Geschichte Erédias
Vom Ende des Drakkmannenreiches bis zur Krönung
Iandal I.
Im Jahr 967 wird der letzte drakkmannische Kaiser Ludowig
ermordet. Das marode Reich, das schon seit einigen Jahrzehnten von
Fehden, Bürgerkriegen und Seuchen, Hungersnöten und anderen
Katastrophen gepeinigt wird, bricht nun endgültig auseinander.
Auch viele andere Herrscher werden abgesetzt oder sogar beseitigt.
Die drakkmannischen Adligen nutzen ihre plötzliche Unabhängigkeit
um ihre Macht auszubauen und beginnen sogar mit Kriegen und
Eroberungszügen gegen ihre Nachbarn. Zudem erscheinen an den
Südgrenzen fremde Krieger und fallen in das Reichsgebiet ein. Es
sind kleine, schlitzäugige Reiter mit schwarzen Haaren und
bronzefarbener Haut. Die zerstrittenen Fürsten des Reiches haben
ihnen wenig entgegenzusetzen und so müssen sie ohnmächtig zusehen,
wie die Südländer, oder Alisier, wie sie sich selbst nennen, Mark
um Mark erobern und immer weiter nach Norden vordringen. Die sich
gegenseitig bekriegenden drakkmannischen Fürsten erkennen oft viel
zu spät die drohende Gefahr und werden gnadenlos von den grausamen
Reitern überrannt. Viele sind der Ansicht, mit dem ausklingenden
Jahrtausend würden auch die drakkmannischen Völker von der Erde
verschwinden. Andere halten die Alisier für eine Strafe der Götter
oder glauben, dass der Weltuntergang bevorstehe.
Die Welt geht nicht unter, nur das Drakkmannenreich ist dahin und
mit ihm endet eine bedeutende Ära in unserer Geschichte. Fast
scheint es, als hätten die Götter die Welt und die Zeit aus ihrer
Verankerung gerissen, umgekehrt und durchgerüttelt. Wie nach der
Landung der Traven vor vielen Jahrhunderten bricht nun eine neue
Epoche an.
Endlich, nach Anbruch des neuen Jahrtausends, erwachen die
Menschen schließlich aus ihrer Ohnmacht. Überall rotten sich die
Fürsten zusammen, bilden Pakte und Bündnisse, um endlich dem Alisiersturm Einhalt gebieten zu können. Man kann sie zwar nicht
aufhalten, sie jedoch weit nach Westen abdrängen, wo sie entlang
des Nebelgebirges nordwärts ziehen. Hier, am äußersten Rand des
Reichs, bisher von den alisischen Expansionsbestrebungen
unbehelligt, erkennen um 1100 herum die zerstrittenen Fürsten der
drakkmannischen Westmark, des ehemaligen Königreichs Erédia, die
drohende Gefahr und verhandeln über ein Abwehrbündnis.
Doch nur
vier Herzöge kommen zu einer schnellen Übereinkunft, da sie durch
ihre Lage am westlichsten Zipfel Erédias besonders gefährdet sind,
die anderen zögern noch. Arnulf, der Herzog von Lawegon, sieht in
dem Pakt jedoch ein Hindernis für seinen Plan, die Herrschaft über
ganz Erédia zu übernehmen, überrennt die noch unentschlossenen
Fürstentümer und lässt ihre Herrscher gefangen nehmen. Da die
Mehrheit der erédischen Herzöge sich nun in seiner Gewalt
befinden, will er sie zwingen, ihn zum erédischen König zu
ernennen. Diese weigern sich jedoch, was einige unter ihnen den
Kopf kostet. Die vier verbündeten Herzöge reagieren schnell und
wählen ihrerseits einen eigenen König: Iandal von Weidelsberg.
Aus der Sammlung Geschichte der Akademie für Gelehrte zu Metzarum
Ein unbekannter Geschichtsgelehrter

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