Dampf aus seinen Nüstern wird zu Regenwolken. Tiori hält in seiner Hand einen Speer und trägt einen langen, schwarzen Mantel, was der Grund dafür ist, daß eine Schlechtwetterfront oft als Tioris Mantel bezeichnet wird. 

Ilva

Ilva, die Göttin des Wissens, der Heilkunde und der Weisheit, war anfangs eher eine unbedeutende Gottheit und wird auch heutzutage relativ wenig verehrt. Man opfert ihr meist nur, wen jemand erkrankt oder wenn man sehr ratlos ist. Nur für die Gelehrten, Druiden und Magier war Ilva schon immer die wichtigste Gottheit. An ihre Tempel schließt sich oft ein Spital oder eine Bibliothek an.
Ilva ist mit ihrem Bruder Tiori verheiratet und Mutter von Grold, Silto, Kianna, Ehrtra und Soniana.

Dail

Der Bruder von Tiori und Ilva ist Dail. Früher war er als Gott des Winters bekannt, bis sich der, wahrscheinlich von den Zwergen übernommene, Grold immer mehr durchsetzte. Dadurch verlor der Dailkult stark an Bedeutung und heutzutage verehrt man ihn, bis auf einige Travenstämme, nur noch als Herr des Totenreichs und als Gott des Schicksals, weshalb er besonders bei Hellsehern und Wahrsagerinnen verehrt wird. Bekannt ist auch das Dailorakel im Walde von Limandor, bei dem schon viele Könige Rat suchten.

Grold

Eine Gottheit, die man wohl von den Zwergen übernommen hat, ist Grold, der Berggott. Er ist auch verantwortlich für Schnee und Eis und den Winter. Besonders angesehen ist er bei den Bergmännern, die ihn jeden Tag vor der Arbeit um seine Gnade bitten. Ansonsten wird er auch bei Kaufleuten oft angerufen, wenn diese mit ihren Handelszügen wohlbehalten über eine Paßstraße reisen wollen. Am kürzesten Tag des Jahres, zur Wintersonnenwende, wird ihm zu Ehren ein großes Fest gefeiert, wobei auch viele Opfer dargebracht werden, damit der Winter nicht zu streng wird. 
Grold ist mit Soniana vermählt, ihre Kinder sind Milux und Aedari.

Soniana 

Soniana ist die Göttin der Tiere und Pflanzen, des Waldes und der Jagd und deshalb wohl eine der ältesten Gottheiten der Menschen. In vielen Höhlen findet man uralte, an die Wand gemalte Zeichnungen von Jagdwild und auch die älteste Darstellung eines Menschen, einer Jägerin mit Jagdspieß, die von den Priestern als Sonianabildnis interpretiert wird. 
Bei den Traven ist Soniana neben Tiori die wohl meistverehrte Gottheit, in "zivilisierteren" Landstrichen ist ihre Bedeutung stark zurückgegangen.

Silto

Silto hat durch Grold ebenfalls etwas an Bedeutung eingebüßt, denn er war früher der Gott der Berge. Inzwischen beschränkt sich seine Macht nur noch auf diejenigen Berge, die es vermögen, Feuer zu spucken. Somit ist er auch der Gott des Feuers und deshalb besonders in kalten Tagen sehr verehrt. Er ist auch der Gott der Schmiede und aller übrigen, die vom Handwerk leben. In Darstellungen erscheint er meist als muskulöser Riese mit feuerroten Haaren. In der Hand trägt er einen gewaltigen Hammer, Zeichen für Schmiedekunst und Handwerk. 
Tiori gab ihm seine Schwester Kianna als Gemahlin, mit der er zwei Kinder hat: Leann und Sondth.

Kianna

Ebenfalls als Feuergottheit verehrt wird Siltos Frau und Schwester Kianna, allerdings beschränkt sich ihre Funktion auf das heimische Herdfeuer. Daher ist ihr Aufgabenbereich alles, was mit Haus und Familie zu tun hat: Wer weit in der Ferne ist, wird sie bitten, daß er sein Heim bald wiedersieht, und Hochzeitszeremonien werden meist von Kiannapriestern durchgeführt. Von den Speisen opfert man ihr oft einen Teil, indem man etwas davon ins Herdfeuer wirft.

Ehrtra

Zusammen mit Sondth, ihrem Gatten, ist Ehrtra die wohl wichtigste Göttin der Landbevölkerung, hängt doch von ihrer Gunst das Wohlergehen der Bauern ab. Aber ihre Macht beschränkt sich nicht nur auf die Fruchtbarkeit der Pflanzen, sondern auch die der Menschen, weswegen sie in vielen Gegenden auch als Göttin der Liebe verehrt wird und Tricia eher nur als Göttin der Schönheit. Viele Kaiser und Könige, die auf einen Nachfolger hofften, ließen ihr riesige, prächtige Tempelanlagen weihen. Von Berfried, einem travischen König, erzählt de Legende sogar, daß er eine ganze Rinderherde, die Vorräte zweier Scheuern und zehn seiner besten Pferde ins Moor treiben ließ, um sie der Göttin zu opfern, damit sie ihm und seiner Frau endlich den lang ersehnten Sohn schenkte. Doch die Königin, schon alt und grau, gebar eine Tochter und starb im Kindbett. Dem greisen König blieb nun nichts anderes übrig, als das Mädchen zu seinem Thronfolger zu erklären. 
Im Frühling zur Tagundnachtgleiche wird ihr zu Ehren ein großes Fest gefeiert, bei dem Eier, ein Zeichen für Fruchtbarkeit, eine große Rolle spielen.

Milux (Dyonn)

Milux oder Dyonn, wie er im Norden auch oft genannt wird, der auf alten Darstellungen oft als Fuchs abgebildet wird, wird besonders in Kaufmannsstädten wie Fridislar oder Hohenhewen verehrt und überall sonst, wo es um Handel und Geldgeschäfte geht. Aber auch viele Reisende tragen ein Fuchsamulett mit sich herum, um den rechten Weg nicht zu verlieren. Gegen Räuberüberfälle wird es aber nicht viel wirken, denn das lichtscheue Gesindel hat sich Milux ebenfalls als "ihre" Gottheit auserkoren, wohl aufgrund seiner Funktion als Gott des Fadenscheins (die ursprüngliche Bedeutung dieses alterédischen Wortes kennt wohl heute niemand mehr).

Aedari

Eine Gottheit, die im Norden so gut wie unbekannt ist, ist ihr Ursprung doch wohl im längst vergessenen Flußgott Antharaí oder Andras, der in vielen alten Schriften genannt wird. Ursprünglich nur verehrt von den Bewohnern des Andertales, ersetzte er bald als universeller Fluß- und Wassergott die verschiedenen Quellgottheiten der Stämme und Sippen, wie sie heute nur noch bei den Traven üblich sind. Diese kennen sogar teilweise noch einen Meeresgott, dessen Name auf alttravisch etwa Njylagodr gelautet haben mag, der heutzutage aber keinerlei Bedeutung mehr hat.

Leann

Bei den Traven wird Leann noch immer als Gemahlin Tioris und Göttermutter verehrt, was wohl ihre ursprüngliche Bedeutung gewesen ist. Sie ist bei ihnen auch die Verkörperung der Güte und nicht selten beschwichtigt sie Tioris Zorn. Diese Eigenschaft ist sicherlich der Ursprung für ihre heutige Bedeutung als Göttin der Gerechtigkeit. In keiner Gerichtslaube Erédias fehlt das Bildnis Leanns, dargestellt mit Gesetztafel und Schwert. Vor jedem Urteil bittet der Richter sie, ihn die richtige Entscheidung fällen zu lassen. Im drakkmannischen Pantheon ist sie mit Aedari vermählt und Mutter von Lunnas, Fionn und Erinn.

Sondth

Zur Tagundnachtgleiche im Herbst feiert man Sondth zu Ehren ein großes Fest, bei dem eine ungeheure Menge Feldfrüchte und Wein sowohl geopfert als auch vertilgt wird, denn Sondth ist der Gott der Ernte und des Weines und damit natürlich auch der Gott des Zechens und der Gelage. Kein Wunder also, wenn er auf Abbildungen mit Weinkrug, Obstschale und einem Ährenkranz, manchmal auch auf einem Diwan oder einem Faß liegend, dargestellt wird. Er und seine Gattin Ehrtra werden von den Bauern als Götterpaar der Felder bezeichnet (Fruchtbarkeit und Ernte), ihre Kinder sind Vigar, Solwinn und Tricia.

Lunnas, Fionn, Erinn

Lunnas ist die Göttin der Sonne, des Tages und des Sommers, ihr Fest wird am Tag der Sommersonnenwende gefeiert. Fionn ist die Mondgöttin, die Göttin der Nacht und der Sterne und Erinn die Göttin der Erde und in manchen Gegenden auch die Göttin des Ackerbaus. Ihr Kult ist der wohl weitverbreitetste neben Tiori- und Vigarkult. 
Eine alte, bekannte Sage berichtet vom Ursprung der Gestirne: 
"Eines Tages wollte Leann ihren Töchtern neue Kleider machen. Sie bat Milux, ihr doch ausreichend Stoff zu bringen, aber nur vom feinsten. Milux ging also hin und fand bei einem Weber einen feinen Stoff, der ihm gut genug für die drei Mädchen erschien. Er war ganz hell und golden und so brachte er Leann alles, was der Weber davon hatte. Leann mußte den Blick abwenden, denn der Stoff glänzte so schön, daß er ihren Augen wehtat. Sie dankte Milux und begann gleich mit der Arbeit. Doch als sie das erste Gewand fertig hatte, war aller Stoff verbraucht. Also rief sie Dail zu sich und bat ihm, ihr doch ausreichend Stoff zu bringen, aber nur vom feinsten. Dail ging also hin und fand bei einem Weber einen feinen Stoff, der ihm gut genug für die drei Mädchen erschien. Er war ganz hell und silbern und so brachte er Leann alles, was der Weber davon hatte. Leann konnte den Blick kaum davon abwenden, denn der Stoff funkelte und glitzerte, daß sie sich kaum sattsehen konnte. Sie dankte Dail und begann wieder mit der Arbeit. Doch als sie das zweite Gewand fertig hatte, war aller Stoff verbraucht. Also rief sie Soniana, die gerade vorbeilief, und bat sie, ihr doch ausreichend Stoff zu bringen, aber nur vom feinsten. Soniana ging also hin und fand bei einem Weber einen feinen Stoff, der ihr gut genug für die drei Mädchen erschien. Er war ganz hell und grün und so brachte sie Leann alles, was der Weber davon hatte. Leann traute ihren Augen kaum, denn der Stoff flimmerte und raschelte, als wäre er lebendig. Sie dankte Soniana und begann mit der Arbeit. Als sie das dritte Gewand fertig hatte, rief sie ihre Töchter zu sich. Sie sprach zu ihnen, daß sich eine jede von ihnen eins der Gewänder aussuchen dürfe. Das goldene Kleid nahm Lunnas, Fionn wählte das silbrige und Erinn das grüne. Sie freuten sich und sagten sich gegenseitig, wie hübsch sie doch in ihren Kleidern aussähen. Doch dann kam Milux des Weges und in ihrer Albernheit fragten sie ihn, welche von ihnen wohl die schönste sei. Ohne nachzudenken sagte dieser, Lunnas sei die schönste. Da wurde Fionn sehr neidisch auf ihre Schwester und die beiden stritten sich so sehr, daß sie sich fortan aus dem Wege gingen und ihre bescheidene Schwester Erinn nur noch besuchten, wenn die andere nicht da war. So kommt es, daß man am Tage Lunnas in ihrem glänzenden, goldenen Kleid am Himmel sieht, nachts aber Fionns Gewand, daß silbern scheint und mit tausend kleinen Punkten glitzert."

Tricia

Tricia ist eine eher unbedeutendere Göttin. Als Göttin der Schönheit und Jugend wird sie natürlich vor allem von jungen Burschen und Mädchen verehrt, zumal wegen ihrer Funktion als Göttin der Liebe, allerdings nicht als Göttin der körperlichen Liebe (das ist Ehrtra), sie steht vielmehr für die romantisierte Form der Liebe, wie sie oft Thema in den Liedern der Minnesänger ist. Dargestellt wird sie mesit als Jungfrau mit Blumenkränzen im Haar.

Vigar

Vigar könnte man als typische urtravische Gottheit bezeichnen, zusammen mit dem heutzutage längst vergessenen Gott des Meeres [Njylagodr, siehe Aedari] wurde dieser damals wohl Wigagodr genannte Gott von den in den Kontinent einfallenden Urtraven besonders verehrt. Seine Aufgaben haben sich im Laufe der Zeit faßt überhaupt nicht gewandelt, seit eh und je ist er der Gott des Krieges und der Kraft. Ihm zu Ehren wurden Arenen gebaut, in denen sich die besten Kämpfer des Reiches im Schwertkampf und im Wagenrennen maßen. 
Auf zeitgenössischen Abbildungen sieht man ihn daher häufig mit Harnisch, Helm, Gladius und Streitwagen, heute wird er meißt als Ritter mit Schwert, Schild und Rüstung dargestellt, auf travischen Bildnissen erscheint er mit Rundschild, Kettenhemd, Flügelhelm und Speer.

Solwinn

Die meisten Darstellungen zeigen Solwinn mit Flügeln und einer Krone aus Laub. Sie überbringt die Botschaften der Götter und als Siegesgöttin wird sie vor jeder Schlacht angerufen. Jedoch steht Solwinn auch für Glück, weshalb kleine Abbilder von ihr gerne als Amulett getragen werden. Die dreizehn Engel in ihrem Gefolge sind ebenfalls Götterboten und Schutzgötter. 
Die Engelverehrung ist besonders bei den, sehr stark auf Zeichen und Omen achtenden, Traven weit verbreitet, man hängt sich kleine, aus Stroh, Holz oder auch Metall gefertigte, Ängl genannte, Figuren um den Hals oder an den Türbalken, um böse Geister abzuhalten. 
Zwar gibt es auch bei den Alisiern als Engel bezeichnete Wesen, allerdings besteht wohl keinerlei Zusammenhang zwischen ihnen und den travischen Ängla.

 

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