Alisiens Totenreich
Nach dem Tod eines Alisiers verlässt sein Atem, der von Gott gegeben, seinen
Körper. Damit die Geister der Verstorbenen nicht die Lebenden quälen, werden die
Körper der Toten in unterirdischen Hallen aufgebahrt. Die Reichen lassen sich
meist selbst eine Halle bauen, in der dann nur ihre Familie liegen wird. Die
Armen müssen mit den Erdlöchern vorlieb nehmen, die für die Allgemeinheit
geschaffen wurden. Da kann es schon mal vorkommen, dass mehrere Leichen
übereinander gestapelt werden um Platz zu sparen. Sobald der erste Tote seinen
Weg in eine dieser Hallen gegangen ist wird diese nur noch von den Jasieren oder
höheren Geistlichen betreten. Ihnen können die Geister der Verstorbenen nichts
anhaben, denn ihr Glaube schützt sie vor allem Übel. Aldon durchfährt die
Ewigkeit, mit seinem goldenen Streitwagen, der gebaut ist nach der Machart der
Väter, als diese noch für ihn in den Kampf zogen. Heute jedoch vereint Aldon
mehr in sich als nur das Streben nach Neuem und Erhaltung des Alten. Er ist der
gute verständnisvolle Vater der Alisier und verkörpert nun auch das Streben nach
Wissen und Schönheit. Die Geister der Verstorbenen müssen normalerweise nicht
lange auf ihre Reise in die Ewigkeit warten. Aldon selbst ruft die sie mit
seiner laut schallenden Flöte. Vernehmen sie Aldons Ruf, verlassen die Seelen
endgültig ihren weltlichen Körper und verlieren ihre Gestalt. In dieser Form
können sie die Mauern, die sie gefangen hielten, durchschreiten, denn solche
Barrieren gelten für sie nicht mehr. Dann treten sie ihre Reise an.
Vom Weiten
wirkt der Streitwagen klein, unmöglich jeden Verstorbenen zu fassen. Doch kommt
man ihm näher scheint er zu wachsen und obwohl man die Enden des Wagens sehen
kann, kann man sie nie erreichen. Der Wagen ist die Belohnung für alle, die
gottesfürchtig durchs Leben gegangen sind. Er teilt sich in verschiedene
Abschnitte. Um so besser ein Alisier gelebt hat, desto näher befindet er sich an
seinem Gott, der wie der Wagen auch in goldener Rüstung vorne stehend thront.
Das Wageninnere liegt außerhalb der Vorstellungskraft eines jeden Sterblichen
und daher unterlässt man es auch bildhafte Darstellungen von seinem Inneren zu
machen, die niemals der Wirklichkeit gerecht werden könnten. Die Verstorbenen
tun auf dem Wagen das, was tief in ihrer aller Wurzeln liegt. Sie nomadisieren
durch das Reich ihres Gottes mit ihm an ihrer Seite. Die wirklich schlechten
Menschen werden bereits nach dem Tode aussortiert. Aldon kennt alle Menschen so
gut wie ein Vater jedes seiner Kinder und er allein entscheidet, wer würdig ist
in sein Reich einzukehren. Die schlechten Menschen werden seinen Ruf nie
vernehmen und damit sind sie verdammt die Ewigkeit in einem dunklen Loch zu
verbringen. Manchmal kann ein Geist entkommen und die Menschen quälen, um es für
sich erträglicher zu machen. Daher werden die Grabanlagen normalerweise
gemieden. Schwere Verbrecher werden sogar in ihrer Grabstätte verschüttet und
ein Schutzritual abgehalten, damit ihre verdammten Geister sie nicht quälen können.
Der einfache Bürger würde vielleicht meinen, dass es grausam von Aldon sei, die
bösen Seelen auf Erden wandeln zu lassen und sie nicht zu vernichten, obwohl es
ohne Frage in seiner Macht stünde. Aber man ist zu dem Schluss gekommen, dass es
eine Prüfung ist, für alle, die mit dem wahrhaftigen Glauben durchs Leben gehen.
Aber Aldon kennt auch noch eine andere Strafe, um die Seelen derer zu richten,
die gottlos durchs Leben gingen. Wenn die Seele auf ihrem Weg zu Aldons Wagen
ist, kann es sein, dass Aldon einen Frevler dazu verdammt in aller Ewigkeit
seinem Wagen zu folgen, ohne jedoch jemals anzukommen. Die Winde der Ewigkeit,
die von Aldons Wagen ausgehen peitschen die Seele und fügen ihr unvorstellbare
Qualen zu. Allerdings ist diese Qual immer noch gering, wenn man bedenkt, dass er
Aldon niemals erreichen wird. Auf Abbildungen werden diese Seelen als dem Wagen
hinterherlaufende Menschen gezeigt. Der Wagen durchfährt die Ewigkeit nicht ohne
Ziel. Er zieht seine Kreise am Rande der Schöpfung, nahe dem alles
verschlingenden Nichts. Immer wieder versucht es Teile der Schöpfung zu
vereinnahmen und somit bedroht es die Existenz allen Lebens. Aldon aber wacht
über seine Schöpfung für alle Zeit. Seine göttliche Ausstrahlung allein reicht
aus um die Dunkelheit zu vertreiben und sein helles Licht der Schöpfung breitet
sich aus. Auf seinem Wagen sitzend bringt er es in jeden Winkel der unendlichen
Weiten, früher, heute und für alle Zeit. Das sagen die Weissagungen der
Propheten und ein jeder, der den wahren Weg Aldons geht, spürt auch in seinem
Inneren, dass sie recht haben.
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