Die Reichsämter
König Iandal III., der Großmütige, hält
auf der Weidelsburg unweit von Niederweidelsburg Hof. Dies ist der Stammsitz des
Weidelsburger Geschlechtes. Hier hält auch Herzog Folko von Weidelsburg Hof, er
ist ein Neffe König Iandals. Die Weidelsburg besitzt zwei Bergfriede, denn es
sind nun mal zwei Herrscher, die sie bewohnen. Der Hof des Königs ist von dem
des Herzogs jedoch klar zu unterschieden. König Iandal III. ist mit Herrin
Danira vermählt und sie haben eine gemeinsame Tochter und vermeintliche
Thronerbin, die dem Säuglingsalter kaum entwachsene Prinzessin Antonia von
Weidelsburg. Vom König gehen alle Ämter aus. Alle Beamten und auch alle Vasallen
sind dem König Rechenschaft, Gehorsam und Treue schuldig und können vom König
abgesetzt werden, wenn er dies für notwendig hält. Der König höchst selbst ist
oberster Richter des Reiches. Er sitzt dem Königlichen Hofgericht und dem
Reichskammergericht vor.
Zum engsten Kreis um den König gehören die
vier Erzämter Truchsess, Marschall, Kämmerer und Mundschenk. Die Erzämter werden
von den Herzögen Erédias besetzt und sind mit einem Lehen, dem jeweiligen
Herzogtum, verbunden. Die Herzöge entsenden meist einen ihrer Untertanen oder
Verwandten, der das Amt für sie ausübt, die Besoldung der Erzämter ist daher
Aufgabe der Herzöge. Die jeweiligen Herzogtümer kommen auch für die Helfer des
jeweiligen Erzamtes sowie für die materielle Ausstattung auf. Das Herzogtum
Weidelsburg unterhält keines der Erzämter, da ja schon der König aus den Reihen
des Weidelsburger Geschlechtes stammt und eben dieses auch schon die Feste zur
Verfügung stellt. Das Herzogtum Hellensberg ist ebenfalls von dieser Pflicht
befreit, da die Familie der Hellensberger vor vielen Jahren das Obereigentum
über ihr Herzogtum vom König als Belohnung für ihre Taten geschenkt bekommen
hat. Nach Ableben eines Herzogs von Hellensberg tritt folglich nicht wie üblich
der Heimfall des Lehens an den König in Kraft. Das Herzogtum Hellensburg ist
daher von dieser Pflicht entbunden, das unbesetzte Erzamt wurde dem damals noch
neuen Herzogtum Löwenstein zugesprochen. Die Inhaber der Erzämter sind wie alle
anderen Beamten dem König Rechenschaft und Gehorsam schuldig.
Das Amt das Truchsessen ist das
angesehenste und mächtigste unter den Erzämtern. Es wird seit geraumer Zeit vom
Herzogtum Garvensburg besetzt. Derzeitiger Truchsess ist Graf Limindrin von
Garvensburg, der jüngerer Bruder von Herzog Alfons von Garvensburg. Er ist mit
Ulrike von Weidelsburg, der älteren Schwester des Königs, verheiratet und ist
der Vater des jungen Herzogs Folko. Der Truchsess befehligt den königlichen
Hofstaat und all seine Bediensteten. Befindet sich der König auf Reisen oder
Heerfahrten, so übt er alle Königlichen Pflichten auf der Weidelsburg aus, was
auch die höfische Rechtsprechung und die Reichsregierung betrifft.
Das Amt des Marschalls wurde lange Zeit
vom Herzogtum Hellensberg besetzt. Seit vielen Jahren wird der Marschall jedoch
vom Herzog von Löwenstein gestellt. Der Zeit ist Ritter Grimbold vom Felde
Königlich-Erédischer Marschall. Seine Familie besitzt ein Gehöft in Löwenstein
als Lehen und ihr entstammten viele Gefolgsleute der Löwensteiner Herzöge. Bevor
er das Erzamt erhielt, durchlief er die Ränge des Erédischen Heeres. Der
Marschall ist nach dem König Oberbefehlshaber des Erédischen Heeres. Die
Heerführer und alle anderen Soldaten unterliegen seinen Befehlen. Er kann jedoch
nicht selbstständig über Krieg und Frieden entscheiden oder den Heerbann
ausrufen.
Auch das Amt des Kämmerers zählt auf Grund
seiner Wichtigkeit ebenfalls zu den Erzämtern. Es wird seit vielen Jahren vom
Herzogtum Forkenburg gestellt. Derzeitiger Kämmerer ist Nythan Minzer, er
entstammt einem angesehenen Patriziergeschlecht und war einige Jahre lang
erfolgreich Kämmerer in Metzarum, bis er von Herzog Isgramur von der Forkenburg
in das Reichsamt berufen wurde. Er führt die Reichfinanzen. Mit seinen Gehilfen
meistert er die Schätzung, Eintreibung, Zählung, Verwaltung und auch das
Ausgeben der Königlichen Steuern. Ihm unterstehen die Zöllner und die
Steuereintreiber des Königs.
Das Amt des Mundschenken ist wohl weniger
durch seine politische Macht als durch seine Notwendigkeit gekennzeichnet. Es
wird vom Herzogtum Wattenberg gestellt. Derzeitiger Mundschenk ist Priester
Arnold Winne. Er war lange Zeit oberster Priester im Sondthtempel zu Istha,
bevor er vom Herzog mit dem Königlichen Amt beehrt wurde. Der Mundschenk ist für
die Versorgung des Hofes mit Getränken zuständig. Auch sonst ist er für das
leibliche Wohl des Königs zuständig und gilt als erster Diener des Herrschers.
Neben den Erzämtern gibt es noch weitere
Amts- und Würdenträger des Reiches. Allen voran sind hier die Herzöge zu nennen.
Die sechs erédischen Herzöge bilden zusammen die Kuria. Die Kuria kann den König
in Fragen des Reiches beraten. Sie kürt nach dem Tod eines Herrschers den
erblichen Nachfolger. Sollte die Kuria mit dem vom verstorbenen König bestimmten
Erben nicht einverstanden sein, so bestimmen sie selbst einen neuen König aus
den Familien der Herzöge. Die Kuria ist sogar berechtigt den König abzusetzen,
wenn dies das Verhalten des Königs notwendig macht. Ferner sind die Herzöge
Schöffen im Reichskammergericht, dem der König als Richter vorsitzt. Die Herzöge
der ältesten Herzogtümer Erédias Weidelsberg, Hellensberg, Wattenberg und
Garvensburg gelten als die Heerführer Erédias, ein militärischer Rang gleich
unter dem Marschall. Der Herzog von Löwenstein trägt den zusätzlichen Titel des
Stammesführers der Hasunger.
Das
Amt des Burgvogts von Nebelstein ist mit dem des Markgrafen des Westens in
Personalunion vereint, beide Ämter bekleidet zur Zeit Freiherr Balduin Sverissn
von Ostander. Er ist mit der Vertretung der Königlichen Gewalt in der Westmark
des Königreiches beauftragt und für den Schutz der erédische Händler vor wilden
Orken und anderen Unholden unter Zuhilfenahme erédischer Truppen zuständig.
Die Königliche Botenstelle wird vom Herold
geführt, der zugleich edelster und oberster Bote des Königs ist. Derzeitiger
Herold ist Freiherr Anselm vom Sande. Er ist der Bruder des Grafen Avan vom
Sande und hat den militärischen Rang eines Rittmeisters. Die Königliche
Botenstelle ist eine besondere Abordnung des Heeres, die sich auf der
Weidelsburg befindet, um die Botschaften an Ort und Stelle zu empfangen und
sofort zu an den Adressanten zu liefern. Dem Herold untersteht ein Trupp
berittener Soldaten, die mündliche und schriftliche Botschaften sowie Geschenke
des Königs zu dem Glücklichen oder zuweilen auch Unglücklichen bringen. Diese
einfachen Soldaten werden vom Herold in der Heraldik, der Diplomatie, den
höfischen Tischmanieren, sowie im Lesen und Vortragen der Botschaften
ausgebildet. Bei besonderen Anlässen werden jedoch hohe geistliche und weltliche
Würdenträger vom Herold ausgewählt und als Boten des Königs gesandt. Hier
entscheidet der Anlass des Botenganges über die Wahl des Boten. Für das Inland
sowie befreundete Nachbarstaaten werden die Boten allein zu Pferde ausgesandt.
Im fernen Ausland sowie in unsicheren Gebieten werden sie durch bewaffnete
Truppen, insbesondere durch das Erédische Expeditionskorps, begleitet. Einem
Königlichen Boten ist innerhalb Erédias freies Passieren zu gewähren, er darf
nicht durch Brückenzölle und andere Unannehmlichkeiten aufgehalten werden.
Der Königliche Baumeister ist mit der
Planung und Erhaltung der Königlichen Bauwerke betraut. Dies sind insbesondere
die Weidelsburg, die Wehranlagen des Heeres sowie die königlichen Straßen. Er
vergibt die Aufträge an die Handwerker der Zünfte. Derzeitiger Königlicher
Baumeister ist Mauermeister Walter Schlump. Er ist ein angesehenes Mitglied in
der Niederweidelsburger Handwerkszunft. Die Baumeisterei befindet sich an
gleicher Stelle wie die Werkstatt von Meister Walter Schlump in
Niederweidelsburg. Häufig suchen auch die Herzöge, Grafen und andere Bauherrn
den Rat des Königlichen Baumeisters, da dieser insbesondere im Burgen- und
Straßenbau erfahren ist.
Das Münzregal gab König Iandal III. vor wenigen Jahren an die Stadt Hohenhewen
ab. Das Amt des ersten Münzmeisters trägt Elvard Knister. Er wacht über das
Gewicht und die Zusammensetzung der Taler, Greifen und Heller, die ebenfalls in
Hohenhewen geprägt werden.
Die Hofkapelle ist dem gesamten Drakkmannischen Pantheon insbesondere aber Tiori
und Vigar geweiht, denn der der alten Sprache entlehnte Name Kapelle leitet sich
vom Namen des Mantels ab, denn Tiori bei seinen Ritten trägt. Sie wird von
Hohepriester Dittmar Tiorihold geleitet, der ähnlich hohes Ansehen wie der
Pontifex Maximus von Friedislar geniest. Neben der Leitung der Rituale und
Gottesdienste auf der Weidelsburg ist er mit der Seelsorge und Beratung des
Königs beauftragt.
Die Reichskanzlei ist die Schreibstube der
Weidelsburg. Hier werden die Königlichen Gesetze ausformuliert und
aufgeschrieben, Urkunden besiegelt und Formulare erstellt, sowie die Briefe und
Botschaften des Königs nach dessen Diktat aufgezeichnet. Viele Schriftstücke
lässt sie auch in der Weidelsburger Schriftendruckerei vervielfältigen.
Reichskanzler ist der Zeit Frater Hieronymus von Metzarum, ein Mönch der Ilva
und in der Akademie für Gelehrte ausgebildeter Schreiber.
Der Hofgelehrte des Königs ist Saventi
Zumba. Er gilt als ein begabter Scholast der dreimalgroßen Ilva, der Alchemie,
Astrologie und Magie. Der Hofgelehrte ist ein Berater des Königs und auch als
Schulmeister auf der Weidelsburg tätig. Ferner wird er vom König mit Aufgaben
versehen, die nur ein eben solch gelehrter erfüllen kann.
Das Königliche Archiv sammelt
Gesetzesblätter, Urkunden und manches gute Buch in den Kellern des Weidelsburg.
Bemerkenswert ist auch die beträchtliche Zahl an Kerbhölzern und sonderbaren,
uralten Gegenständen, die nur Saventi Zumba zu gebrauchen weiß. Derzeitiger
Archivar ist Long Al. Auf sein Archiv sowie auf seine umfangreichen historischen
Kenntnisse können alle Hofämter zurückgreifen, wenn sie zum Beispiel über
Beschlüsse früherer Amtsträger Bescheid wissen wollen. Zuweilen kommen auch
Studenten der Akademie für Gelehrte um die gesammelte Schriftstücke zu
studieren, denn der Umfang der gesammelten Werke ist gewaltig und der Bibliothek
von Metzarum zumindest in Fragen der Staats- und Rechtswissenschaft überlegen.
Die Weidelsburger Schriftendruckerei
befindet sich im schönen Rieda im Herzogtum Hellensberg, wo das erédische
Handwerk der Buchdruckerei seinen Ursprung hat. Die Weidelsburger
Schriftendruckerei wird zur Zeit von Druckermeister Lupold Kupferstecher
geleitet. Hauptsächlich ist die Schriftendruckerei mit Aufträgen der
Reichskanzlei beschäftigt, wozu insbesondere Formulare und Gesetzesblätter
zählen. Ferner druckt die Weidelsburger Schriftendruckerei den Weidelsburger
Kurier.
Der Weidelsburger Kurier ist eine mehrmals im Jahr erscheinende Zeitung der
Weidelsburger Schriftendruckerei. Sie dient insbesondere der Veröffentlichung
von Bekanntmachungen des Königshauses sowie der Bekanntgabe von gesuchten
Verbrechern und gilt als Bote des Königs, der Herausgeber des Blattes ist.
Ferner wird durch den Kurier ein Allerlei an Nachrichten aus Erédia und seinen
Nachbarländern verbreitet. Der Weidelsburger Kurier wird von Ronaldo Papparazo
von Alcázar, einem nahen Verwandten Herzog Hektors von Hellensberg, geleitet.
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