Ein neues
Herzogtum
Wahrlich, wahrlich ich sage
euch, es ist eine große Zeit in der wir leben. Preiset die Götter und opfert
ihnen reichlich, denn sie haben uns einen großen Segen beschert. Seit einigen
Tagen ist Erédia um ein weiteres Herzogtum reicher geworden. Ja, es ist wahr!
Ich selbst bin leibhaftiger Zeuge gewesen, sowohl bei der Beurkundung als auch
bei der anschließenden Feier in der Friedrichsteiner Feste.
Ich kann mit Stolz verkünden: Das Herzogtum Friedrichstein ist nun eingegliedert
in den Bund der westlichen drakkmannischen Lande, dem Königreich Eredia.
Doch bevor ich Einzelheiten über die Feier und die Beurkundung verliere, will
ich euch kundtun, wie alles begann.
Es ist nicht viele Dekaden her, als die ersten
Steine einer Wehranlage südlich des Anders gelegt wurden. Der damalige erédische
König Sieghard IV. beschloss das wilde Land südlich des Anders, welches laut
alten Legenden verflucht sein soll, nutzbar zu machen. Außerdem wollte man einen
Schutz nach Süden aufbauen, da man eine Bedrohung einer fremden Macht aus dem
Süden fürchtete. So kam es, dass Hunderte Bauern und Knechte aufbrechen mussten,
um die notwendigen Arbeiten zu voll richten. Und schon bald stand eine
Wehranlage, die mit nichts zu vergleichen war. Schon unter den Arbeitern damals
wurde sie als "der Fels" bezeichnet. Sie galt als unbezwingbar. Die Gelehrten
und Baumeister hatten ganze Arbeit geleistet. Die Mauern aus Stein waren mehrere
Schritt breit und ungefähr zwei Steinwürfe hoch. Ein Dutzend Türme ragten über
ihre Wehrgänge empor und der Graben, welcher den steinernen Klotz umschloss, war
ein Steinwurf breit. Sie bestand aus drei Zwingern und besaß unzählige
Geheimnisse zur Verteidigung. Heute ist sie noch gewaltiger und beeindruckender.
Sie ist weit über die Landesgrenzen bekannt als die Landsburg Feste.
Schon bald entdeckte man die
reichen Bodenschätze im Mossen Gebirge und es wuchsen kleine Siedlungen wie
Wahberoth und Evingoth aus dem Boden, in denen sich Bergarbeiter und Handwerker
niederließen, die ihr Glück im Schürfen suchten. Doch Sieghard IV. war schon alt
und greise. So muss er sich eingeredet haben, dass es im Süden eine dunkle, böse
Macht gebe, die sein Land bedrohe. So kam es, dass er weitere Festen und Wahrten
bauen lies, um die Lande nördlich des Anders zu schützen.
Doch schon bald starb der alte Monarch und sein Sohn trat die Regentschaft an.
Doch er interessierte sich nicht besonders für den "öden Süden", wie er sagte,
und widmete sich lieber anderen Dingen zu. Während seiner Regentschaft wurde das
Land südlich des Anders allmählich fruchtbar und auch Bauern siedelten sich an,
da das Land niemandem gehörte, außer dem König, denn bisher war noch kein Fürst
mit den Ländereien südlich des Anders belehnt worden.
Doch nach der kurzen Herrschaft Gottfrieds I. kam Friedhard III. an die Macht.
Er war ein sehr besonnener König, dem große Weisheit nachgesagt wurde. Er
erkannte den Reichtum des Südens und beschloss das wilde Land unterhalb des
Anders auszubauen.
So wurden das Mossen Gebirge genauer untersucht und man fand noch reichere Erz-
und Kohleschichten. Friedhard III. lies die Städte befestigen und baute die
erste Anderbrücke Erédias, die eine Verbindung von Anderporth nach Willingsgoth
brachte. Immer mehr Bauern, Handwerker und auch Handelsherren zog es in den
nicht mehr ganz so wilden Süden, wo sie glaubten ihr Glück zu finden. Wahberoth
und Evingoth wuchsen rasch und 693 n. K. bekam Evingoth seine Stadtrechte zu
gesprochen. Doch bereits 677 n. K. bekam Willingsgoth als erste Stadt südlich
des Anders vom Kaiser die Stadtrechte. Deshalb wurde als bald der erste Markgraf
mit Willingsgoth belehnt, um dort den Süden zu verwalten. Doch schon bald
reichte ein Fürst für die immer höher wachsende Einwohnerzahl nicht mehr aus.
Der schon sehr alt gewordene König
Friedhard III sah das Problem und beschloss einen kühnen Plan. Er wollte aus der
Provinz ein Herzogtum seines Königreiches machen. Und schon bald wurde der
Grundstein für eine prächtige Burg bei Willingsgoth gelegt, welches der Wohnsitz
des baldigen Herzogs werden sollte. Doch der Große Friedhard, wie er heute von
seinen Nachkommen genannt wird, erlebte die Fertigstellung seines Traums nicht
mehr. Sein Sohn Friedrich I., unser großer König über das glanzvolle Erédia,
baute die Burg fertig. Und am 3. Ogris 721 n. K. auf dem Schloss Friedrichstein
von Willingsgoth übergab König Friedrich I. dem Herzog Sieghelm von
Friedrichstein das Regentschaftszepter und die Herzogskrone. Es waren alle
Fürsten Erédias bei der Krönung zu gegen. Der Kaiser entsandte seinen ersten
Ritter mit einem großen Gefolge, um die Glückwünsche unseres ewigen und großen
Kaisers zu übermitteln. Auf der vom König und Kaiser unterzeichneten Urkunde
wird nicht nur die Rechte des Herzogtums gesichert, es erlaubt auch der Stadt
Willingsgoth sich ab sofort Groß Willingsgoth zu nennen und es gewährt der Stadt
auch das Münzrecht. Der König setzte Graf Sieghelm als Herzog ein, da dieser
sich zuvor in der Schlacht gegen die Kahlemannen einen großen Namen gemacht
hatte. Er war der Heerführer in der Schlacht und besiegte die Wilden aus dem
Norden mit einer kleineren Streitmacht und nur seinen taktischen Raffinessen ist
es zu verdanken, dass die Kahlemannen nicht weiter ins Landesinnere vordringen
könnten.
Die anschließende Feier war enorm und man sah, dass unser geliebter König keine
Kosten und Mühen scheute, um zu zeigen, dass er der mächtigste und nobelste
König des ruhmreichen Drakkmannen Bundes ist.
Brüder und Schwestern Erédias lobsinget den
Göttern, danket dem König und betet für den Herzog auf dass seine Regentschaft
dem Land und dem Reich zu Ruhm und Reichtum verhelfen werde!
So wollen wir das Schicksal unseres Landes in die Hände der Götter legen und auf
Dails großen Plan vertrauen.
Aus der Sammlung "Geschichtliche
Ereignisse" der Akademie für Gelehrte zu Metzarum.
Schreiber unbekannt

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