Die Religion der Alisier
Anders als im Rest der Welt verehren die Alisier nur einen Gott. Alleine deswegen gibt es einen gewaltigen kulturellen Unterschied zu Erédia und Lawegon. Der Ursprung liegt darin, dass die Alisier weder von den
Drakkmannen, noch von den namenlosen Völkern, die vor der Landnahme der
Drakkmannen das Land bewohnten, abstammen, sondern in ferner Vergangenheit aus dem Süden kamen und ihr Reich und ihre Kultur ausbreiteten.
Ihr Gott heißt Aldon. Die Alisier haben eine sehr einfache Vorstellung von ihm. Er gilt als Stammvater, seine Gestalt wird oft als alter aber doch recht starker Krieger dargestellt. Der Legende zur Folge kommt jeder Alisier nach seinem Tod in Aldons großen Wagen, mit dem er durch die weiten Ebenen Enimanes, das Himmelreich der Alisier, streift. Je gläubiger, gesetzestreuer und ehrenhafter ein Alisier sein Leben geführt hat, desto weiter vorne sitzt er im Wagen. Wenn er ein großer Krieger und Volksheld oder überragendes für Alisien geleistet hat, könnte er auch vorne auf dem Kutschbock an der Seite Aldons sitzen. Wenn er aber ein schlechter Mensch oder ein Verbrecher war, so kommt er ans Ende des Wagens. Es kann auch vorkommen,
dass er ein verdorbener Alisier gewesen ist, das Aldon ihm keinen Platz auf
seinem Wagen zuteilt, sonder er dazu verdammt wird in alle Ewigkeit dem Wagen zu
folgen, ohne ihn je erreichen zu können.
In der Geschichte des alisischen Glaubens gab es immer wieder Einbrüche, die die
Menschen und ihr Denken nachhaltig beeinflusst haben. Dazu gibt es drei
besondere Erzählungen, die auch in den Glaubensschriften Aldons, den 15
Schriftrollen, die zusammen die Ji’jalla bilden, festgehalten sind. Gleich in
diesen Geschichten ist, dass Boten des Gottes die Erde besuchten. Diese Boten in
Vogelgestalt sind es, die den Glauben in den Herzen der Alisier verankerten,
auch als für das Volk der Alisier alles verloren schien, in Zeiten der Not und
des Aufruhrs. Das Volk nennt diese Erscheinungen Achlein. Sie sind ein wichtiger
Bestandteil der Aldon-Verehrung.
Doch nur ausgesuchte Menschen können diese Gestalten sehen und verstehen. Diese
Menschen nennt man die Propheten. Ihre Geschichten sind es, die man in den
Schriften der Ji’jalla finden kann.
Die Taten sind so berühmt, dass es sogar Kulte gibt, die sich nur einigen
wenigen der Propheten widmen und auch einige der Gotteshäuser der Alisier wurden
ihnen geweiht. Es gibt in der Geschichte der Alisier drei große Propheten, die
heute immer noch besonders verehrt werden:
Der älteste ist Ialialian, der Strenge. Er kam vor Tausenden von Jahren zu den Alisiern, als diese seit vielen Jahrzehnten sich von Aldon abgewandt hatten und anderen Göttern frönten. In dieser Zeit wurden viele Aldonjasiere (Priester) ermordet und Wajene (Tempel) geschändet. Ialialian kam und zerstörte die neuen Götzenschreine. Er erschlug mit einer Sichel ( Ialialian-Sichel ist das Symbol für ihn ) die Priester der Götzen und führte die Alisier wieder zum Glauben an Aldon.
Der zweite der drei großen Propheten ist, Ulsiris, der Befreier. Er kam in einer Zeit, als der böse König Jellia an der Macht war. In den Jahren zuvor hatte es viele Missernten, Krieg und Krankheit gegeben. Jellia blutete das Volk noch mehr aus, schickte die Männer in die Lehmgruben, lies Dörfer zerstören und die Frauen schänden. Der Wille des Volkes war schon lange gebrochen. Doch als Ulsiris kam und sich gegen die Gewalt des Königs auflehnte, keimte Hoffnung im Volk auf. Er wollte die Unterdrückung des Volkes jedoch nicht mit Waffengewalt und Härte, sondern mit friedlichen Mitteln wie Arbeitsverweigerungen und Blockaden erreichen. Sein Glaube an die Güte und die Macht Aldons steckte die Menschen an und als bald folgte ihm das Volk und sie zogen zum Palast des Königs Jellia. Doch dessen Soldaten standen immer noch hinter ihrem König und so belagerten das Volk den Palast. Doch dann nahmen die Soldaten des Königs Ulsiris gefangen und wollten ihn ermorden. Der König hoffte so den Willen des Volkes zu brechen und lies Ulsiris an einen Baum (der Ulsiris-Baum ist das Symbol für ihn) vor den Mauern seines Palastes festnageln. Dort soll er der Legende nach, drei Tage und drei Nächte lang gehangen haben, bis er endlich in Aldons Wagen kam. Die Legende spricht davon, dass er die drei Tage lang so geschrieen haben soll, wie es von keinem Menschen möglich wäre. Als er starb, verbrannte seine Leiche in hellen Flammen, doch an dem Baum waren keine Brandspuren zu finden.
Die Soldaten waren von diesen Vorkommnissen so erschüttert, dass einige flohen. Doch die Hinrichtung Ulsires hatte genau das Gegenteil von dem bewirkt, was Jellia wollte. Das Volk war aufgebracht und die friedliche Stimmung schwankte in Blutdurst um. Das Volk vergaß Usiris Plan, den König friedlich zu stürzen und stürmte den Palast. Dabei kamen Hunderte Soldaten und Aufständische ums Leben und König Jella wurde getötet. Nach dieser Zeit kam eine Zeit des Wohlstandes und der Wonne.
Der Letzte große Prophet war Allala'ian, die Kriegerin. Sie kam in einer Zeit, als die Alisier durch einen Orkstamm aus dem Norden bedroht wurden. Die Soldaten wären demotiviert und müde. Die Orks standen kurz vor den Mauern Hal'lenabads und holten zum letzten Schlag gegen das alisische Heer aus. Und als alles verloren schien, kam Allala'ian. Sie ritt den fliehenden Soldaten entgegen und fragte sie, warum sie fliehen. Als die Soldaten sagten, dass die Schlacht verloren sei, sagte sie: "Wenn Aldon uns nicht verlassen hat, werden wir siegen!" Und ritt den Orken entgegen. Die Soldaten waren von ihrem Siegeswillen und ihrer Kraft angesteckt und folgten ihr. Allala'ian ritt den Orkenmassen ohne Schwert und Waffe entgegen. Sie hatte nur einen heiligen Baum (kleiner prunkvoll verzierter Holzstamm), den sie den Orken entschlossen entgegen hielt. Als sie dann kurz vor den Reihen der Orks war, fing sie an zu schreien und das gesamte alisische Heer stimmte in ihr wildes Kampfgebrüll ein. Plötzlich schien es als würde der Himmel beben und Blitze zuckten aus den Wolken. Diese Zeichen Aldons gab den angesteckten Alisen den letzten Schub und sie stürmten die orkischen Linien. Die von dem plötzlichen Umschwung der Moral der Alisier, dem Zeichen am Himmel und dem Getöse, welches von dort kam, völlig überraschten Orken konnten dem Druck der Alisier nicht standhalten und flohen in die nördlichen Wälder zurück. Die Sieger priesen Aldon und Allala'ian. Diese wurde zur höchsten Aldonjasiere des Reiches ernannt und tat in den folgenden Jahren sehr viel für den Glauben und für die Stellung der Frau. So dürfen durch ihren Einsatz auch Frauen in die Armee und Ämter ausüben. Um Allala'ian drehen sich viele Legenden und Gerüchte über ihre Anmut und Schönheit, ihr Verhältnis zu Aldon und ihre angebliche außergewöhnliche Sexualität. Es gibt viele Gerüchte vor allem auf dem Land, wo Allala'ian in manchen Nächten aus Hal'lenabad in die Dörfer kam, um die Bauernsöhne zu verführen und sie zu Sklaven-Dämonen zu machen. Aber das meiste sind nur Legenden.
Diese Berichte über das Wirken der Propheten sowie
die Gesetze und die Geschichte der Alisier sind in den 15 Schriftrollen der
Ji'jalla aufgeschrieben, welche im Hohewajen in Hal'lenabad aufbewahrt werden.
Sie bilden die Grundlage der alisischen Kultur, weswegen alle Kinder der Alisier
die Ji'jalla lesen müssen. Die Alisier nennen ihre Glaubensplätze Wajene. Die
meisten dieser Bauwerke sind oben offen, um den heiligen Tieren, den Vögeln,
Eintritt zu gewähren. Zu den komplett verschlossenen Gebäuden gehören
hauptsächlich die, in denen Artefakte von hohen religiösem und materiellem Wert
liegen.
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