Die Geschichte der erédischen Orden

 
Kapitel 2: Die Gründung des Klosters

Nun kommen wir also zu dem Ereignis, worauf wir eigentlich hinauswollten. Metzarum war von alters her eine königlich erédische Reichsstadt gewesen und die Akademie befand sich auf dem Gebiet eben dieser Stadt. Nun war aber durch das leidliche Spiel der Geschichte das Königreich Erédia zerfallen und Metzarum ward quasi herrenlos geworden, wenn man vom Einfluss des kleinen Herzogtums Forkenburg absieht, welches sich zu dieser Zeit in jener Gegend erhob, doch die Macht der alteingesessenen Patriziergeschlechter nicht zu brechen vermochte. So nahmen die Patrizier, die großen Bürger der Stadt, selbst das Szepter in die Hand. Sie regierten von da an bis zur Wiedererrichtung des erédischen Königreiches im Jahre 1124 nahezu vollkommen eigenständig, doch sie überließen den durch die Bruderschaft verbundenen Magistern die Gebäude der Akademie und ein wenig Land als Pfründe, denn die Patrizier selbst waren nicht geneigt für den Betrieb der Akademie aufzukommen, doch trotzdem wünschten sie deren Fortbestand, denn sie war die hohe Schule des Bürgertums. So erlangte die Bruderschaft im Jahre 1043 von Metzarum ersten Grundbesitz.

Dies alles konnte Karolus Erhtra nicht erleben, denn er erlag hoch betagt im selben Jahr der Schwindsucht. Erfüllt vom heiligen Eifer begannen die Mönche ihr Tagewerk. Unweit der Akademie errichteten sie ein Klostergebäude, indem sich noch heute die Zellen der Brüder befinden. Zu ihrem ersten Abt wählten sie Stephanus den Gescheiten. Dieser war ebenso wie Karolus Erthra nur wenig in alchemischen und mechanischen Künsten bewandert, doch er war ein echter Genius in der Verwaltung, einige Jahre war er sogar ein Ratsherr in Metzarum gewesen, obendrein war er durch und durch rechtschaffend und götterfürchtig. Er ließ nun die Regeln für das klösterliche Zusammenleben aufschreiben, nachdem er sie selbst formuliert hatte. Er verordnete frühzeitige Gebetsstunden zum ganzen drakkmannischen Pantheon sowie zu diversen lokalen Gottheiten, Selbstkasteiungen, Leseübungen, Arbeitsstunden, das Tragen von einfachen Kutten, die Mäßigung in Speis und Trank und noch vieles mehr. Auch richtete er erstmalig die klösterliche Rechtsprechung ein, wovon allerdings in den Sammelwerken der Juristerei mehr zu lesen ist. Dies alles führte nicht nur zu Zucht, Ordnung und Gottgefälligkeit im Kloster sondern auch in der Akademie. So verpflichtete er etwa alle Scholasten zu Diensten auf den Feldern des Klosters, wenn diese ihre Lehrstunden beendet hatten. Vortrefflich blühten in diesen jungen Jahren die Akademie und das zugehörige Kloster auf. Die Werke des Abtes Stephanus überdauerten die Geschichte und noch heute finden sich seine Regeln im Kloster zu Metzarum und auch in anderen Orden wieder.

Um das Jahr 1100 ziehen die Alisier erstmals gegen jene Fürsten, die das alte Gebiet Erédia beherrschten. Aufregung und Sorge erfüllte daraufhin auch die Klostergemeinschaft in Metzarum, denn die Alisier waren nicht nur große Plünderer, wie die meisten kriegerischen Völker, sondern Heiden obendrein, die unterworfenen Völkern ausnahmslos ihren Kult um ihren einzigen Gott namens Aldon aufzuzwingen versuchten. Die Alisier überrannten Friedrichstein und von diesen Taten zutiefst eingeschüchtert begannen die Fürsten nördlich des Anders miteinander in Bündnisse zu treten um eine Überquerung des Anders durch die Alisier zu verhindern. Während die großen Fürsten in Verhandlungen traten, wüteten die Alisier in Friedrichstein. Groß-Willingsgoth fiel großen Plünderungen zum Opfer und der dortige Pantheon-Tempel wurde seiner Heiligkeit aufs Übelste beraubt und in eine Kultstätte Aldons umgewandelt. Sobald man sich südlich des Anders festgesetzt und verschanzt hatte, begannen die Hauptleute der Alisier den alteingesessenen Klerus zu verfolgen. Die, die dem Martyrium entgingen, suchten ihr Heil in der Flucht. Den Verfolgungen der Alisier entging auch ein gewisser Hieronymus, Priester aus Groß-Willingsgoth. Er überquerte den Ander bei Friedeslar und suchte im Kloster zu Metzarum eine Bleibe. Dieser wurde einige Jahre später, wohl auch auf Grund der Tatsache, dass er bereits südlich des Anders zum hohen Klerus zählte, zum Abt von Metzarum gewählt und ging als Abt Hieronymus von Friedrichstein in Annalen ein. Er baute das alte, noch aus drakkmannischer Zeit stammende eher schlichte Heiligtum der Ilva zu einer pompösen Tempelanlage aus. Die Kulte des Tiori und des Vigar befand er als weit weniger wichtig. Er bezeichnete Ilva als erster als die Göttin sämtlicher Wissenschaften, denn zuvor war Ilva lediglich der Heilkunst zugeordnet und Silto galt als Schutzgott der Alchemie und Dail als Meister der Astrologie. Manche der heutigen Gelehrten meinen, dieser Wandel hätte wohl daran gelegen, dass Tiori und Vigar den Friedrichsteinern nicht gerade hold gewesen sei und sich Hieronymus von Friedrichstein eher der metaphysischen Wissenschaft verschrieb; böse Zungen behaupten jedoch, Hieronymus von Friedrichstein sei in Wahrheit dem Aldonkult Alisiens verfallen und verehre statt Ilva lediglich jene kriegerische Prophetin der Alisier, von der er südlich des Anders gehört haben könnte. Doch wie auch immer, fortan ward das Kloster der Ilva geweiht und die Gemeinschaft der Orden der Ilva zu Metzarum genannt.
 
 

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