Die Geschichte der erédischen Orden

 
Kapitel 6: Der Pfaffenkrieg

Als sich schon der baldige Tod König Iandals II. abzeichnete, fiel 1272 ein Haufen orkischer Plünderer von den Wilden Landen her ein. Sie brandschatzten Limandor und bedrohten Niederweidelsburg und Greiffenstein. In Eile sattelten die Tegelinger noch immer unter Fürst Helmbrecht Einauge ihre Pferde und auch von der Weidelsburg her kamen Ritter um das Unheil der Räuber zu beenden. Sie verfolgten die Orks bis in die Ausläufer der Nebelberge, wo es schließlich zum Kampf kam. Der Fürst in seinem Bärenfell erschlug etliche der Ungeheuerlichen und brüllte dabei selbst wie ein Bär und auch die königlichen Ritter in ihren schwarzen Harnischen zeigten sich mannigfaltig. Sie besiegten die Orken und nur wenige Erédier waren dabei gefallen. Da türmten die Tegelinger nach Travenart alle Beutestücke zu einem Haufen, um sie unter den Kriegern aufzuteilen. Der Anführer der schwarzen Ritter verlangte jedoch lediglich die wunderliche Krone des Orkhäuptlings, nahm sie und ritt fort. Diese Krone war besetzt mit wunderlichen Hörnern von unbekannten Bestien und sie waren hart wie Elfenbein, doch schwarz wie eine Tollkirsche und gedreht wie Späne. Fürst Helmbrecht sah mit seiner leeren Augenhöhle hinter das Visier des Heermeisters, als dieser wieder sein Pferd bestieg, und erkannte, dass dies Abt Stephanus der Stählerne gewesen war, der in ritterlicher Tracht den Trupp der Weidelsburg angeführt hatte. Hier hatten sich nun die bösen Vermutungen des Oberpriesters der Ilva bestätigt und sobald die anderen Beutestücke verteilt waren, kehrten sie nach Tegelingen zurück, denn der Fürst konnte die Gefolgsmänner nicht eher zur Ruhe bringen, bis alle Beutestücke aufgeteilt und nach Haus gebracht waren. Mit langen Reden, in denen er Unheil und Unfrieden des Ordens heraufbeschwor und nicht zuletzt auch die tiefen Gewölbe der Akademie ansprach, welche er mit kostbaren Schätzen und schändlichen Werkzeugen angefüllt dachte, überzeugte Fürst Helmbrecht die Stammesältesten zu einem Feldzug gegen Metzarum und so begann der Pfaffenkrieg.

Alle wehrfähigen Männer von Tegelingen verließen nun vom Fürst geführt das Herzogtum Weidelsberg und ritten nach Leuenfels. Dort verbanden sie sich mit dem Grafen Ortwin, der eilig den Heerbann in seinem Dorf ausrief, denn gedachte noch immer der durch die Geschicke des Kanzler verlorenen Burg Löwenstein und glaubte dem Oberpriester von Istha, der davon sprach, dass der Orden von Metzarum wohl vielerlei listige Künste die Geschicke des alt gewordenen Königs dirigierende und so die althergebrachte Ordnung außer Kraft setzte, was nur in Unheil und Unfrieden enden könne. Auch viele Krieger aus Hasungen schlossen sich dem Fürsten in Leuenfels an, denn diese waren für jegliches Abenteuer zu haben, weil sie die Tage, als sie als plündernde Horde durch Steppen zogen, vermissten. Auch fanden sich die Priester der Ilva aus Istha ein, die als vortreffliche Heiler den Tross bildeten. Herzog Antur, der sich durch den Verlust von Burg Löwenstein und den hasungischen Neugründungen durch den ordinierten Kanzler hintergangen sah, gewährte den Tollkühnen ungehindert den Durchlass und viele seiner Ritter schlossen sich dem Priesterheer an. Herzog Antur jedoch, der wohl schon das Strafgericht des Königs fürchtete, verblieb hinter den Mauern seiner Feste. So zogen sie südwärts gen Hellensberg. Die Edlen von Hellensberg besetzten frühzeitig das Kloster Rieda, wodurch sie Plünderungen verhinderten. Schließlich erreichte das große Heer das Herzogtum Forkenburg. Nun schlossen sich die Grafen von Forkenburg mit ihren Hintersassen dem Fürsten an und sie formierten sich endgültig um gegen das Kloster Metzarum zu ziehen. Vorn ritt Fürst Helmbrecht Einauge, gekleidet in einen Bärenfell und das Banner Tioris hochhaltend, denn noch immer galt er als ein Priester Tioris. Hinter dem Fürsten ritt die Reihe der Grafen und diese trugen die Wappen ihrer Geschlechter auf ihren Schilden. Danach kam eine große Schar von Reitern mit langen Lanzen, von denen die meisten Hasunger und Tegelinger waren. Hinten ging das Fußvolk, gebildet aus den Hintersassen von Forkenburg, und sie trugen Sensen, Dreschflegel, Mistgabel und Knüppel und sangen spöttische Lieder über die Mönche. Ganz am Ende rollte der von sechs weißen Ochsen gezogene Wagen der Ilva-Priester aus Istha. Während der Oberpriester den heiligen Zorn predigte und gegen das Hexenwerk wetterte, bliesen seine Gehilfen in riesige Büffelhörner, die freilich Leihgaben des tegelingischen Priesterfürsten waren.

Als bald stand das Heer vor der Akademie und da sahen sie, dass sich die Mönche bereits verschanzt hatten. Mit Leiterwagen und eilig gezimmerten Palisaden hatte Abt Stephanus der Stählerne einen Ring um das Kloster und die Akademie ziehen lassen. Die Scholasten trugen selten Knüppel oder gar Schwerter, doch waren zahlreiche Bogenschützen unter ihnen und einige Mönche hielten seltsame Gerätschaften und Fackeln in den Händen. Hoch zu Ross saß Abt Stephanus der Stählerne, in schwarzer Rüstung und die Orkenkrone auf dem Haupt, und überschaute die feindlichen Heere. Als die Mannen des Fürsten gerade lospreschen wollten und die Mönche ihre Bögen spannten, kam urplötzlich der Herold des Königs herbei geritten und entrollte ein golddurchwirktes Banner mit dem Greif des Reiches. Die gerüsteten hielten nun inne und der Herold verlass von einer Pergamentrolle die Befehlsgewalt des Königs. So forderte er sie im Namen des Königs auf die Waffen niederzulegen und sich dem Gericht des Königs zu stellen. Ehe sich der Fürst und der Abt versahen, erschien am Horizont das große Heer des Königs und des Königs Sohn Roald Herzog von Weidelsburg war ihr Heerführer. Hintendrein in einer leichten Kutsche saß der hoch betagte König Iandal II. Dann fügten sich nun die Heerscharen Helmbrechts Einauge und ließen eilige Richtsprüche über sich ergehen. Die Grafen beriefen sich nun auf das Fehderecht, welches ein Privileg der edelfreien Lehnsmänner war, und die forkenburger Hintersassen folgten ihren Herren in die Freiheit. Auch die Tegelinger und Hasunger gingen straffrei aus ihrem Abenteuer, doch Fürst Helmbrecht Einauge wurde auf Geheiß des Königs festgenommen. Doch der alte König ließ es sich nicht nehmen trotzdem das ganze Heer zu maßregeln, das er auf frischer Tat ertappte hatte. Als bald drangen die Schergen des Königs ins Kloster ein, doch mussten sie feststellen, dass Stephanus der Stählerne die Stunden des Trubels genutzt hatte und bereits nach Fridislar entkommen war. Zwar forderte der König den Senat auf ihn auszuliefern, doch bald schon verlor sich die Spur des Abtes. Einige vermuteten, er hätte sich insgeheim mit seinen Künsten dem Senat verpflichtet, andere dachten der Pontifex Maximus halte ihn versteckt, doch einige Jahre später erreichten die ersten Gerüchte über ein fernes Orkenreich namens Gerandack Erédia und böse Zungen, besonders jene in Istha, behaupteten nun, der Abt mit der Orkenkrone wäre nun ein König in den Wilden Landen. Dies war das jähe Ende des Pfaffenkrieges.

 

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