Die travischen Stämme
Das Travenreich wird nahezu ausschließlich von Traven bewohnt. Lediglich in
Förstenwik leben einige wenige ausländische Händler, vor allem Erédier und
Fridislarer. Im Gebiet nördlich von Weidelsberg und Wattenberg siedeln
vereinzelt Tegelinger, die nicht dem Travenreich angehören, sondern rechtlich
dem erédischen Dorf Tegelingen und ihrem dort sitzenden Fürsten zugeordnet sind.
Ansonsten leben dort Erhtrasonen und Isenserker in großer Zahl. Die besten
Schmiede im Travenreich sind vom Stamm der Isenserker. Auch sind sie der einzige
Stamm der ein wenig Erz abbaut und verhüttet, weshalb sie die dicht bewaldeten
Ausläufer der Nebelberge bewohnen. Die Erhtrasonen besiedeln die fruchtbare
Ebene westlichen von Löwenstein und sie sind die einzigen Traven, die etwas vom
Obstbau verstehen.Nördlich von ihnen siedelt der Stamm der Förstinger.
Ursprünglich waren sie nur eine Sippe der Erthrasonen, doch als sie den ersten
Fürsten des Reiches stellten, gewannen sie recht schnell Macht und Reichtum,
sodass sie sich bald von den all zu bäuerlichen Erthrasonen absonderten. Noch
immer gehören die meisten Förstinger zur weit verzweigten Sippe des Fürsten,
doch der Stamm wurde durch eine große Zahl von Günstlingen und Hörigen des
Fürstenhauses verstärkt. Auch hat sich im Gebiet der Förstinger die einzige
Stadt im Reiche gebildet; die meisten Händler aus Erédia und Fridislar behaupten
allerdings, es handle sich lediglich um einen Marktflecken. Tatsächlich ist
Förstenwik ganz aus Holz gebaut; lediglich am Rand des Ortes stehen die Zelte
weit gereister, travischer Händler. Den Kern des Ortes bildet der kleine
Marktplatz. Da die Traven selbst keine Münzen prägen, regiert noch der
Tauschhandel, doch zunehmend wird auch erédische Geld verwendet. Neben Wein,
Tuche und Eisen aus Erédia finden sich hier auch die merkwürdigen Erzeugnisse
der Seetraven wie Bernstein, Zobel, Amber, Perlmutt, Schnitzereien aus Elfenbein
und Horn. In Förstenwik befindet sich auch die mit einfachen Wälle befestige
Halle des Fürsten. Ansonsten sind die meisten Bewohner des Ortes förstingische
Bauern, sodass man in den Gassen mehr Ziegen und Ferkel als Händler antrifft.
Die steilen Osthänge der Nebelberge bewohnen die Kahlemannen. Sie sind die
einzigen Traven, die keine Pferde halten, obwohl sie sie recht gern zubereiten.
An Tieren halten sie lediglich Schafe und Ziegen. Ackerbau betreiben sie nur
sporadisch, ansonsten leben sie von der Jagd und wilden wachsenden Früchten und Gemüsen. Auch unterscheiden sich ihre Siedlungen stark von denen der anderen
Stämme, denn sie siedeln nicht in Blockhäusern oder Zelten sondern in
Reisighütten. Ihren Namen tragen sie, da viele Krieger des Stammes vollkommen
kahl geschoren sind. Manche tragen auch noch barbarische Tätowierungen auf der
Schädelkette. Andere Kahlemannen tragen das Haar jedoch in langen Flechten, was
allerdings nicht weniger Furcht erregend aussieht. Allen ist jedoch gemein, dass
sie meist Kleidung aus Leder, Fell und Rindengeflecht tragen. Die Kahlemannen
sind gefürchtete Kopfjäger, obwohl ihre Speere oftmals nicht einmal mit
Eisenspitzen versehen sind. Mit Pfeil und Bogen sind sie zwar recht geschickt,
trotzdem benutzen sie aber im Gegensatz zu den anderen Stämmen Gifte. Ihre rauen
Sitten und auch ihr schon für Traven barbarisches Äußeres führt dazu, dass böse
Zungen behaupten in ihren Adern flösse Orkblut. Tatsächlich liegen die
Kahlemannen jedoch im ständigen Krieg mit den Orks der Wilden Lande. Wenn sie
nicht gerade selbst von den Orks überfallen werden, so heißt es, plündern die
Kahlemannen sogar die Dörfer der Orks tief in den Nebelbergen. Früher soll ihre
Zahl weit größer gewesen. So erzählen etwa die Annalen, Hektor der Große habe,
als er noch Marschall unter König Ulrich von Erédia war, Einfälle der
Kahlemannen in Weidelsberg abgewehrt. Dies war freilich viele Jahre bevor die
Erhtrasonen und Isenserker sesshaft wurden. Es ist also gut möglich, dass die
schwächeren Glieder des Stammes Bauern wurden und in den Isenserkern aufgingen,
was wohl auch dazu führte, dass sich nun gerade die wildesten und urwüchsigsten
unter den Kahlemannen in die Nebelberge zurückzogen.
Nördlich der sesshaften Stämme siedeln die Kiwwetrieber. Sie sind der größte
Stamm des Reiches und nach den Kahlemannen auch der ärmste, vielleicht weil es
bei ihnen so viele Häuptlinge gibt. Ihr einziger Reichtum sind ihre Rinderherden
mit denen sie noch heute die Steppe durchziehen. Nur wenige bestellen Felder und
deren Gehöfte werden oft sogar von den eigenen Stammesgenossen geplündert und
verwüstet. Den Kiwwetriebern sind die Westmuronen in der Lebensweise ähnlich.
Sie siedeln eher im Osten des Reiches, doch mit ihren Herden durchqueren sie den
ganzen Norden und gelegentlich auch die nördlichen Steppen. Im Süden, gleich
nördlich der Erthrasonen, ist das Land noch recht fruchtbar, sodass hier einige
Westmuronen vom Ackerbau leben können. Im ganzen Travenreich sind sie die besten
Pferdezüchter, sodass sie sie häufig auch ins Ausland verkaufen. Von allen
Stämmen des Reiches sind die Muronen die Ältesten. Schon aus den Zeiten der
Drakkmannenkaiser sind vereinzelte Überfälle auf das alte Erédia überliefert.
Dort, wo heute noch die Felder der Westmuronen bestellt werden, war einst ihr
reicher Königshof, an dem ihr König Berfried versuchte den Glanz der Drakkmannen
nachzuahmen. Doch bald schon sank der Stern der Muronen. Die Legende erzählt vom
greisen König Berfried, der eine ganze Rinderherde, die Vorräte zweier Scheuern
und zehn seiner besten Pferde ins Moor trieb, um sie der Göttin Erthra zu
opfern, damit sie ihm und seiner Gemahlin endlich den lang ersehnten Sohn
schenke. Doch die Königin, schon alt und grau, gebar eine Tochter und verstarb
im Kindbett. So blieb Berfried nichts anderes übrig, als das Mädchen zum
Thronfolger zu erklären. Hierauf brach Streit unter den Muronen aus, denn dies
entsprach nicht den alten Sitten. Als König Berfried verstorben war, folgte nur
des Königs Sippe und wenige Getreue der kindlichen Königin Mechthild. Nach einem
langen Zwist zog der Großteil des Volkes gen Osten. Erst führten die Abtrünnigen
in den Steppen der Krone wegen gegeneinander Krieg, und bald wurden die
Ostmuronen vollkommen führungslos. Noch heute durchziehen sie, ohne jeglichen
Herrn zu kennen, die Steppen diesseits der Wisera. Die, die bei Berfrieds
Tochter Mechthild verblieben, nannten sich nun Westmuronen. Doch da Mechthild
nun als Königin und Schildmaid ihr Leben verbrachte, verzichtete sie darauf zu
heiraten und als sie verstarb, verging das Königreich endgültig. Noch immer
halten die Westmuronen es allerdings so, dass auch einige ihrer Häuptlinge und
Krieger Frauen sind. Nicht wenige von ihnen meinen, eine Schildmaid könne zur
Fürstin des Reiches gewählt werden.
Im hohen Norden des Travenreiches lebt der Stamm der Rotharbarden. Sie sind eng
mit den Seetraven verwand und verehren auch noch den Meeresgott Njylagodr, wenn
gleich sie ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete an der Küste des Nordmeeres
schon lange verlassen. Die meisten Stammesangehörigen ziehen mit ihren Herden
umher. Neben Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen halten die Rotharbarden auch
Rentiere. Regelmäßig überfallen die Rotharbarden die Seetraven im Norden, die
nicht zum Travenreich gehören, und plündern ihr Land. So erwerben sie Bernstein,
Amber, Salz, Zobel und andere Güter, die sie gewinnbringend an die anderen
Stämme bis nach Förstenwik verkaufen.
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