Die Akademie für Gelehrte zu Metzarum
 

Die Akademie für Gelehrte zu Metzarum ist größte und bedeutendste Lehranstalt des Königreichs Erédia. Gegründet wurde sie bereits zur Zeit der Drakkmannenkaiser, doch erst nach Untergang des Kaiserreiches übernahm der Ilva-Orden die Leitung der Akademie. Wie Metzarum nach Ausgang des forkenburgischen Krieges wieder in erédische Hand geriet, erhob König Ulrich dem Abt von Metzarum in den Fürstenstand und die Akademie wurde ein reichsunmittelbares Territorium mit zahlreichen Ländereien und Pfründen. Im Laufe der Jahre entstanden auch in Rieda und Anderporth der Ilva geweihte Abteien sowie das Kollegium der Kanzlisten auf der Weidelsburg, doch sie alle stehen hinter dem Primat von Metzarum zurück. Derowegen lautet die volle Titulatur Fürstabt von Metzarum, Erzkanzler des Reiches Erédia, Rektor der Akademie für Gelehrte zu Metzarum und Primus des Ordens der dreimalgroßen Ilva. Hinzu kommen wahrscheinlich einige arkane Titel, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben.

Im Grunde darf jeder ein Studium an der Akademie beginnen; den Leibeigenen ist dies jedoch durch ihre Herren verboten. Gleich ist es auch ob man bereits Untertan der erédischen Krone ist oder eines anderen Reiches ist, denn durch die Einschreibung in die Matrikelliste wird der Scholast dem akademischen Recht unterworfen und steht von nun an in der Schuld des Klosters. Für die Dauer des Studiums ist der Scholast also Untertan des Fürstabtes und des erédischen Königs. Für die Scholasten sowie die Mönche gilt das akademische Recht, dessen Richter und Gesetzgeber der Fürstabt ist. Auch sind die Scholasten von jeglicher Steuer befreit, doch sind sie zugleich zum Dienst verpflichtet, denn es ziemt sich für die Scholasten auf den Gütern des Ordens bei der Ernte zu helfen. Der Orden zeigt sich jedoch gütig und bietet den Scholasten bescheidene Herberge. Nicht wenige Scholasten treten als Novizen dem Orden bei, obwohl hierzu kein Zwang besteht, doch viele versagen bald an ihrer Frömmigkeit und verlassen die Ordensgemeinschaft wieder, ohne je das Gelübde abgelegt zu haben.

Die Akademie hat vier Fakultäten: Theologie, Medizin, Juristerei und Artistik. Die Artistik unterteilt sich wiederum in die freien Künste und die mechanischen Künste. Die sieben freien Künste bestehen aus dem Trivium und dem Quadrivium. Alle Scholasten beginnen mit dem Trivium, außer jene, die bereits an gemeinen Schulen Lesen und Schreiben gelernt haben. Als trivial gelten Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Nun folgt das Quadrivium, bestehend aus Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Nach Abschluss des Studiums der freien Künste erhält der Scholast den Titel des Magisters. Nicht wenige verlassen nun die Akademie und finden als Schreiber oder Schulmeister Anstellung. Die übrigen fahren mit dem Studium einer höheren Wissenschaft fort. Das Studium einer höheren Wissenschaft verleiht die Doktorwürde.

Zusätzlich kann auch in einzelnen mechanischen Künsten der Meistertitel erreicht werden. Gemeinhin werden sieben mechanische Künste unterschieden: Handwerk, Kriegswesen, Seefahrt, Landbau, Jagd, Heilkunde und Hofkunst. Die meisten niederen Handwerke werden in den Werkstätten der Zünfte gelehrt, doch auch die Akademie versteht sich hier als Quelle des Wissens insbesondere in Metallurgie, Glasbläserei, Malerei und Bilderhauerei. Zum Kriegswesen zählen Taktik, Ballistik und Historik. Der Seefahrt werden auch Kartografie und Handel zugerechnet. Zum Landbau gehören neben Ackerbau und Viehzucht auch Gartenbau und Viehheilkunde. Zoologie, Beizjagd, Bogenschießen und der gleichen bilden zusammen die Jagdkunst. Die Heilkunde versteht sich vor allem als Kräuterkunde und Botanik. Zu den Hofkünsten werden vor allem Heraldik, Zucht und Höflichkeit gerechnet.

Die Theologie gilt in Metzarum als die höchste Wissenschaft. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Liturgie des Ordens, dem drakkmannische Pantheon und den zugehörigen Mythenkreisen. Hinzu treten aber auch Metaphysik und Philosophie. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf den theosophischen Lehren des Karolus Erthra. Es wird sogar über die Natur fremde Kulte unterrichtet, wobei insbesondere der Frevel des Alisiertums aufgezeigt wird. Auch Theurgie und Theomantie spielen eine Rolle, doch hier spielt göttliche Gnade meist eine größere Rolle als die Gelehrsamkeit. Das Studium der Theologie qualifiziert jedoch keineswegs zu einem Amt außerhalb des Ordens, denn die Priesterschaft unterhält eigene theologische Schulen innerhalb der Tempel.

Im Studium der Medizin wird der Scholast zum Medikus ausgebildet. Im Gegensatz zur medizinische Schule Istha, die an der Säftelehre festhält, gibt Metzarum dem Theorem des Cornelius Kwickel den Vorzug. Der Mediziner macht daher ein Ungleichgewicht zwischen Schwefel, Quecksilber und Salz für Krankheiten verantwortlich und versucht dies vor allem durch Quacksalben, Aderlass und dergleichen wiederherzustellen. Freilich wird auch die Physiologie gelehrt, insbesondere der Umgang mit Säge, Skalpell, Nadel und Faden.

Die Juristerei bildet die dritte der großen Fakultäten. Neben dem drakkmannischen Recht können Scholasten auch travische Volksrechte studieren, sofern die in Schriftform vorliegen. Gemeinhin werden kaiserliches, königliches, herzogliches und grundherrliches Recht unterschieden. Das Studium der Juristerei ermöglicht die Arbeit als Advokat oder auch als höherer Beamter des Königreiches.
 


 

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