Die freie Stadt Fridislar
nach einem Bericht von Carolus Ehrtra
Der berühmte Dichter Carolus Ehrtra hat Fridislar in seinem Buch
"Durchs wilde Lawegon" folgendermaßen beschrieben:
"Wenn man die Stadt durch eines der Tore betritt, wird man sofort
von einem Gewimmel und Gewusel überwältigt, das in der Welt
seinesgleichen sucht. Überall sind Menschen, solche, die etwas
kaufen wollen und welche, die etwas verkaufen wollen, welche, die
einen nach etwas Geld fragen und andere, die es sich einfach
nehmen. Kontor reiht sich an Kontor, und vor und in jedem stapeln
sich die mannigfaltigsten Waren, die man sich vorstellen kann:
Trauben und saftige Äpfel von den Hängen Lawegons, wertvolle
Bücher aus Rieda, alisisches Geschirr, güldener Honig und Meth von
den Traven, Zwergengold und Edelsteine und riesenhafte Bärenfelle,
die von den Orks aus Gerandack stammen sollen. Und wenn man nicht
aufpaßt, dann fallen einem ein paar Säcke oder Kisten auf den
Kopf, die mit einem Flaschenzug in die Speicher der Kaufhäuser
gezogen werden sollten. Die Hauptstraße ist so verstopft, dass ein
ankommender Handelszug oft den ganzen Tag braucht, um die Stadt zu
durchqueren, die Formalitäten bei der Zoll- und Mautstelle noch
nicht eingerechnet. Man hört die unterschiedlichsten Sprachen und
sieht Menschen aus aller Herren Länder. Ständig flitzen Jungen hin
und her, die wichtige Botengänge für ihre Herren erledigen und
allenthalben stolpert man über ein Ferkel oder einen streunenden
Hund. In den Hintergassen reiht sich Schenke an Schenke. Hier
stehen auch die Häuser der Ärmeren, kleine, windschiefe
Holzhäuser, während die Handwerker in schmucken kleinen
Fachwerkhäusern leben und die Patrizier sich teilweise sogar teure
Steinhäuser leisten können.
Am Brunnen auf dem Markt trifft sich stets jung und alt und es
werden Neuigkeiten und Tratsch ausgetauscht, während drumherum die
Krämer, Handwerker, Fischer und Bauern an den Markttagen ihre
Waren lautstark anpreisen. Und überall führen Gaukler und anderes
fahrendes Gesindel ihre Kunststücke vor.Auf dem Platze zwischen
dem Senat und dem großen Tempel hingegen trifft sich allerlei
gelehrtes Volk: Dichter, Priester, Philosophen, Hellseher und
Propheten und debattiert gewichtige Dinge. Im großen Steinhaus des
Senats sitzen die Senatoren und lenken die Geschicke der Stadt, in
der Laube davor wird Gericht gehalten und im großen Tempel, dessen
Turmzwillinge hoch über das Tal ragen, sitzt der Pontifex Maximus,
der höchste aller Priester, und tut den Willen der Götter kund.
Geht man in Richtung der Mittagssonne aus der Stadt, kommt man
alsbald auf eine große Brücke, auf der die Armathanstraße den
Ander überquert und nach Alisien entschwindet. Unterhalb der
Brücke herrscht buntes Leben, denn die Kähne der Anderschiffer
legen dort an, werden be- oder entladen und die Waren aus Minskja,
Anderporth oder manchmal sogar Gerandack auf Karren in die
Lagerhäuser und Kontore in der Stadt gebracht. Auch die Fischer
haben dort ihre Boote und bringen täglich frische Forellen oder
Aale, damit in den Küchen der Reichen und Adligen daraus gute
Speise gemacht werde.
Von hier unten sieht man auch die ganze wehrhafte Pracht der
Stadt, ein Kranz aus Mauern, Wällen und Gräben umgibt das Gewimmel
der Häuser und unzählige Türme und Zinnen wachsen daraus hervor
wie die Zacken einer Krone..."
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